Kleine Solaranlagen, Speicher und Wärmepumpen scheitern in Deutschland oft an einer veralteten, analogen IT-Infrastruktur – wertvolle Flexibilität im Stromnetz bleibt ungenutzt. Das neue KI-gestützte virtuelle Kraftwerk von enercity und Kraken löst dieses Problem und vernetzt dezentrale Erzeuger sowie steuerbare Verbraucher in Echtzeit. Für die Energiewirtschaft ist dieses digitale Betriebssystem ein echter Gamechanger. Es gleicht Volatilitäten im Netz verlässlich aus, steuert die Sektorenkopplung über Power-to-Heat-Anlagen hochautomatisiert und öffnet kleineren Assets erstmals den direkten, profitablen Zugang zu den europäischen Großhandelsmärkten.
Details: enercity und Kraken bauen KI-gestütztes VPP für Strom und Wärme
- Partner: enercity AG & Kraken (Technologieplattform der Octopus Energy Group).
- Projekt: Aufbau eines intelligenten, KI-gestützten virtuellen Kraftwerks (Virtual Power Plant).
- Integrierte Assets: Dezentrale Erzeuger, Batteriespeicher, steuerbare Verbraucher (z.B. V2G).
- Kernfunktion: Echtzeit-Optimierung, automatisierte Prognosen, intelligente Sektorenkopplung.
- Märkte: Direktvermarktung, Regelenergie, Flexibilitätsvermarktung, KWK-Fernwärme.
- Technologie: Digitale Infrastruktur und Aggregations-Algorithmen von Kraken.
Strategische Partnerschaft für das Stromnetz der Zukunft
Das Energieunternehmen enercity und der internationale Technologieanbieter Kraken bündeln ihre Kompetenzen für eine entscheidende digitale Transformation. Die strategische Kooperation zielt darauf ab, ein neues, hochgradig leistungsfähiges virtuelles Kraftwerk (Virtual Power Plant, VPP) aufzubauen.
Dabei ist die Rollenverteilung in diesem Projekt klar definiert. Das Unternehmen enercity bringt sein breit aufgestelltes, operatives Portfolio aus der Strom- und Wärmeerzeugung ein. Parallel dazu liefert Kraken das technologische Fundament – eine skalierbare digitale Infrastruktur, langjährige Erfahrung in der Aggregation dezentraler Assets sowie den direkten, etablierten Marktzugang in ganz Europa. Für Kraken stellt diese Partnerschaft gleichzeitig eine Festigung der eigenen Position als Kernanbieter digitaler Infrastrukturen für die europäische Energiewende dar.
Die Herausforderung: Komplexität im dezentralen Energiemarkt
Der beschleunigte Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Wärmepumpen erhöht deutlich die Zahl dezentraler Anlagen. Mit dieser Dynamik wächst jedoch auch die Komplexität der Vermarktungsoptionen, während in Deutschland die Möglichkeiten zur Flexibilitätsvermarktung derzeit stark limitiert sind.
Hauptursachen hierfür sind kleinteilige, historisch gewachsene IT-Landschaften und ein eklatanter Mangel an durchgängig digitalen Prozessen bei den Marktakteuren. Die Folge ist eine Marktbarriere, sodass gerade kleinere Erzeugungsanlagen von der Flexibilitätsvermarktung und den Chancen kurzfristiger Strommärkte komplett abgeschnitten bleiben.
Jean Baptiste Cornefert, Bereichsleiter Trading & Energy Markets bei enercity, betont, wie notwendig ein Umdenken ist. Aufgrund ihrer Komplexität sei eine moderne, multifunktionale Energielandschaft nicht mehr ohne digitale Prozesse, Echtzeitdaten, automatisierte Prognosen und intelligente Algorithmen beherrschbar. Effiziente Steuerungsinstrumente seien kein rein technisches Instrument, sondern das zentrale Element für ein resilientes und effizientes Energiesystem.
Das virtuelle Kraftwerk als zentrales Nervensystem
Um ein dezentrales Energiesystem so sicher und effizient zu betreiben wie ein konventionelles Großkraftwerk, braucht es eine übergeordnete Steuerung. Das virtuelle Kraftwerk übernimmt hierbei die Funktion eines zentralen Nervensystems. Es bündelt die Kapazitäten tausender Einzelanlagen zu einer Masse, die wirksam und gewinnbringend am Strommarkt agieren kann.
Laut Charlotte Johnson, General Manager of Flexibility bei Kraken, liegt die Kernherausforderung der europäischen Energiewende längst nicht mehr beim reinen Kapazitätsaufbau, sondern bei der intelligenten Koordination. Die digitale Vernetzung sorgt für ein ausgeglichenes Stromnetz und stellt sicher, dass kostengünstige, reichlich vorhandene erneuerbare Energien optimal genutzt statt abgeriegelt werden.
Sektorenkopplung und Echtzeit-Optimierung
Ein entscheidender Vorteil des neuen Systems ist die nahtlose Integration von Strom und Wärme, wobei die Plattform in Echtzeit über den effizientesten Pfad entscheidet. So steuert das System entweder die direkte Vermarktung des erzeugten Stroms an den Großhandelsmärkten, stoppt bei einem Überangebot die Einspeisung zugunsten der Zwischenspeicherung in Batteriesystemen oder initiiert die Umwandlung in thermische Energie mittels Power-to-Heat für die Fernwärmennetze im Zuge der KWK-Optimierung. Damit wird das virtuelle Kraftwerk zum operativen Herzstück der Sektorenkopplung.
Neue Geschäftsmodelle und skalierbare Wertschöpfung
Die Kooperation bildet künftig die gesamte energiewirtschaftliche Wertschöpfungskette rein digital ab. Das Spektrum reicht von der hochautomatisierten Anbindung der einzelnen Anlagen über die Optimierung in Echtzeit bis hin zum lückenlosen Monitoring der Rentabilität jedes einzelnen Assets.
Darauf aufbauend entstehen hochgradig skalierbare Geschäftsmodelle für alle Marktteilnehmer. Dazu gehören neben der klassischen Direktvermarktung erneuerbarer Energien vor allem die Flexibilitätsvermarktung von Batteriespeichern sowie die hochdynamische Teilnahme an den sensiblen Regelenergiemärkten. Die Partnerschaft zeigt damit praktisch, wie digitale Infrastruktur die Komplexität der Netze beherrschbar macht und wirtschaftliche Vorteile durch neue Erlösströme für dezentrale Anlagen schafft.
Quellen / Weiterlesen
Das virtuelle Kraftwerk und die Macht der Flexibilität | Clean Thinking
Bildquelle: KI-generiert


