Solarstreit in den USA: Ist Warren Buffett ein Klima-Heuchler?

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solarstreit-usa-warren-buffettDer amerikanische Großinvestor Warren Buffett gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Seine Holding Berkshire Hathaway ist mit über 80 Tochtergesellschaften in einer Vielzahl von Geschäftsfeldern aktiv und in den USA einer der größten Eigentümer von erneuerbarer Energie. Buffett gibt sich dabei gern als Klimaretter – doch gleichzeitig zerstört seine Firma NV Energy, ein Energieversorger im Bundesstaat Nevada, den dort rasant wachsenden Markt für Dach-Solaranlagen.

Höhere Gebühren und sinkende Einspeisevergütung bedrohen dezentrale Solaranlagen

Die zuständige Regulierungsbehörde hat die Gebührenstruktur für Besitzer von Solaranlagen in Nevada zum 1. Januar 2016 geändert. Von der neuen Regelung profitiert hauptsächlich NV Energy: Während die Gebühren, die für die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes anfallen, von dem Energieversorger innerhalb von 4 Jahren verdreifacht werden dürfen, wird die Einspeisevergütung für Solarstrom – das sogenannte Net Metering – gleichzeitig drastisch gekürzt. Sie soll in den nächsten Jahren von jetzt 11 Cent pro Kilowattstunde auf 2,6 Cent sinken. Damit dürften Dach-Solaranlagen in dem Bundesstaat unwirtschaftlich werden. Die Regelung soll zudem auch rückwirkend gelten: Käufer, die bei der Anschaffung ihrer Solaranlage von einer stabilen Gebührenstruktur ausgegangen waren, müssen nun befürchten, zukünftig mehr zu zahlen als normale Stromkunden, obwohl sie den Großteil ihres Stroms selbst produzieren.

Branchenführer SolarCity entließ Hunderte Mitarbeiter

Als Reaktion darauf entließ Nevadas Marktführer SolarCity im Januar über 500 Mitarbeiter. SolarCity wurde von Tesla-CEO Elon Musk gegründet, der auch einen Großteil der Aktien hält und im Vorfeld versucht hatte, die neue Regelung zu verhindern. Eine Sprecherin verwies darauf, dass sich Solaranlagen nun nicht mehr rechneten, ein durchschnittlicher Kunde müsse in den nächsten 20 Jahren 11.000 Dollar mehr an NV Energy zahlen als jetzt. Die SolarCity-Aktie fiel nach der Verabschiedung des Gesetzes um mehr als ein Drittel. Energieversorger wie NV Energy verdienen weniger, wenn Kunden ihren Strom selbst erzeugen – genau das, was Elon Musk mit SolarCity zu erreichen versucht. Das Magazin Bloomberg Businessweek zeigte im Februar Elon Musk im Würgegriff von Warren Buffett auf seinem Titelbild.

Solarstreit auch Thema im US-Vorwahlkampf

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Die Regulierungsbehörde in Nevada begründete ihre Entscheidung damit, dass auch Besitzer von Solaranlagen einen Anteil für die Netznutzung zahlen müssten. Umweltschützer hingegen halten die von der Regulierungsbehörde zugrunde gelegten Zahlen für nicht korrekt, zudem seien die Umweltvorteile von Solaranlagen nicht beachtet worden. Lobbygruppen und Bürger hoffen nun, dass die Regulierungsbehörde zumindest Ausnahmeregelungen für Bestandskunden beschließt. Nevadas Gouverneur Brian Sandoval, dem aufgrund von Wahlkampfspenden finanzielle Abhängigkeit von NV Energy vorgeworfen wurde und dessen Ansehen im Verlauf der letzten Monate stark gelitten hatte, lässt ebenfalls prüfen, inwieweit die Entscheidung rückgängig gemacht werden kann. Der Streit ist inzwischen über die Grenzen Nevadas hinaus zum Wahlkampfthema in den Vorwahlen für die US-Präsidentschaftskandidatur geworden: Die demokratische Anwärterin Hillary Clinton will sich für ein Verbot der nachträglichen Anpassung von Einspeisevergütungen stark machen, während ihr Kontrahent Bernie Sanders zur Unterschriftensammlung gegen das neue Gesetz aufrief. Bei den Republikanern sprachen sich mehrere Kandidaten für die Förderung von Solarenergie aus, Favorit Donald Trump hat sich bisher allerdings nicht geäußert. Auch in anderen US-Bundesstaaten stehen derzeit neue Regelungen für das Net Metering an.

Quellen / Weiterlesen:
Buffett Says He Loves Renewables, So Why Is His Company Trying To Kill Solar Energy? | ThinkProgress
Solarmarkt USA: Amerikas Solarstreit | BIZZenergy.com
Who Owns The Sun | Bloomberg Businessweek
Rooftop solar fees become dominant issue for Nevada energy task force | VEGAS INC
Bildquelle: © Sascha Gaul / pixelio – www.pixelio.de

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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