ProLogium geht an die Nasdaq: Milliarden-Deal für Feststoffakkus

ProLogium plant den Nasdaq-Börsengang per SPAC-Merger, um die Gen4-Feststoff-Massenfertigung in Europa zu finanzieren.

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Der taiwanesische Feststoffbatterie-Pionier ProLogium strebt durch eine Fusion mit der Zweckgesellschaft TDAC an die US-Technologiebörse Nasdaq. Dadurch erhält der europäische Markt eine neue Dynamik und lässt die Serienfertigung sicherer Feststoffakkus für E-Autos in greifbare Nähe rücken. Die Transaktion bewertet das Unternehmen mit rund 3,8 Milliarden US-Dollar und sichert frisches Kapital von mindestens 250 Millionen US-Dollar. Dabei fließt das Kapital direkt in die Skalierung der vierten Batteriegeneration mit 360 Wh/kg Energiedichte sowie in den Bau der ersten europäischen Gigafactory im französischen Dünkirchen, die ab 2028 die Serienfertigung hochfährt.

Details zur TDAC-Fusion und Bewertung von ProLogium

  • Unternehmen: ProLogium Holding Inc. (künftig: ProLogium Technology); Nasdaq | PRLG.
  • Transaktion: SPAC-Merger mit Translational Development Acquisition Corp. (TDAC).
  • Finanzdaten: ca. 3,8 Mrd. USD Bewertung (Pre-Money) | min. 250 Mio. USD Kapitalzufluss (Treuhand + PIPE).
  • Technologie: Feststoffakku Lithium-Ceramic-Battery (LCB), 4. Generation (Gen4) mit 360 Wh/kg.
  • Staatliche Förderung: Bis zu 1,4 Milliarden Euro Subventionen durch Frankreich (EU-genehmigt).
  • Produktion Europa: Gigafactory Dünkirchen (Frankreich), Baustart Feb. 2026.
  • Produktionsstart: 2028 mit 0,8 GWh; Ausbau auf 12 GWh bis 2032 (Option auf 48 GWh).
  • Zielmärkte: Elektrofahrzeuge, Off-Highway, KI-Rechenzentren, Luftfahrt und Robotik.

Der Weg an die Börse: SPAC-Merger mit TDAC

Um den nächsten kapitalintensiven Schritt von der Pilotfertigung zur industriellen Massenproduktion zu finanzieren, nutzt ProLogium eine Fusion mit einer börsennotierten Mantelgesellschaft (Special Purpose Acquisition Company, kurz SPAC). Der Zusammenschluss mit der Translational Development Acquisition Corp. (TDAC) ermöglicht dem Unternehmen eine schnellere Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq, ohne das klassische, zeitaufwendige IPO-Verfahren durchlaufen zu müssen. Das fusionierte Unternehmen wird künftig unter dem Namen ProLogium Technology firmieren und unter dem Tickersymbol PRLG geführt.

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Wirtschaftliche Eckdaten, Zeitplan und Berater

Die wirtschaftlichen Eckdaten der Transaktion spiegeln die hohe Bewertung des Marktes für die nächste Batteriegeneration wider, denn auf einer Pre-Money-Basis wird ProLogium mit rund 3,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Durch den Zusammenschluss fließen dem Unternehmen somit mindestens 250 Millionen US-Dollar an frischem Kapital zu. Diese Summe setzt sich aus den rund 172,5 Millionen US-Dollar aus dem Treuhandvermögen der TDAC sowie einer begleitenden Privatplatzierung (PIPE-Finanzierung) zusammen. Neben diesem direkten Liquiditätszufluss öffnet der Nasdaq-Börsengang zudem den langfristigen Zugang zum internationalen Kapitalmarkt für zukünftige Kapitalerhöhungen oder Anleiheemissionen.

Nachdem die Vorstände beider Unternehmen der Fusion bereits zugestimmt haben, soll die Transaktion nach den üblichen regulatorischen Prüfungen und den Zustimmungen der Aktionäre in der zweiten Jahreshälfte 2026 formal abgeschlossen werden. Unterstützt wird die Transaktion auf Beraterseite unter anderem durch Cohen & Company und Crédit Agricole für ProLogium sowie BTIG für TDAC.

Produktionshistorie der Lithium-Keramik-Batterie

ProLogium entwickelt seit zwei Jahrzehnten Feststoffbatterien auf Basis einer proprietären Lithium-Keramik-Plattform (Lithium Ceramic Battery, LCB). Seit dem Erreichen der industriellen Skalierung im Jahr 2013 lieferte das Unternehmen insgesamt über 2,4 Millionen Batteriezellen an Kunden aus. Mehr als 800.000 Einheiten davon kamen dabei bereits als 3. Generation aus der Gigafactory in Taoyuan (Taiwan). Ein erstes fahrbereites Demonstrationsfahrzeug wurde im Jahr 2019 gemeinsam mit Enovate Motors realisiert, um die Feststoff-Technologie im realen Betrieb zu erproben. Das globale Patentportfolio umfasst inzwischen mehr als 1.100 angemeldete oder erteilte Patente.

Technische Spezifikationen der Gen4-Zellen

Das nun über den Börsengang finanzierte Kernprodukt ist die 4. Generation (Gen4) der Technologie. Dabei handelt es handelt um eine hochgradig fluidisierte, rein anorganische Feststoffbatterie (im Original „Superfluidized All-Inorganic Solid-State Lithium Ceramic Battery“), deren chemische Architektur wesentliche Parameter herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkus übertrifft:

  • Energiedichte: Der TÜV Rheinland zertifizierte für die neuesten Zellen eine gravimetrische Energiedichte von 360 Wh/kg, was einer Steigerung von mehr als 50% gegenüber konventionellen flüssigen Lithium-Ionen-Zellen entspricht.
  • Sicherheitsarchitektur: Kern der Gen4-Technologie ist ein dreistufiger Schutzmechanismus, der einen nicht brennbaren Feststoffelektrolyten mit einem rein keramischen Separator und einer eingebetteten aktiven Absicherung kombiniert.
  • Zero Thermal Runaway: Unabhängige Tests von UL Solutions bestätigen mittels der anspruchsvollen Heat-Wait-Seek-Methode (HWS), dass die Zellen selbst unter extremer thermischer Belastung kein thermisches Durchgehen (Thermal Runaway) aufweisen. Ein Brand- oder Explosionsrisiko im klassischen Sinne ist damit physikalisch ausgeschlossen.

Zusätzlich zeichnet sich die Generation durch eine verbesserte Schnellladefähigkeit sowie eine stabile Leistungsabgabe bei niedrigen Umgebungstemperaturen aus, während die Produktionskosten laut Hersteller auf einem wettbewerbsfähigen Niveau liegen.

Roadmap für die Gigafactory Dünkirchen

Das frische Kapital aus dem Börsengang dient primär dem Aufbau der europäischen Produktionskapazitäten. Nach dem Abschluss der Umweltprüfungen und dem Erhalt der Baugenehmigungen erfolgte im Februar 2026 die offizielle Grundsteinlegung für die erste Übersee-Fabrik im nordfranzösischen Dünkirchen (Dunkerque). Das ProLogium-Projekt, das im strategisch wichtigen „Hauts-de-France Battery Valley“ angesiedelt ist, profitiert von einem von der EU-Kommission genehmigten Subventionspaket. Die französische Regierung investierte bis zu 1,4 Milliarden Euro hierfür. Der Fahrplan für den industriellen Hochlauf des Werks gliedert sich in drei wesentliche Phasen.

Ausbauphase Produktionskapazität Details
Phase 1 (2028) 0,8 GWh pro Jahr für die Gen4-Akkus Fertigstellung der ersten Ausbaustufe der „Fab 1“ mit einer anfänglichen Produktionskapazität. Ein erster Test-Ramp-up ist für den Jahreswechsel 2028/2029 avisiert.
Phase 2 (2030) 4,0 GWh pro Jahr Erhöhung der Kapazität im Vollbetrieb.
Vollausbau (2032) 12 GWh pro Jahr Erreichen der final geplanten Nennkapazität.
Perspektive (Nach 2032) bis zu 48 GWh Über reservierte Flächen am Standort hält sich ProLogium die Option offen, die Gesamtkapazität der Fertigungskontingente auszuweiten.

Markterweiterung über E-Autos hinaus

Während der Automobilsektor (EVs) das primäre Zielsegment für die großvolumigen Lieferverträge bleibt, treibt ProLogium die Diversifizierung seiner Absatzmärkte voran. Aufgrund der Kombination aus hoher Energiedichte und absoluter Brandsicherheit ist die Technologie für Industrien abseits der klassischen Elektromobilität relevant.

Im Bereich der „Smart Mobility“ und im Off-Highway-Sektor laufen bereits konkrete Anwendungen. So integriert beispielsweise das japanische Unternehmen Nakayama Iron Works die Feststoffzellen in elektrisch angetriebene, selbstfahrende Bodenverbesserungsmaschinen (Modell NE100MG). Das über die Nasdaq-Notierung generierte Kapital soll zudem den Markteintritt in stark wachsende High-Tech-Segmente forcieren, darunter KI-Datenzentren (als dezentrale Notstrom- und Pufferspeicher), die Luft- und Raumfahrt, autonome Robotiksysteme sowie Anwendungen im Verteidigungssektor.

Quellen / Weiterlesen

ProLogium will durch SPAC-Fusion Geld für Batteriefabrik in Frankreich einwerben | Electrive
ProLogium, a Next Generation Solid-State Battery Developer with 10+ Years of Proven Commercialization, to List on the Nasdaq through a Merger with Translational Development Acquisition Corp. | ProLogium
Bildquelle: © ProLogium
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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