Photon: Solar-Fahrzeug aus Afghanistan

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afghanistan-solarautoEin junger Mann aus Kabul will die Zukunft Afghanistans selbst in die Hand nehmen: Mustafa Mohammadi, Absolvent einer technischen Fachschule, wünscht sich eine bessere Zukunft für sich und sein Land. Sein Projekt: Eine Alternative zu den unsicheren und umweltschädlichen Motorrädern schaffen, mit denen sich ganze Familien dort fortbewegen. Deshalb hat er in Eigenregie eine Art Solar-Motorrad auf drei Rädern entwickelt und gebaut. Die Solarzellen befinden sich auf dem Dach, welches die Fahrer auch vor Regen und Schnee schützen soll. Zwei Personen finden Platz im gelben „Photon“, das mit 60-Volt-Batterien angetrieben wird und bis zu 40 km/h schnell ist.

afghanistan-solarautoPhoton: Motorrad mit zwei umweltfreundlichen Antrieben

Mustafa hat nach eigener Aussage eineinhalb Monate an seinem Motorrad gearbeitet, das er aus alten Auto- und Motorradteilen konstruiert hat. Damit das Solarauto Photon auch dann funktioniert, wenn die Sonne nicht scheint, kann das Fahrzeug auch mit den eingebauten Pedalen angetrieben werden. Nicht alle Teile waren in Afghanistan leicht zu bekommen: Die Solarzellen selbst konnte Mustafa problemlos beschaffen, die 180-Volt-Batterie, die ihm eigentlich vorschwebte, nicht. Daher musste er sich mit den in der afghanischen Hauptstadt erhältlichen 60-Volt-Modellen zufriedengeben. Seine Familie sei zunächst skeptisch gewesen, erzählt Mustafa. Er habe sich aber nicht beirren lassen: „Ich musste es tun, um der Welt und dem afghanischen Volk zu zeigen, dass wir in der Lage sind, technologischen Fortschritt selbst zu gestalten“, so der junge Mann. Mittlerweile ist die Familie stolz auf ihren Sohn, der seine Idee ohne Ingenieursausbildung umgesetzt hat und damit die Verkehrs- und Umweltprobleme Kabuls lösen will.

Offizielle Zulassung lässt auf sich warten

Die Gesamtkosten für Photon betrugen insgesamt umgerechnet etwa 1.400 Euro. Da es für solche Fahrzeuge keine offizielle Zulassung gibt, wurde Mustafa bei einer Testfahrt mehrfach angehalten. Die Verkehrspolizisten waren unsicher, wie sie mit dem ungewöhnlichen Motorrad umgehen sollten. Doch die Zulassungspapiere lassen noch auf sich warten – die Verwaltung in Kabul ist ratlos, wie das Gefährt einzustufen ist. Auch an die Bedienung des Fahrzeugs muss man sich erst gewöhnen – als ein Reporter eines privaten Fernsehsenders vorbeikam, um über Photon zu berichten, bestand er auf eine Testfahrt – und rammte prompt ein anderes Auto. „Ich habe ihm gesagt, er soll vorsichtig sein – das ist kein Auto und kein normales Motorrad. Er hat nicht auf mich gehört“, so Mustafa.

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solar-fahrzeug-afghanistanPhoton soll Arbeitsplätze in Afghanistan schaffen

Mustafa ist sich sicher, dass er Unternehmen finden könnte, die bereit wären, seine Erfindung in großem Stil herzustellen, wenn in seinem Land Frieden herrschen würde. Mehrere Leute hätten ihm bereits vorgeschlagen, seine Erfindung von chinesischen oder pakistanischen Firmen bauen zu lassen. Doch das lehnt er ab: Seine Erfindung soll in Afghanistan umgesetzt werden. Mustafa träumt auch von einem Stipendium, um irgendwo Ingenieurswissenschaften zu studieren und danach mit seinen Erfindungen Arbeitsplätze für andere Afghanen zu schaffen. Er hofft dabei auf die Unterstützung seines Präsidenten Ashraf Ghani, der sich den Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zum Ziel gesetzt hat. Die Aufmerksamkeit der Regierung hat Mustafa auf jeden Fall schon erregt: Rula Ghani, die Ehefrau des Präsidenten, hat ein Bild von Photon in ihrem Büro aufgehängt – als ein Symbol für die Erfolge junger Afghanen.

Quellen / Weiterlesen:
A solar-powered motorbike, to empower Afghans – Los Angeles Times
Self-Taught Afghan Engineer Makes Solar-Powered Vehicle – Interesting Engineering


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Ajaz Shah

Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

2 KOMMENTARE

  1. Die große Aufgabe ist es die Transportkosten bei einem weltweiten Vertrieb gering zu halten. Velomobile sind bei europäischer Herstellung zu teuer, und zu voluminös für den effizienten Containertransport.

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