Bei Tesla häufen sich die Probleme. Zum Produktionsstau beim Tesla Model 3 kam ein tödlicher Unfall mit dem Autopilot und eine Rückrufaktion beim Tesla Model S hinzu. Doch Tesla sitzt noch ein ganz anderes Problem im Nacken – der Kauf von SolarCity und die Schulden des Solarinstallateurs.

Tesla braucht wahrscheinlich bald frisches Geld

Die umstrittene Übernahme vorletztes Jahr hatte Tesla 2,6 Milliarden Dollar gekostet. Kritiker vermuteten Vetternwirtschaft, da Elon Musk mit den beiden Gründern verwandt ist und das Unternehmen mit der Übernahme vermutlich vor der Pleite bewahrt hat. Der Autobauer hatte beim Kauf die 2,9 Milliarden Dollar Schulden von SolarCity mit übernommen. Ein Teil dieser Schulden wird demnächst fällig. Einen schlechteren Zeitpunkt kann es kaum geben, da Tesla noch kein Geld verdient, sondern mit der Model 3-Produktion gerade massiv welches verbrennt. Um eine neue Kapitalerhöhung in diesem Jahr dürfte Elon Musk nicht herumkommen.

Die Schulden von Solar City verschlechtern das Rating

Auf das Energiespeichergeschäft von Tesla hat sich die Übernahme von SolarCity zwar positiv ausgewirkt. Außerdem garantiert nicht Tesla die Rückzahlung der Schulden von SolarCity, sondern der Solarinstallateur selbst. Dennoch belasten die Verbindlichkeiten Teslas Bilanz und wirken sich negativ auf das Rating und damit auf die Konditionen aus, zu denen sich Tesla neues Geld leihen kann. Investoren sehen den aktuellen Cash Burn mit Sorge. Ende März hatte die Ratingagentur Moody’s Tesla mit Verweis auf die finanzielle Situation herabgestuft. Die Tesla-Aktie war im März um 22 Prozent gefallen, hatte sich aber wieder erholt, nachdem Elon Musk die neuen Produktionsziele beim Model 3 bestätigt hatte. Experten erwarten, dass Tesla spätestens Mitte des Jahres frisches Geld braucht.

Tesla Model 3: Marktstart in Europa verspätet sich

Schließlich hat der Autobauer große Pläne. Elon Musk will aus Tesla einen vollintegrierten Gesamtkonzern machen, der vom Fahrzeug über Solarbatterien bis hin zum Solardach alles aus einer Hand bietet. Nächstes Jahr soll auch der elektrische Sattelschlepper Tesla Semi in die Serienproduktion gehen. All das hängt davon ab, ob Tesla mit dem Model 3 schnell genug den Einstieg in den Massenmarkt schafft. Und hier bekommt der Pionier der Elektromobilität inzwischen Konkurrenz. Da Tesla so weit hinter den ursprünglichen Produktionszielen hängt, werden die ersten Model 3 frühestens Anfang 2019 nach Deutschland und Europa kommen. Das ist mindestens ein halbes Jahr später als geplant.

Andere Hersteller holen auf

Bis dahin werden andere Hersteller, die jahrzehntelange Erfahrung in der Massenproduktion von Fahrzeugen haben, ebenfalls attraktive Elektroautos anbieten. Experten zufolge besitzt Tesla gegenüber der Konkurrenz kein technisches Alleinstellungsmerkmal.

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Quellen / Weiterlesen:
Tesla Has a Problem, and It’s Not the Model 3 | Bloomberg
SolarCity dürfte für Tesla schon bald zum Problem werden | finanzen.net
E-Autobauer Nervöse Investoren – Tesla-Aktie verkommt zum Zockerpapier | Mitteldeutsche Zeitung
Bildquelle: Tesla Inc.

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Ajaz Shah
Ajaz Shah ist seit 2010 im Bereich der erneuerbaren Energien in der Projektfinanzierung und dem Projekmanagement für verschiedene Unternehmen tätig. Er arbeitete an Solar- und Windprojekten mit einer Gesamtkapazität von mehr als 50 MW in Deutschland, Spanien, Italien, Großbritannien, Tschechien und Frankreich mit. Daneben ist er freiberuflich im Online Marketing tätig. Ajaz hat zusammen mit Stephan Hiller energyload.eu im Oktober 2013 initiiert.

1 KOMMENTAR

  1. Auf den Aberglauben, dass eine Pleitefirma durch einen Aufkauf zum Dukatenesel wird, sind ja auch schon andere hereingefallen – z.B. die „Freunde von Prokon“. Dass auch ein Elon Musk nicht schlauer ist, könnte man ihm also nicht unbedingt vorwerfen.
    Aber dass es sich hier um „Vetternwirtschaft“ ist doch auch schon wieder nur ein Märchen. Tatsächlich geht es nicht darum, dass die Firma von seinen Cousins gegründet wurde – sondern darum, dass Elon Musk Initiator, Mitgründer, größter Anteilseigner und Verwaltungsratschef war. Letztlich hat Elon Musk also die Firma von sich selbst gekauft – völlig überteuert und vor allem mit dem Geld, das ihm Leute für seine Elektroautofirma geliehen hatten, die dieses Geld offenkundig auch dringendst selbst gut brauchen könnte.
    Aber während er das Geld der anderen in rauen Massen verbrennt (aktuell rund 500.000 US$ pro Stunde allein mit Tesla), wächst sein eigenes Vermögen stetig an. Und wie bei jedem anderen Sektenführer weigern sich seine Jünger, die Realität anzuerkennen.

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