CALB: 400 Wh/kg Semi-Feststoffakkus für leichte Nutzfahrzeuge

CALB startet Serienproduktion von Semi-Solid-State-Batterien für Chery Leicht-Lkw. 400 Wh/kg + 2C-Schnellladung erhöhen Logistikeffizienz.

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Der chinesische Batteriehersteller CALB stellte auf einer Nutzfahrzeugmesse in Hefei eine neue Fest-Flüssig-Hybridbatterie vor, die bereits in die Serienfertigung gegangen ist. Das System kommt erstmals in elektrischen Leicht-Lkw des Herstellers Chery Automobile zum Einsatz. Damit erreicht die Semi-Solid-State-Technologie, die bisher primär für Pkw vorgesehen war, den kommerziellen Logistiksektor. Mit einer Energiedichte von 400 Wh/kg zielt die Entwicklung darauf ab, das Eigengewicht der Fahrzeuge zu reduzieren und gleichzeitig die Reichweite deutlich zu steigern. Die Technologie gilt als wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur breiten Anwendung von Vollfeststoffbatterien (All-Solid-State-Batterien) im Transportwesen.

Eckdaten: CALB Semi-Solid-State-Batterie

  • Technologie: CALB Fest-Flüssig-Hybrid-System als Übergangslösung zur Feststoffbatterie.
  • Energiedichte: 400 Wh/kg (ca. +122% gegenüber konventionellen Lithium-Ionen-Batterien).
  • Laderate: 2C-Schnellladen (15 Minuten für 30% auf 80 % SoC).
  • Winterfestigkeit: +20% Reichweite bei -25°C im Vergleich zu konventionellen Akkus.
  • Nutzlast: Geringeres Batteriegewicht ermöglicht höhere Zuladung bei Leicht-Lkw.
  • Anwendung: Erstverbau in Leicht-Lkw von Chery Automobile.
  • Sicherheit: Übertrifft aktuelle Standards; 44 erfolgreiche Tests (z.B. Quetschung, Brand).
  • Serienstatus: Bereits in Massenproduktion und im Einsatz bei Chery Automobile.
  • Marktposition: CALB festigt mit 6% Marktanteil den dritten Platz im chinesischen Ranking.

Höhere Energiedichte für leichte Nutzfahrzeuge

Mit 400 Wh/kg erreicht die Semi-Solid-State-Batterie von CALB eine deutlich höhere Energiedichte als konventionelle Lithium-Ionen-Batterien. Laut Hersteller entspricht dies einer Steigerung von rund 122%. Für den Einsatz in leichten Nutzfahrzeugen ist dieser Fortschritt besonders relevant, denn ein geringeres Batteriegewicht wirkt sich direkt auf die Nutzlast aus. Gerade im urbanen Lieferverkehr, wo Fahrzeuge häufig an der Gewichtsgrenze operieren, kann dies die Wirtschaftlichkeit verbessern. Gleichzeitig steigert die höhere Energiedichte die Reichweite, ohne dass zusätzliche Batteriekapazität verbaut werden muss. Somit adressiert CALB zwei zentrale Herausforderungen elektrischer Nutzfahrzeuge gleichzeitig – Reichweite und Effizienz.

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2C-Schnellladung und Performance bei -25°C

Neben der Energiedichte optimiert CALB insbesondere die Ladezeiten und die Leistung bei extremen Temperaturen. Die Batterie unterstützt eine 2C-Schnellladung und kann dadurch innerhalb von 15 Minuten von 30% auf 80% Ladezustand gebracht werden. Diese kurzen Ladezeiten sind vor allem für Logistikflotten entscheidend, da Standzeiten minimiert werden müssen und Fahrzeuge schneller wieder einsatzbereit sein sollten. Das ist vor allem in Szenarien mit hoher Umlauffrequenz ein bedeutender Vorteil.

Auch bei niedrigen Temperaturen zeigt das System verbesserte Leistungswerte. Demzufolge soll die Reichweite laut Hersteller bei niedrigen Temperaturen von -25°C um mehr als 20% über der Reichweite von konventionellen Batterien liegen. Zusätzlich ist eine kontinuierliche Entladung mit 1C möglich, was auf eine stabile Leistungsabgabe auch unter anspruchsvollen Bedingungen hinweist.

Sicherheit und industrielle Anwendung

Ein weiterer Fokus liegt zudem auf der Sicherheit des Fest-Flüssig-Hybridsystems. Die Batterie hat laut CALB insgesamt 44 Tests erfolgreich bestanden, darunter Prüfungen zum thermischen Durchgehen (Thermal Runaway), zum Brandverhalten sowie zu mechanischen Belastungen wie Quetschtests. Dabei soll das System nach Angaben des Unternehmens die aktuellen chinesischen Sicherheitsstandards übertreffen. Ziel sei es, Risiken im realen Betrieb – etwa bei Unfällen oder unter extremen Einsatzbedingungen – zu reduzieren und die Zuverlässigkeit über den gesamten Lebenszyklus zu erhöhen. Der hybride Elektrolytansatz trägt hierbei zur Balance zwischen Energiedichte und Sicherheit bei und gilt branchenweit als realistischer Zwischenschritt auf dem Weg zur Vollfeststoffbatterie (All-Solid-State-Batterien).

Erste Anwendungen und Ausweitung auf neue Segmente

Die neue Batterie kommt erstmals in Leicht-Lkw von Chery Automobile zum Einsatz und befindet sich bereits in der Serienproduktion. Folglich gehört sie zu den ersten Anwendungen von Semi-Solid-State-Technologie im Nutzfahrzeugbereich. Darüber hinaus plant CALB, die Technologie auf weitere Fahrzeugklassen auszuweiten. Dazu zählen neben klassischen Nutzfahrzeugen auch Spezialfahrzeuge sowie Anwendungen im breiteren Transportsektor. Parallel treibt das Unternehmen aber auch Entwicklungen in anderen Bereichen voran. So liefert CALB bereits leistungsstarke Batterien für Luftfahrtanwendungen an Aridge, eine mehrheitlich von Xpeng kontrollierte Einheit. Aridge plant, noch im Laufe des Jahres die Serienproduktion von fliegenden Autos zu starten.

Marktsituation in China

Auf dem chinesischen Markt gehört CALB zu den führenden Anbietern für Antriebsbatterien und lag dabei im Februar 2026 mit einem Marktanteil von 6,0% auf dem dritten Platz. Dominierend bleiben jedoch CATL und BYD, die zusammen mehr als 62% des Marktes abdecken. Mit der Einführung der Semi-Solid-State-Batterie im Nutzfahrzeugsegment positioniert sich CALB gezielt in einem wachsenden Anwendungsfeld. Die Technologie könnte dabei eine Brücke schlagen zwischen heutigen Lithium-Ionen-Systemen und zukünftigen Vollfeststoffbatterien (All-Solid-State-Batterien) – insbesondere in den Bereichen, in denen Gewicht, Sicherheit und Ladegeschwindigkeit entscheidend sind.

Einordnung für den deutschen Markt

Für den deutschen Markt ist die Entwicklung relevant, da elektrische Leichtnutzfahrzeuge im urbanen Lieferverkehr zunehmend an Bedeutung gewinnen – insbesondere durch regulatorische CO₂-Vorgaben und Zufahrtsbeschränkungen in Innenstädten. Die von CALB vorgestellte Semi-Solid-State-Technologie könnte dabei zentrale Anforderungen europäischer Flottenbetreiber lösen: höhere Reichweite, geringeres Batteriegewicht und verbesserte Schnellladefähigkeit. Gerade die Kombination aus 400 Wh/kg und 2C-Ladefähigkeit könnte helfen, die Betriebskosten elektrischer Transporter zu senken.

Kurzfristig ist ein Einsatz in Europa jedoch offen, denn neben regulatorischen Hürden spielen vor allem Lieferketten, Zertifizierung und Fahrzeugintegration eine Rolle. Nichtsdestotrotz dürfte ein mittelfristiger Transfer nach Europa wahrscheinlich sein, wenn sich die Semi-Solid-State-Technologie im Nutzfahrzeugbetrieb in China bewährt.

Quellen / Weiterlesen

CALB bringt Semi-Festkörperbatterie in leichte Nutzfahrzeuge | Battery News
China semi-solid battery adoption expands to light trucks on CALB launch | CnEVPost
Bildquelle: © CALB

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