Mit der Vorstellung der Fünfjahresstrategie „One Geely“ kündigt die Volvo-Mutter den Produktionsstart eines hauseigenen All-Solid-State-Batteriepacks für 2026 an. Mit einer Energiedichte von 400 Wh/kg übertrifft die Technologie aktuelle Lithium-Ionen-Akkus deutlich und ermöglicht Reichweiten von über 1.000 Kilometern. Durch den Verzicht auf flüssige Elektrolyte steigen zudem die thermische Stabilität und die Ladegeschwindigkeit signifikant. Dieser Schritt ist entscheidend, da er den Übergang der Feststoffbatterie vom Labor in die reale Fahrzeugverifikation ermöglicht und den Wettbewerb im Premium-Segment nachhaltig verschärft.
Daten: Geely & Volvo Feststoffbatterie
- Energiedichte: 400 Wh/kg auf Zellebene; Lithium-Ionen-Akkus nur ca. 200–300 Wh/kg.
- Reichweite: Über 1.000 km Reichweite (650 Meilen) pro Ladung im Volvo EX60.
- Ladegeschwindigkeit: Unter 10 Minuten Ladezeit für 300 km dank 800-Volt-System.
- Sicherheit: Nicht brennbar und thermisch stabiler; reduzierte Kühlung notwendig.
- Industrialisierung: Validierung in Testflotten ab 2026, Kleinserie 2027, Großserie bis 2030.
Maximale Energiedichte von 400 Wh/kg
Mit einer Energiedichte von 400 Wh/kg auf Zellebene setzt Geely einen neuen Standard, der aktuelle Lithium-Ionen-Batterien mit flüssigem Elektrolyten deutlich übertrifft. Während heutige Akkus meist lediglich Werte zwischen 200 und 300 Wh/kg erreichen, ermöglicht diese Steigerung um rund ein Drittel neue Spielräume in der Fahrzeugkonstruktion. Einerseits lässt sich die Reichweite enorm steigern – Geely spricht von über 1.050 Kilometern (650 Meilen) pro Ladung. Andererseits ermöglicht die Technologie kompaktere und leichtere Batteriepacks bei gleichbleibender Kapazität. Dies wirkt sich unmittelbar auf das Fahrzeuggewicht aus, was wiederum die Fahrdynamik und das Handling verbessert, da weniger Masse beschleunigt und gebremst werden muss.
Volvo EX60 als erstes Referenzmodell für die neue Zellchemie
Die neue SPA3-Plattform, die im Sommer 2026 mit dem Volvo EX60 auf den Markt kommt, bildet die technische Basis für diese Entwicklung. Während das konventionelle Serienmodell bereits eine Reichweite von bis zu 810 Kilometern (WLTP) erzielt, dienen die ersten Feststoff-Prototypen dazu, diese Leistungsgrenzen unter Realbedingungen weiter zu steigern.
Volvo nutzt hierfür ein 800-Volt-System, das im Zusammenspiel mit der thermischen Stabilität der Feststoffzellen extrem hohe Laderaten erlaubt. Zielwerte von unter 10 Minuten Ladezeit für 300 Kilometer Reichweite sind somit ohne thermische Überlastung der Zellen realisierbar. Da der feste Elektrolyt nicht brennbar ist, entfallen zudem aufwendige Kühlsysteme, was die Effizienz der Plattform weiter steigert und den Bauraum im EX60 optimal ausnutzt.
Roadmap zur Massenfertigung
Der Zeitplan für die Einführung der Feststofftechnologie folgt dabei einer dreistufigen Strategie. Zunächst konzentriert sich Geely darauf, im Jahr 2026 die Entwicklung der Batteriepakete abzuschließen und die Phase der Fahrzeugvalidierung in realen Testflotten einzuleiten. Anschließend plant der Konzern für das Jahr 2027 eine erste industrielle Kleinserie. In diesem Rahmen sollen rund 1.000 Demonstrationsfahrzeuge in den operativen Betrieb gehen, um wertvolle Daten unter Alltagsbedingungen zu sammeln. Das langfristige Ziel markiert schließlich das Jahr 2030. Bis dahin soll die industrielle Infrastruktur vollständig stehen, um High-End-Modelle mit Feststoffzellen in Großserie zu fertigen. Zu diesem Zeitpunkt strebt Geely eine Energiedichte von über 500 Wh/kg bei gleichzeitig optimierten Produktionskosten an.
| Phase | Zeitraum | Fokus & Meilensteine | Zielwerte |
|---|---|---|---|
| 1. Validierung | 2026 | Abschluss der Pack-Entwicklung und Fahrzeugtests im Volvo EX60. | 400 Wh/kg |
| 2. Pilotserie | 2027 | Kleinserie von 1.000 Demo-Fahrzeugen im Realbetrieb. | 400+ Wh/kg |
| 3. Großserie | 2030 | Industrieller Rollout für High-End-Modelle (Volvo, Polestar, Zeekr). | > 500 Wh/kg |
Brückentechnologie: Die neue LMFP-Generation
Parallel zur Entwicklung der All-Solid-State-Akkus setzt Geely auf eine verbesserte Generation von Lithium-Mangan-Eisenphosphat-Batterien (LMFP). Diese Zellchemie dient als wirtschaftliche Brücke für den Massenmarkt und bietet durch die innovative „Aegis Short Blade“-Technologie entscheidende Vorteile. Durch einen erhöhten Mangan-Anteil erzielen diese Batterien eine um 15% höhere Energiedichte als herkömmliche LFP-Akkus, was bereits kurzfristig höhere Reichweiten in preisgünstigeren Segmenten ermöglicht.
Zusätzlich erreicht der Konzern mit bis zu 3.500 Ladezyklen eine Lebensdauer, die einer Fahrleistung von rund einer Million Kilometern entspricht. Ein wesentliches Merkmal ist zudem die Performance bei niedrigen Temperaturen, da diese Zellen selbst bei -30°C über 90% ihrer Kapazität behalten. Während die Feststoffbatterie vorerst dem Premium-Segment vorbehalten bleibt, erlauben die LMFP-Zellen somit eine breitenwirksame Steigerung der E-Mobilität, ohne die Kostenstruktur signifikant zu erhöhen.
Geely, SAIC und Chery dominieren den Markt
Geely steht mit seinem Zeitplan für 2026 in einem intensiven Wettbewerb mit anderen chinesischen Automobilkonzernen. Während die Volvo-Mutter auf die Eigenentwicklung für das Premium-Segment setzt, hat beispielsweise Chery Feststoff-Prototypen mit einer Energiedichte von bis zu 600 Wh/kg angekündigt. Chery plant ebenfalls für 2026 den Pilotbetrieb und strebt die breite Markteinführung für 2027 an. Auch SAIC (in Kooperation mit Qingtao Energy) liefert bereits erste MG4 Fahrzeuge mit Semi-Solid-State-Akkus aus und plant die All-Solid-State-Großserie für 2027.
Der strategische Vorteil von Geely liegt jedoch in der direkten Verknüpfung mit etablierten Marken wie Volvo und Polestar. Anders als CATL, die mit einer breiten Fertigung von Feststoffbatterien erst 2030 rechnen, setzt Geely auf eine frühzeitige Erprobung in realen Flotten. Dieser Ansatz korreliert mit bisherigen Entwicklungen bei Gotion High-Tech oder Integrals Power. Geelys zweigleisige Strategie aus Solid-State-Forschung und optimierter LMFP-Technik stellt sicher, dass der Konzern sowohl technologisch als auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleibt.
Internationale Konkurrenz: BMW, Mercedes und Toyota
Im Vergleich zu Geely verfolgen deutsche und japanische Hersteller einen vorsichtigeren Zeitplan für die breite Serie. BMW erprobt aktuell Solid Power-Feststoffzellen in einem i7-Prototyp, plant die Markteinführung jedoch erst für die Zeit nach 2027. Mercedes-Benz kooperiert mit dem US-Spezialisten Factorial Energy und startete im Februar 2026 Straßentests mit einer modifizierten EQS-Flotte.
Toyota, oft als Pionier der Feststoff-Forschung genannt, hat seinen Fokus auf die Jahre 2027 und 2028 verschoben. Ziel sind Reichweiten von über 1.000 Kilometern bei Ladezeiten von unter 10 Minuten. Auch der Volkswagen-Konzern bereitet über seine Tochter PowerCo die Industrialisierung vor. Durch die Lizenzvereinbarung mit QuantumScape nahm Ende 2025 die automatisierte Pilotlinie „Eagle Line“ den Betrieb auf, um die Großserie ab 2028/2029 abzusichern.
Quellen / WeiterlesenVolvo-Mutter legt vor: Jetzt ist das E-Auto mit 1.000 Kilometer Reichweite in Sicht | Chip
Chery’s Exeed Liefeng to Debut Solid-State Battery in 2026 | Battery Tech
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Geely rolls off 20,000th set of in-house developed Aegis Short Blade Battery | Shanghai Metal Market
CATL’s Solid-State Battery Layout – Semi-Solid First, All-Solid-State to Begin Small-Scale Production in 2027 | Shanghai Metal Market
Bildquelle: KI generiert


