Tesla-Mitarbeiter macht Panasonic für Verzögerungen verantwortlich!

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panasonic-tesla-gigafactory-verzoegerungenFür Tesla läuft es wieder nicht rund. Nachdem der Elektropionier starke Engpässe bei der Produktion des Tesla Model 3 einräumen musste, hat er nun die Vorstellung des Elektro-LKW Tesla Semi zum zweiten Mal verschoben. Und auch die neue Generation des Heimspeichers Powerwall lässt in Deutschland schon seit Monaten auf sich warten. Nun packt ein Tesla-Mitarbeiter aus: Verantwortlich für die Produktionsengpässe ist angeblich Tesla-Partner Panasonic. Die Details klingen erschreckend. Unfähiges Personal, übertriebene Qualitätsstandards, ständige Stromausfälle und mangelnde Notstromversorgung sollen die Gründe für Teslas Probleme sein.

Hinweis: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 10.10.2017 veröffentlicht. Da dieser auf eine hohe Resonanz stößt und wir vielfältige Hinweise erhalten, wird dieser Artikel ständig aktualisiert. Diese Ergänzungen haben wir kursiv gekennzeichnet. Sollten Sie weitere Hinweise haben, so können Sie uns hier direkt eine Mail senden >>>

Panasonic produziert angeblich weniger Zellen als versprochen

Der User „EnDeep“, der nach eigener Aussage in der Tesla Gigafactory arbeitet, enthüllte in einem Internetforum eine lange Liste von Gründen, wie Panasonic die Produktion von Elektroautos und Solarstromspeichern in der Gigafactory aufhält. Die Zellproduktion geht demnach nicht schnell genug. Das Unternehmen produziere nicht die Menge an Zellen, die es auf dem Papier angeblich herstellen kann, und das sei der wahre Grund für die Produktionsprobleme bei Tesla, kritisiert EnDeep. Das japanische Elektronikunternehmen stellt Batteriezellen für Tesla direkt in der Gigafactory in Nevada her. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Elon Musk für den geplanten Powerpack-Batteriepark in Südaustralien, der bis Jahresende fertig sein soll, auf Zellen von Samsung zurückgreifen musste. Der Grund: Den dafür benötigten Zelltyp habe Panasonic nicht produzieren können und habe „aufgegeben“, heißt es im Beitrag.

Unqualifiziertes Personal soll massive Störungen in der Produktion verursachen

Ein riesiges Problem sei unfähiges Personal, erklärt die Quelle weiter. Alle Führungspositionen bei Panasonic sollen mit Managern besetzt sein, die keine technische Erfahrung und keine Erfahrung in der Produktion hätten. Das ziehe sich durch alle Ebenen bis hinunter zu den Vorarbeitern am Fließband, klagt der Tesla-Mitarbeiter. Panasonic setze nicht auf qualifiziertes Personal, sondern auf Angestellte, die zwar für ihre Tätigkeit nicht gut ausgebildet sind, aber dafür leicht zu kontrollieren. Er fordert: Tesla muss dafür sorgen, dass Panasonic sämtliches Führungspersonal sofort entlässt. Stattdessen müsse man erfahrenes Personal einstellen, zum Beispiel aus dem Mittleren Westen. Es muss ein Management-Team über alle Ebenen geben, das sich ausschließlich um technische Probleme und Reparaturen kümmert, schlägt EnDeep vor.

Warum behält Panasonic unfähige Mitarbeiter?

Das gelte zwar nicht für die japanischen Techniker, die Panasonic direkt aus seinen japanischen Fabriken in die Tesla Gigafactory hole. Diese seien erstklassig und der einzige Grund, dass die Produktion überhaupt laufe. Doch diese sprechen den Angaben zufolge kein Englisch, obwohl ihr Job unter anderem ist, Panasonic-Angestellte aus den USA darin zu schulen, die Fertigungsanlagen zu reparieren und zu warten. Diese Angestellten hätten jedoch ohnehin keine technischen Fähigkeiten, würden aber trotzdem nicht entlassen, beklagt EnDeep. Und das, obwohl sie täglich Probleme verursachten: Ein Techniker habe einmal für einen tagelangen Produktionsausfall gesorgt, weil er mit falschem Werkzeug Schäden an den Produktionsanlagen angerichtet habe. Außerdem seien viele Ersatzteile für beschädigte Anlagen in den USA gar nicht zu bekommen, sondern nur in Japan.

Sind Panasonics übertriebene Qualitätsvorgaben ein Teil des Problems?

Die Qualität der produzierten Batteriezellen lobte die Quelle jedoch ausdrücklich, die Qualitätsstandards seien extrem hoch. Vielleicht zu hoch? Panasonic gebe dem Wort „pingelig“ eine ganz neue Bedeutung, heißt es. Das Unternehmen würde keine Abstriche machen, um etwa Produktionsziele zu erreichen. Ein mikroskopisch kleiner Kratzer auf der Außenhülle führe bereits dazu, dass die Zelle in den Müll wandere. Anschließend würde die komplette Produktion gestoppt, um die Ursache des Kratzers zu suchen und zu beheben. Dieselben extremen Standards sollen auch für Maßvorgaben bei den einzelnen Komponenten gelten. Dort sollen kleinste Abweichungen ebenfalls dazu führen, dass täglich Einzelteile und schon fast fertige Zellen weggeworfen würden, beklagt EnDeep.

Angestellte haben Schwierigkeiten, überhaupt zur Arbeit zu kommen

Daneben soll die gewählte Location für die Tesla Gigafactory ein riesiges Problem sein: 20 Meilen von der nächsten Stadt entfernt, und in einem Teil von Nevada, in dem es seit Generationen nur Casinoangestellte gäbe. Im Umkreis von 300 Meilen gibt es demnach kein qualifiziertes technisches Personal. Der Stundenlohn von meist 13 bis 14 Dollar reiche zudem nicht aus, um die Anfahrtskosten zu decken, schreibt EnDeep. Nur eine einzige Schnellstraße führe zur Gigafactory, und diese sei ständig gesperrt wegen Wetter, Buschbränden und Unfällen. Mindestens einmal pro Woche gäbe es Ausfälle in der Produktion, weil Angestellte wegen der Sperrung nicht zur Arbeit kämen. Damit Tesla jemals den Bedarf decken könnte, müsste man den Zugang zur Gigafactory verbessern, zum Beispiel durch einen von Elon Musks „Hyperloop“-Tunneln. Eine andere Möglichkeit wäre, in der Nähe der Fabrik Wohnungen für die Angestellten zu bauen.

Eine Batteriefabrik ohne Notstromversorgung?

Auch die Stromversorgung in der Gigafactory soll wackeln, was den Angaben nach dramatische Folgen für die Zellproduktion hat. Eigentlich sollte der Strom für die Fabrik aus Solarmodulen auf dem Dach kommen, doch diese Pläne hat Tesla angeblich für immer verworfen. Der Strom für die Produktion kommt vom Energieversorger Nevada Energy. Dieses Unternehmen ist der Quelle zufolge für ständige Stromausfälle bekannt. Zwei bis dreimal die Woche fällt demnach der Strom aus – zwar nur für wenige Sekunden, doch danach brauche Panasonic jedesmal im Schnitt sechs Stunden, um die Produktion wieder hochzufahren, behauptet der Angestellte. Die Folge: Alle Batteriezellen, die in den letzten drei bis vier Stunden vor dem Stromausfall produziert wurden, seien dann wertlos und würden entsorgt. EnDeep spricht von „Millionen Batterien“, die in den Müll wanderten. Er fordert: Die Stromversorgung muss stabilisiert werden. Entweder durch eine Versorgung der Fabrik mit Solarstrom wie geplant oder durch Batteriespeicher als Notstromversorgung.

Wo ist das Solardach auf der Gigafactory geblieben?

Auf allen Bildern von Tesla zur Gigafactory, die sich derzeit noch im Bau befindet, ist diese mit einem Solardach dargestellt. Aber aktuelle Bilder, wie dieser Drohnenflug, zeigen, dass derzeit auf dem Dach kein einziges Solarmodul zu finden ist. Bertl Schmitt von Daily Kanban mutmaßt, dass dies rein ökonomische Gründe hat. Wozu sollte Tesla in ein großes Solardach investieren, wenn die Gigafactory doch die meiste Energie extrem vergünstigt bekommen kann? Hierbei wird auf ein SEC-Börsendokument verwiesen, welches von Tesla teilweise als „vertraulich“ gekennzeichnet ist, was besagt, dass Tesla hohe Vergünstigungen beim Strombezug erhalten kann. Wörtlich heißt es:

Tesla “shall be eligible for a discount to the base tariff energy rate portion of its electric power bill equal to: thirty percent in the first and second years of the contract, twenty percent in the third, fourth, fifth and sixth years of the contract, and ten percent in the seventh and eighth years of the contract.”

Insofern sprechen ökonomische Gründe dafür, dass Tesla vom Solardach abgelassen hat. Auf der anderen Seite macht es allerdings aus Marketing- und Imagegründen für Tesla durchaus Sinn, am Solardach für die Tesla Gigafactory festzuhalten.

Warum greift Tesla nicht ein?

Wenn die Anschuldigungen von EnDeep stimmen, stellt sich die Frage, warum Tesla nicht längst eingegriffen hat. Schwer vorstellbar, dass die Idee der Solarstromversorgung komplett verworfen wurde, erst recht, nachdem Tesla SolarCity übernommen hat. Und noch schwerer vorstellbar ist, dass keine Notstromversorgung existieren soll, in einem Unternehmen, das Batteriespeicher herstellt. Es wäre interessant, eine Stellungnahme von Tesla oder Panasonic dazu zu bekommen.

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Quellen / Weiterlesen:
Tesla truck delayed again | Red Book
Tesla Gigafactory solar power scrapped, insider claims | Daily Kanban
Bildquelle: flickrDon McCulloug

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

7 KOMMENTARE

  1. Hi, ich arbeite auch in der Gigafactory. Es scheint zu stimmen, dass Panasonic die Produktionsziele nicht erreicht. Über die exakten Gründe kann ich nichts sagen, PENA hat aber wie alle japanischen Unternehmen bedingungslose Qualitätsanforderungen was auch deutlich zu spüren ist.

    Es sei aber zu den anderen Punkten gesagt, dass die GF erst zu 30% fertig gestellt ist und das Solardach sicherlich erst kommt wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Die Produktion läuft erst seit einigen Monaten und es treten auch mal Probleme auf. Ich habe in vielen Monaten, wo ich die meiste Zeit jeden Tag in der Produktion verbracht habe, allerdings erst zwei Stromausfälle erlebt, die beide auf die Baustellen zurück zu führen waren. Wir beziehen daheim auch schon immer Strom von NVEnergy und hatten noch nie einen Ausfall.
    Im gleichen Gewerbegebiet befinden sich mehrere der größten Höchstverfügbarkeits-Rechenzentren der Welt (u.a. Apple, Google, Switch) die alle einen Backbone des Internets bilden. Die Infrastruktur ist darauf ausgelegt und so hat das Gebiet auch ein eigenes Kraftwerk.

    Auch bin ich zuletzt im Winter wegen Verkehr zu spät zur Arbeit gekommen. Natürlich gibt es auch mal Stau wegen Unfällen, aber das hat sich nach Entzerrung der Schichtzeiten Anfang des Jahres und Einführung von Shuttlebussen deutlich verbessert. Konkret brauche ich für meine 27 Meilen Arbeitsweg morgens wie abends 30 Minuten. Dafür tanke ich für $20 pro Woche. Die genannten Löhne können sich nur auf ungelernte Hilfskräfte beziehen und langen trotz allem zum Leben und liegen über den üblichen Löhnen für Hilfskräfte. Fachkräfte werden aus dem gesamten Land angeworben und bekommen deutlich mehr.

  2. > Die Quelle mit dem entsprechenden Link haben wir am Ende des Artikels hinterlegt

    nein? unter Quelle ist nur der Link auf ein Model X Prototyp Bild. Und den Artikel Tesla truck delayed again

    eine Quelle zu diesem Forumseintrag sehe ich hier nicht

  3. Der User „EnDeep“, der nach eigener Aussage in der Tesla Gigafactory arbeitet, enthüllte in einem Internetforum eine lange Liste von Gründen…

    könnt ihr bitte hier noch die Quelle – das Forum nennen?

  4. Naja, ohne die enstprechenden Batterien mit Inselfähigkeit nützen Solarzellen auf dem Dach aber eh nichts.

  5. Unglaublich, riesige Dachflächen in einer sonnenverwöhnten Gegend und keine Photovoltaik drauf, und das dann auch noch bei Tesla.

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