Dezentrale Stromspeicher und die Blockchain

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Dezentrale Stromspeicherstromspeiche-blockchain können künftig einen großen Beitrag zur Netzstabilisierung leisten. Die sonnen GmbH (vorm. Sonnenbatterie GmbH) will die vielen Tausend vernetzten Stromspeicher der sonnenCommunity dafür einsetzen. Zusammen mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat das Allgäuer Unternehmen nun ein Pilotprojekt gestartet, das die Speicher über eine Blockchain-Lösung einbindet und steuert.

Teure Redispatch-Maßnahmen sollen reduziert werden

Das Projekt soll klären, inwieweit sich mithilfe der vernetzten Heimspeicher sogenannte Redispatch-Maßnahmen vermeiden lassen. Wenn beispielsweise im Norden mehr Windstrom erzeugt wird als verbraucht oder weitertransportiert werden kann, müssen Windparks abgeregelt werden. Gleichzeitig müssen im Süden Deutschlands Kraftwerke hochgefahren werden. Diese Maßnahmen sind sehr teuer, aber notwendig, solange die Übertragungsleitungen oder Speichermöglichkeiten fehlen. Nun soll der norddeutsche Windstrom in 6.000 von sonnen vernetzte Heimspeicher fließen und dort sozusagen zwischengelagert werden. Da Stromspeicher sehr reaktionsschnell sind, könnten teure Kraftwerksabschaltungen damit überflüssig oder zumindest reduziert werden. Das intelligente Lademanagement der Speicher passt sich an die Situation im Tennet-Netz an.

IBM steuert die Blockchain-Lösung bei

Dass dezentrale Stromspeicher die Netze stabilisieren, ist kein neues Konzept, doch neu ist der Einsatz der Blockchain-Technologie dabei. Die Blockchain ermöglicht es, Transaktionen ohne den Umweg über einen Vermittler zwischen zwei Teilnehmern direkt abzuwickeln. Die Transaktionen werden dabei fälschungssicher aneinander gereiht und an alle teilnehmenden Parteien übertragen. Dieses Prinzip lässt sich im Geldverkehr einsetzen, aber auch bei der Steuerung von Kraftwerken und Speichern. Die Lösung, die sonnen und Tennet nutzen, wurde von IBM entwickelt und gleicht Nachfrage und Angebot im Stromnetz über die beteiligten Stromspeicher automatisch aus. „Die Zukunft der Energieversorgung wird aus Millionen von kleinen, dezentralen Stromquellen, Prosumern und Verbrauchern bestehen. Die Blockchain-Technologie ist der Schlüssel dazu, den massenhaften und gleichzeitigen Austausch all dieser Akteure untereinander überhaupt erst möglich zu machen. Damit ist sie das noch fehlende Bindeglied zu einer dezentralen und komplett CO2-freien Energiezukunft“, so Philipp Schröder, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei sonnen.

Immenses Potential von Stromspeichern und der Blockchain-Technologie

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Zunächst werden im Pilotversuch 24 Megawatt Speicherkapazität eingesetzt. Doch die Technik hat den beteiligten Unternehmen zufolge großes Potential: Wenn nur 10 Prozent aller 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland über einen Stromspeicher verfügten, dann hätten diese eine Gesamtkapazität von 6.000 Megawatt. Das ist so viel, wie 6 große Kraftwerke liefern. Dann müssten nicht nur weniger Windparks abgeregelt werden, sondern es bräuchte auch weniger Grundlast-Kraftwerke. Schließlich könnten solche Systeme auch irgendwann den Umfang des Netzausbaus verringern, hoffen Tennet und sonnen. Da es die Blockchain-Technologie theoretisch auch ermöglicht, Strom direkt an den Nachbarn zu verkaufen, könnte sie auch den klassischen Energieversorger irgendwann überflüssig machen. Dennoch testen 23 europäische Energie-Unternehmen die Technik derzeit im Strom- und Gashandel: Zu den Teilnehmern von „Enerchain“ gehören unter anderem RWE, Eon und Vattenfall.

Quellen / Weiterlesen:
Schritt in eine neue Energiewelt | Welt
Sonnen macht bei Blockchain-Projekt mit | EnBauSa
Europas Versorger testen Blockchain | iwr
Blockchain in der Energiewende: Don´t believe the Hype? | Energyload
Energiewende mit der Blockchain: Schlüssel zum Smart-Grid? | Energyload
Virtuelle Kraftwerke: Lokaler Strombezug vom Nachbarn | Energyload
Wirklich Eigenstrom: Herstellerunabhängige Stromcommunity von Polarstern | Energyload
Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017: „Wir haben die Lösung und suchen das Problem“ | Energyload
Strom direkt verkaufen: Stromhandel mit Blockchains | Energyload
Die Unternehmen sonnen und TenneT vernetzen Stromspeicher mit Blockchain-Technologie | BTC Echo

Bildquelle: Pixabay

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Ajaz Shah

Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

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