Das Pilotprojekt OctoFlexBW von TransnetBW und Octopus Energy wurde erfolgreich abgeschlossen und liefert wichtige Daten für die Netzstabilität der Zukunft. Durch die intelligente Vernetzung von über 700 Elektrofahrzeugen aus privaten Haushalten konnten sämtliche Prozesse für die Erbringung von Redispatch-Leistungen erfolgreich getestet werden. Die Ergebnisse zeigen, dass dezentrale Flexibilität eine kostengünstige Alternative zum herkömmlichen Netzengpassmanagement darstellt. Bei einer Hochrechnung auf eine Million Fahrzeuge ließen sich jährlich bis zu 0,5 Terawattstunden (TWh) Energie bereitstellen. Dies würde 3 bis 5% des gesamten deutschen Redispatch-Bedarfs decken und perspektivisch die Netzentgelte für alle Verbraucher senken.
Überblick: OctoFlexBW von TransnetBW und Octopus Energy
- Partner: Strategische Kooperation von TransnetBW und Octopus Energy.
- Technik: Vernetzung der IT-Plattformen DA/RE (TransnetBW) und KrakenFlex (Octopus Energy).
- Umfang: Über 700 Elektrofahrzeuge aus privaten Haushalten für Netzstabilisierung.
- Ergebnis: Nachweis aller End-to-End-Prozesse für marktbasierten Redispatch („Redispatch 3.0“).
- Potenzial: 1 Mio. E-Autos können jährlich ca. 0,5 TWh zur Netzstabilisierung bereitstellen.
- Ausblick: Skalierung im Folgeprojekt DataFleX mit 1.000 Fahrzeugen und Heimspeichern.
Redispatch 3.0: Marktbasiertes Engpassmanagement
Im Rahmen des Projekts haben die Partner digitale und energiewirtschaftlich konforme Prozesse aufgebaut, um die Batterien privater E-Autos in die Netzsteuerung einzubinden. Ziel ist die Erweiterung des bestehenden, kostenbasierten Redispatch-Regimes hin zu einer marktbasierten Komponente – den sogenannten Redispatch 3.0. Da die Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge im Jahr 2025 um 43,2 Prozent gestiegen sind und ihr Anteil am Gesamtabsatz bei 19,1 Prozent lag, wächst das verfügbare Potenzial dieser dezentralen Ressourcen stetig weiter. OctoFlexBW zeigt, dass diese Kapazitäten bereits heute zur Entlastung des Gesamtsystems beitragen können.
Technische Umsetzung über DA/RE und KrakenFlex
Die technische Basis bildet die Kopplung zweier IT-Plattformen. Dabei nutzt Octopus Energy die Plattform KrakenFlex, um die Ladevorgänge der Kunden so zu steuern, dass die Batterien morgens geladen sind, die Kosten aber minimiert werden. Schließlich wird das ermittelte Verschiebepotenzial an die TransnetBW-Plattform DA/RE („DAtenaustausch/ REdispatch“) übermittelt. Sobald die Systemführung von TransnetBW eine Netzüberlastung prognostiziert, sendet das System ein Abrufsignal. KrakenFlex übersetzt diesen Befehl in Echtzeit in eine angepasste Ladestrategie für die angeschlossenen Elektrofahrzeuge. Die gesamte Prozesskette – von der heimischen Wallbox bis zur Leitstelle des Übertragungsnetzbetreibers – wurde im Projekt vollständig automatisiert und auch hinsichtlich der Bilanzierung erfolgreich validiert.
Wirtschaftlichkeit und Nutzerakzeptanz
Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen eine hohe Akzeptanz auf Nutzerseite. Die Teilnehmer am Tarif „Intelligent Octopus“ profitierten von günstigeren Strompreisen, während die netzdienliche Steuerung im Alltag nahezu unbemerkt blieb. Die Fahrer und Fahrerinnen konnten z.B. jederzeit festlegen, wann ihr Fahrzeug einsatzbereit sein muss, wodurch keinerlei Komforteinbußen für sie entstanden. Die hohe Attraktivität des Modells zeigte sich auch darin, dass bereits während der Projektphase zahlreiche E-Mobilisten proaktiv zu Octopus Energy wechselten, um von der Kombination aus günstigen Preisen und Netzdienlichkeit profitieren zu können.
Die Leistungsdaten im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Flottengröße | 700 Elektrofahrzeuge |
| Realisierte Abrufmenge | 2 MWh pro Tag |
| Hochrechnung auf 1 Mio. Fahrzeuge | 3 GWh Kapazität pro Tag |
| Jahrespotenzial | 0,5 TWh Energiebereitstellung |
| Abdeckung Redispatch-Bedarf | 3 bis 5% des bundesweiten Volumens |
Regulatorik als verbleibende Hürde
Trotz des technischen Erfolgs fehlt bisher ein passender regulatorischer Rahmen, denn um das Potenzial haushaltsnaher Flexibilitäten flächendeckend zu nutzen, muss die Anerkennung der Abrufkosten für Übertragungsnetzbetreiber gesetzlich verankert werden. Dies ist die Voraussetzung, um finanzielle Anreize für Verbraucher dauerhaft zu etablieren und die Netzentgelte durch ein effizienteres Management zu senken.
Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland, erklärt nochmals in diesem Zusammenhang, dass neben der regulatorischen Weichenstellung zudem eine flächendeckende Ausrüstung der Haushalte mit Smart Metern die Grundvoraussetzung für eine breite Implementierung ist. Die Zusammenarbeit möchte man nun im Forschungsprojekt „DataFleX“ fortsetzen. Dabei wolle man über 1.000 Elektrofahrzeuge sowie erstmals auch Heimspeicher integrieren, um die dezentrale Flexibilität im deutschen Stromnetz weiter zu skalieren.
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Bildquelle: © TransnetBW


