In Berlin zeigt ein Großspeicher, wie alte E-Auto-Batterien nach 5 Jahren Einsatz wirtschaftlich weiter genutzt werden können. Der Systemintegrator TRICERA energy übernimmt die 1,9-Megawattstunden-Anlage und steigt damit erstmals selbst in den kommerziellen Eigenbetrieb ein. Für das Stromnetz bedeutet dieser Second-Life-Ansatz eine spürbare Entlastung. Während die Anlage über den Dienstleister The Mobility House Energy durch Regelleistung und Energiehandel Netzschwankungen effizient ausgleicht, profitieren die Betreiber von Erlösen aus dem Stromhandel. Das schont wertvolle Primärrohstoffe und macht die ressourcenintensive Neuproduktion stationärer Speichersysteme überflüssig.
Details: 2nd-Life-Batterien TRICERA energy in Berlin
- Projekt: 2nd-Life-Automotive-Batteriespeicher in Berlin.
- Betreiber: TRICERA energy GmbH (Einstieg in den Eigenbetrieb) mit The Mobility House Energy.
- Leistung: 1,9 MWh Kapazität (aus 20 Modulen mit je 95 kWh); 1,25 MW max. Leistung.
- Ursprung: Flüssiggekühlte Akkus aus vollelektrischen SUVs eines deutschen Automobilherstellers.
- Betriebsstatus: Seit über 5 Jahren erfolgreich im Einsatz.
- Einsatz: Regelleistung, Energiehandel und Ausgleich von Netzschwankungen.
TRICERA energy wird vom Systemintegrator zum Betreiber
Bisher trat TRICERA energy vorrangig als Generalunternehmer (EPC) und Systemintegrator für Großbatteriespeicher (Utility-Scale) auf. Das Portfolio des Unternehmens reicht dabei von klassischen Industriespeichern bis hin zu flexiblen Mietmodellen wie dem TRICERA Abo Energy. Mit dem Erwerb des Systems in Berlin ändert sich diese Rolle nun grundlegend. Das Unternehmen ist erstmals als Betreiberin einer solchen Anlage aktiv und erschließt damit ein neues, strategisches Geschäftsfeld. Dr. Tim Müller, Geschäftsführer der TRICERA energy, betont:
„Mit dem Erwerb des Speichers in Berlin treiben wir als Unternehmen die Geschäftsfeldentwicklung voran. Wer uns kennt und verfolgt weiß, dass unser ursprüngliches und weiterhin verfolgtes Ziel die Nachnutzung bestehender Automobil-Batteriemodule war und ist. Wir freuen uns daher zukünftig einen solchen Speicher auch zum ersten Mal selbst zu betreiben.“
Technische Daten: 20 E-SUV-Batterien für 2nd-Life-Großspeicher
Bei der übernommenen Anlage in Berlin handelt es sich um ein etabliertes System, das bereits seit über 5 Jahren stabil im kommerziellen Betrieb läuft. Der Großspeicher basiert auf dem Second-Life-Prinzip und nutzt gebrauchte automobile Antriebsbatterien:
- Zell- und Modulbasis: Das System vereint insgesamt 20 flüssiggekühlte Batteriemodule.
- Kapazität pro Modul: Jedes einzelne Modul verfügt über eine Nominalkapazität von 95 kWh.
- Fahrzeugursprung: Die Komponenten stammen aus der Flotte eines vollelektrischen SUV einer bekannten deutschen Automobilherstellerin.
- Systemleistung: Der Speicher erreicht eine installierte Gesamtkapazität von 1,9 MWh bei einer Maximalleistung von 1,25 MW.
Der Speicher ist vollständig in den Energiemarkt integriert, erbringt Regelleistung und nimmt am aktiven Energiehandel teil.
CO₂-Vorteil und Netznutzung
Im Vergleich zu neu produzierten Systemen liegt der größte Vorteil des Second-Life-Ansatzes in der verbesserten CO₂-Bilanz. Da die meisten Emissionen während der Produktion entstehen, verlängert die Weiterverwendung die Nutzungsdauer der Zellen und nutzt die investierte „graue Energie“ effizienter. Zudem schont das Verfahren knappe Ressourcen wie Lithium, Kobalt und Nickel, indem es die energie- und ressourcenintensive Neuproduktion stationärer Speicher überflüssig macht. Darüber hinaus gleicht die Anlage kurzfristige Netzschwankungen aus, hilft die volatile Erzeugung aus erneuerbaren Energien besser zu nutzen und ersetzt außerdem fossile Kraftwerke. Das verbindet ökologische Kreislaufwirtschaft mit wirtschaftlichem Nutzen.
Vermarktung durch The Mobility House Energy
Die kommerzielle Vermarktung des Speichers übernimmt weiterhin The Mobility House Energy. Das Unternehmen verfügt über zehn Jahre Erfahrung mit Second-Life-Speichern und bewirtschaftet heute über 1 GW operative Gesamtleistung in 4 Ländern. Damit zählt das Unternehmen zu den führenden Vermarktern von Batteriespeichern auf dem europäischen Kontinent. Marcus Fendt, Managing Director von The Mobility House Energy, sieht in der Partnerschaft und der Entwicklung des Speichermarktes ein wichtiges Signal für die Branche.
„Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein für ein stabiles und erneuerbares Energiesystem – und ihr wirtschaftliches Potenzial wird gerade erst verstanden und regulatorisch berücksichtigt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit TRICERA energy und die weiteren gemeinsame Projekte.“
Einordnung: Warum dieser Schritt wichtig ist
Der Einstieg von TRICERA in den Eigenbetrieb verdeutlicht eine tiefergehende Verschiebung im Markt für Großbatteriespeicher. Während das Unternehmen bisher als technischer Dienstleister das Risiko beim Kunden beließ, zeigt der Übergang zum Betreiberstatus ein gewachsenes Vertrauen in die langfristige Rentabilität von Speichersystemen. Dass die Wahl hierbei auf eine Bestandsanlage fällt, ist kein Zufall.
Nachdem TRICERA in der Vergangenheit primär auf Neusysteme setzte – wie etwa die TRICERA Energy Großspeicher auf Containerbasis –, beweist das Berliner Projekt nun die wirtschaftliche Belastbarkeit des Second-Life-Prinzips. Nach über 5 Jahren Laufzeit sind die Degradationseffekte der SUV-Akkus kalkulierbar geworden. Das finanzielle Risiko von gebrauchten Fahrzeugbatterien im stationären Netzbetrieb lässt sich mittlerweile präzise einpreisen. Das Projekt zeigt, dass Second-Life-Systeme die reine Pilotphase hinter sich gelassen haben und als verlässliche Wirtschaftsgüter gehandelt werden.
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Bildquelle: © TRICERA energy


