Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017: „Wir haben die Lösung und suchen das Problem“

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Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017 1Der Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017 in Berlin hat über 120 Besuchen nach Berlin gelockt, die sich genauer über die Möglichkeiten der Blockchain für die Energiewirtschaft informieren wollten. Die Veranstaltung, die von „Solarpraxis  Neue Energiewelt“ veranstaltet wurde, bot einen guten Einblick in aktuelle Ansätze für Blockchain Anwendungsmöglichkeiten in der Energiewirtschaft.

Nach der Begrüßung von Tina Barroso wies Karl-Heinz Remmers von Solarpraxis Neue Energiewelt in seinem Vortrag darauf hin, dass die Blockchain das Potential hat die physische Energieerzeugung und dessen Handel näher zusammenzubringen. Viele Regularien müssten hierfür aber völlig neu gestaltet werden. Beispielsweise kann Strom in viel kürzeren Intervallen gehandelt werden, als die bisherigen 15 Minuten. Im Energiesektor finden gerade gewaltige Veränderungen statt. Die Energieproduktion wird dezentral und erneuerbare Energien werden günstiger.

„Irgendwann handeln wir Wattstunden“

Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017 MedienTobias Frederico von Energy Brainpool ist auch ein großer Verfechter des Potentials der Blockchain in der Energiewende. Er sei davon überzeugt, dass Strom in Zukunft nicht mehr im Megawattbereich gehandelt wird, sondern viel Kleinteiliger wird. „Irgendwann handeln wir Wattstunden“, so der Geschäftsführer der Beratungsfirma. In seinem Vortrag gab Frederico eine kurze Medienanalyse zur Blockchain. Er ging der Frage auf den Grund, ob die Blockchain ein Hype sei. Anhand einer Google Trend Analyse zeigte er, dass das Thema kein Hype ist, es gebe aber ein stetig wachsendes Interesse. Das Medienecho selbst sei gemischt, „aber jeder denkt es wird was kommen“.

Klaus Wattendrup von Vattenfall erläutere die Erwartungen an die Blockchain-Revolution aus Utility-Sicht. Es gebe spannende Projekte im Pilotstatus. Er glaube nicht, dass es sich bei der Blockchain um einen blinden Hype halte, sondern um eine fundamentale Änderung. Auf der Blockchain können sehr viele Prozesse und Transaktionen abgebildet werden, was dazu führen könne, Energieversorger ein Stück weit überflüssig zu machen. Es gebe aber auf jeden Fall ungelöste Probleme. Er führte an, dass aktuell insgesamt nur 17 Transaktionen pro Sekunde verarbeitet werden können, was bei 1,5 Mio. Solaranlagen alleine in Deutschland natürlich nicht zweckmäßig ist.

Blockchain und Strombörse ist wie Taxistand zu Hauptbahnhof

Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017 VortragIm vierten Vortrag des Tages erklärte Maximilian Rinck von der Strombörse EEX warum er glaube, dass die Blockchain die Börse nicht ersetzen wird. Börsen gebe es schon seit dem 16 Jahrhundert und sie haben es bisher immer geschafft sich an dem technischen Wandel anzupassen. Grundsätzlich müsse sich auch die Strombörse überlegen, wie man das eigene Geschäftsmodell in einer Welt mit Blockchains anpassen kann. Vieles könne über den konventionellen Weg abgebildet werden. Die innovativen Aspekte der Blockchain seien vor allem Dezentralität und Trust, der nicht an eine Instanz gebunden ist. Eine der wichtigsten Funktionen der Börsen sei von jeher gewesen als vertrauensvoller Dritter zu agieren. Im Gegensatz zur Blockchain sei eine Börse auch öffentlich-rechtlich überwacht, unterliegt also demokratischer Kontrolle.

Die Blockchain könne aber Funktionen im Rahmen von Mikrogrids übernehmen. Dies seien Märkte, die für die Strombörsen nicht groß und interessant genug sind. An der Strombörse wird im Megawattbereich gehandelt. Es mache an der Strombörse wenig Sinn im Kilowatt oder sogar Wattbereich zu handeln. Hier könne die Blockchain neue Wege aufzeigen. Er verglich dies mit Uber oder Taxen, die Mobilitätsleistungen anbieten, aber auch nicht in direkter Konkurrenz zum ICE Fernverkehr stehen. „Große, globale Lösungen werden nicht durch die Blockchain ersetzt.

Im aktuellen regularischem Rahmen nur wenig Einsparpotential

Im Anschluss wurden zwei Studien vorgestellt. Christoph Burger vom ESMT stellte die Studie „Blockchain für die Energiewende“ vor, die in Zusammenarbeit mit der DENA entstanden ist. Er fasste die Ergebnisse der Studie zusammen, die hier zu finden ist. Anschließend stellte Uwe Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW die Studie „Blockchain – Chance für Energieverbraucher“ vor. Diese ist hier zu finden.

In der folgenden Diskussionsrunde diskutierten beide mit Axel von Perfall (PWC), Philipp Richard (DENA) und Michael Fuhs von pv magazine über das Kostensenkungspotential für die Energiewende. Im bestehenden regulatorischen System könne mit der Blockchain kein großes Einsparpotential erreicht werden. Dies war der Konsens, aber in weniger entwickelten Märkten gebe es ein riesiges Potential. Um in der Digitalisierung der Energiewende Technologieführerschaft zu übernehmen wurde empfohlen, die Auktionierung von Modellprojekten besser zu durchdenken. So wäre es sinnvoller, Smart City und Elektromobilitätsprojekte in einer Region zu haben und zu verzahnen als verschiedene Projekte in verschiedenen Regionen zu haben.

Lorien Gamaroff wurde aus Südafrika zugeschaltet. Gamaroff versucht mit seinem Startup Bankymoon Smart Metering mit der Blockchain zu verbinden. In einem Modellprojekt hat sein Unternehmen eine Schule in Südafrika mit einem Smartmeter ausgestattet. An diesen Smart Meter kann jeder Interessent Bitcoins schicken, und so die Schule mit einer Spende für die Stromrechnung unterstützen.

Smart Contracts kennen keine Salvatorische Klausel“

Kerstin Eichmann ist die Leiterin des Innovation Hubs bei Innogy und stellte die Ansätze Ihres Unternehmens im Bereich der Blockchain-Technologie vor. Sie gehe davon aus, dass der Bereich Smart Home immer wichtiger werde und bis 2020 50 Mrd. IoT (Internet of Things)-fähige Geräte aktiv sein werden. In diesem Bereich gebe es spannende Möglichkeiten mit der Blockchain. Sie stellte das P2P-Pilotprojekt Conjoule vor, bei dem in einem Feldversuch Stromproduzenten und Verbrauchen über die Blockchain verbunden sind und untereinander Energie handeln.

In der Praxis tritt Innogy hier noch als Aggregator auf. Dies fordere der regulatorische Rahmen. Über Smart Contracts werden schon Daten von Wetterprognosen in das System gespielt, die dabei helfen einen täglichen Energiefahrplan zu erstellen. Die größte Herausforderung sei es die richtigen Smart Contracts zu erstellen. Hier muss eine einwandfreie Logik gewährleistet sein. „Smart Contracts kennen keine Salvatorische Klausel“. Derzeit sei aber eine Preisbildung im System noch nicht möglich. Aktuell werden Punkte pro kWh vergeben, die dann mit der Stromrechnung verrechnet werden.

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Jochen Grewe von Stadtwerke Energie Verbund SEV stellte in seinem Vortrag die StromDAO vor, die SEV einsetzt. Somit ist das Unternehmen eine echter Vorreiter beim Einsatz der Blockchain in der Energiewende. Derzeit wird die Blockchain in der StromDAO dafür genutzt, dass der Kunde sich über seinen Verbrauch und seine Zahllast informieren kann. Die Blockchain dient also als offenes Kontobuch.

„Blockchain für die Energiewende senkt Einstiegshürden für Startups“

Blockchain-Tag für die Energiewelt 2017 TeilnehmerSebnem Rusitschka von freeel.io stellte ihre AI-gestützte Energie-App vor, die genutzt werden kann um den Energieertrag und die Einnahmemöglichkeiten von Solarhaushalten in Echtzeit zu optimieren. Sie stellte außerdem ein Konzept für Mieterstrom vor, bei dem „Hinter dem Zähler“-Verbünde von Mietern in einem Mietshaus gemeinsam einen möglichst hohen Eigenverbrauch und damit eine optimale Nutzung der Solaranlage erreichen können. Dies mache Sinn, da Eigentümer, Mieter und Netzbetreiber alle wirtschaftliches Interesse daran hätten einen möglichst hohen Eigenverbrauch zu erreichen. Das Energiemanagement innerhalb dieses Mieterzusammenschlusses könne effizient mit Blockchain-Technologie verwaltet werden. Aus Ihrer Sicht ist die Blockchain für die Energiewende nicht zwingend notwendig. Aber dadurch dass diese Technologie vorhanden sei, ist die Einstiegshürde für Startups in der Energiewelt enorm gesunken.

Im nächsten Vortrag ging Michael Merz von Ponton detailliert auf den revolutionären technischen Aspekt ein. Blockchain biete Potential und Anwendungsmöglichkeiten über die gesamte Wertkette der Energiewirtschaft. Er stellte auch sein Project Enerchain vor, die P2P Trading von energy futures ermöglicht. Die Plattform lässt sich sehr gut auf wenig liquiden Märkten einsetzen und Händler können dort ohne Gebühren handeln. Für die sei die Blockchain aus technischer Sicht revolutionär. Allerdings könne man Stand jetzt sagen: „Wir haben eine Lösung und suchen ein Problem!“

„Durch die Blockchain können Unternehmen die Lebenswirklichkeit Ihrer Kunden abbilden“

Thorsten Zoerner und Shermin Voshmgir stellten das Konzept hinter der StromDAO vor. Das Rückgrad des StromDAOs bilde das „Stromkonto, das in Echtzeit den Saldo des Kunden ausgebe„. Theoretisch könnte jeder Kunde jederzeit eine Bilanz erstellen. Durch die Blockchain werde es für Energieunternehmen möglich die Lebenswirklichkeit ihrer Kunden abzubilden und nicht mehr nur auf Standardlastprofile zurückgreifen zu müssen. Voshmgir ging näher auf den Begriff DAO (Dezentale, Autonome Organisation) ein und berichtete von der DAO, über die wir in diesem Artikel kurz berichtet haben.

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