Tesla Motors wurde 2003 gegründet, doch anders als viele denken nicht von Elon Musk. Die Gründer waren der Elektroingenieur Martin Eberhard und Marc Tarpenning, Elon Musk wurde später als Investor an Bord geholt. Doch Musk drängte Eberhard schon 2008 aus dem Unternehmen und wurde selbst CEO. Nun schlägt Eberhard zurück. Sein Startup InEVit, das Batteriemodule und Antriebsstränge für Elektroautos entwickelt, wurde vom Elektroauto-Startup SF Motors übernommen, das Elon Musk gefährlich werden könnte.

Der Mutterkonzern ist ein chinesischer Autohersteller

SF Motors sitzt in Kalifornien und hat den chinesischen Autohersteller Chongqing Sokon im Rücken, der nach der Herstellung von Motorrädern inzwischen auch kleine Vans, Minibusse und Autos produziert. Im letzten Jahr hat Sokon knapp 400.000 Fahrzeuge in China verkauft. Von der Tochterfirma SF Motors hat man bisher noch nicht viel gehört, doch das liegt daran, dass das Startup zurückhaltender agiert als viele Konkurrenten. Auf der Gehaltsliste des Unternehmens sollen jedoch schon rund 150 Mitarbeiter stehen. Darunter sind noch andere ehemalige Tesla-Mitarbeiter sowie einige frühere Angestellte von Faraday Future. Erst kürzlich hat SF ein Autowerk im US-Bundesstaat Indiana gekauft und will dort künftig Elektroautos produzieren. In der Nähe von Detroit betreibt SF außerdem ein Forschungszentrum. Bis 2019 will das Unternehmen Berichten zufolge 590 Millionen Dollar in die Entwicklung eines selbstfahrenden Elektroautos der Oberklasse als Konkurrenz zum Tesla Model S investieren.

SF Motors verzichtet im Gegensatz zur Konkurrenz auf übertriebene Ankündigungen

Martin Eberhard war bereits vor der Übernahme von InEVit als Berater für SF Motors tätig, nun ist er Chefentwickler und Mitglied des Vorstands. Im Gegensatz zu vielen anderen Elektroauto-Startups geht SF vorsichtig vor und setzt nicht auf überzogene Showcars auf Messen. Man wolle erst das Produkt und die Infrastruktur fertig haben, bevor man Ankündigungen mache, sagte eine Sprecherin. Andere selbsternannte Tesla-Konkurrenten wie Faraday Future und Lucid Motors haben zwar Showcars vorgestellt, kämpfen aber um die nötige Finanzierung für eine Massenproduktion. Die großen Versprechen konnten bisher nicht eingelöst werden, seit Monaten wird über eine bevorstehende Pleite von Faraday Future spekuliert. Anders als SF Motors haben diese Startups auch keinen Autohersteller im Rücken, sondern IT-Firmen oder Finanzinvestoren.

Hat das Startup das Zeug, Tesla die Stirn zu bieten?

Branchenkenner trauen dem SF Motors durchaus zu, es schaffen zu können. Die US-Zeitschrift Car and Driver hat recherchiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass sich SF mit der Übernahme von InEVit durchaus einen Wettbewerbsvorteil verschafft haben könnte. Aus Unterlagen, die bei der Übernahme von InEVit eingereicht wurden geht hervor, dass das Startup bereits mit Audi an Elektroauto-Prototypen gearbeitet hat und auch anderen Herstellern wie VW, Renault und Daimler Angebote für Batteriemodule gemacht hat. Diese verwenden dieselben Zellgrößen wie das Tesla Model 3. In diesem Jahr hat Mutterkonzern Sokon auch eine Lizenz zum Bau von Elektroautos von der chinesischen Regierung erhalten. SF Motors könnte so auch jederzeit in China produzieren, dem größten Markt für Elektromobilität.

Ist das der Versuch einer späten Rache von Martin Eberhard an Elon Musk? Die beiden ehemaligen Geschäftspartner hatten sich nach dem Ausscheiden Eberhards einen öffentlichen Streit geliefert. Eberhard sagt Nein: Ihn interessiere die Arbeit an Elektroautos nur aus Gründen des Klimaschutzes, sagte er gegenüber Spiegel Online.

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Quellen / Weiterlesen:
Das Tesla-Hirn | Spiegel Online
A new generation of smart, clean, connected electric vehicles | SF Motors
Die späte Rache des Tesla-Gründers an Elon Musk | manager magazin
SF Motors prepares to pounce on U.S. EV market | Automotive News
Meet the Chinese Company That Really Wants to Be the Next Tesla | Car and Driver
Bildquelle: © SF Motors

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Stephan Hiller

Stephan Hiller ist erfahrener Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

1 KOMMENTAR

  1. Na ist doch prima! Konkurrenz belebt das Geschäft. Weiter so!

    eMusk wird ja immer kritisiert ob seiner Ankündigungen. Aber nicht nur die im Beitrag genannten Firmen sind ihre Taten völlig schuldig geblieben.

    Wer erinnert sich noch an die vollmundigen Ankündigungen unserer „Premium“-Hersteller mit ihren „Tesla-Fightern“? Überall nichts als heiße Luft.

    Ich kann mir vorstellen, dass unseren Stinkerfabrikanten der Allerwerteste immer tiefer auf Grundeis geht, wenn jetzt Tesla-KnowHoff und chinesische Milliarden zusammen kommen. Aber das lassen die sich wieder von der Regierung, also von uns Steuerzahlern finanzieren.

    Genau wie beim Diesel-Gipfel, wo sie in aller Unverfrorenheit die Milliardengewinne aus den SUFF-Verpesterverkäufen eingesackt haben, für die Schäden aber die Gemeinschaft bluten lassen wollen. Purer Neoliberalismus.

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