Hybrid-Flugzeug Polaris: Tidal Flight expandiert in Virginia

Das Startup Tidal Flight investiert in Virginia in die Entwicklung des Hybrid-Flugzeugs Polaris, das den Küstenverkehr dekarbonisieren soll.

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Das Luftfahrt-Startup Tidal Flight verstärkt seine Aktivitäten im US-Bundesstaat Virginia, um die Entwicklung des Hybrid-Elektroflugzeugs Polaris zu beschleunigen. Mit einer Investitionssumme von über 500.000 US-Dollar baut das Unternehmen seine Forschungs- und Entwicklungskapazitäten am Chesapeake Regional Airport aus. Ziel ist es, eine emissionsarme Alternative für den Küstenluftverkehr zu etablieren, die Einsparungen beim Treibstoffverbrauch und den Betriebskosten ermöglicht. Unterstützt durch regionale Partnerschaften, setzt das Unternehmen zudem auf den Zugang zu spezialisierten Fachkräften, um die Prototypenentwicklung voranzutreiben. Somit festigt die Region ihre Position als wichtiger Standort für innovative Antriebstechnologien in der Luftfahrtindustrie.

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Überblick: Expansion von Tidal Flight in Virginia

  • Unternehmen: Tidal Flight (gegründet 2023 im REaKTOR-Programm).
  • Standort: Chesapeake Regional Airport, Virginia (1.200 m² Hangarfläche).
  • Projekt: Polaris (Amphibisches Hybrid-Elektroflugzeug für 9–12 Passagiere).
  • Investition: 538.000 USD zur Verdreifachung der Belegschaft und Prototypenbau.
  • Zusatzförderung: 1,25 Mio. USD AFWERX-Vertrag (US Air Force) für Iron Bird-Teststands.
  • Leistung: Reichweite von 100 bis 500 Meilen (ca. 160 bis 800 Kilometer).
  • Effizienz: 85% weniger Treibstoff; 40% geringere Betriebskosten gegenüber Wasserflugzeugen.
  • Marktresonanz: Vorbestellungen durch WingTips (USA), Seaplane Safaris (Bahamas) und Mehair (Indien).
  • Ziel: Dekarbonisierung, Korrosionseliminierung und 20 dB Lärmminderung im regionalen Küstenflugverkehr.

Prototypenbau: Hangar-Expansion in Chesapeake

Das 2023 im Rahmen des REaKTOR-Programms gegründete Unternehmen Tidal Flight bezieht einen rund 1.200 Quadratmeter großen Hangar am Chesapeake Regional Airport. Dabei dient die Investition in Höhe von 538.000 US-Dollar primär dem Aufbau der Infrastruktur für den Prototypenbau und die Systemtests. Außerdem verdreifachte sich im Rahmen der Expansion die Belegschaft des Unternehmens durch die Einstellung von sechs zusätzlichen Fachkräften.

Dass die Investitionssumme für Luftfahrtverhältnisse moderat ausfällt, liegt an der strategischen Fokussierung auf die Rapid Prototyping-Phase und die Erprobung von Teilsystemen. Finanziell wird dieses Vorhaben durch einen separaten Vertrag mit der Innovationsabteilung der US Air Force (AFWERX) in Höhe von 1,25 Millionen US-Dollar und das Virginia Jobs Investment Program (VJIP) unterstützt. Diese Mittel fließen in die Entwicklung eines sogenannten „Iron Bird“, eines stationären Teststands zur Validierung der Flugsteuerung und des Antriebsstrangs.

Kombination aus Luftfahrt und Schiffbau

Die Standortwahl fiel bewusst auf die Region Hampton Roads. Die Gründer – drei Luft- und Raumfahrttechniker des Georgia Tech – wählten die Region aufgrund der einzigartigen Kombination aus maritimer Expertise und Luftfahrt-Know-how. Da der Polaris als Amphibienflugzeug konzipiert ist, profitiert die Entwicklung von den Talenten aus dem lokalen Schiffbau und dem nahegelegenen NASA Langley Center. Zusätzlich bietet die Nähe zum Verteidigungssektor und spezialisierten Forschungseinrichtungen eine Infrastruktur, die für die Erprobung neuartiger Antriebssysteme und Verbundwerkstoffe entscheidend ist. Die geografischen Gegebenheiten mit zahlreichen Wasserwegen ermöglichen zudem realitätsnahe Tests der Start- und Landeeigenschaften direkt vor Ort.

Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Polaris

Das Flugzeug Polaris ist für die Herausforderungen des regionalen Küstenverkehrs auf Strecken zwischen 100 und 500 Meilen konzipiert. Der eingesetzte Hybrid-Antrieb nutzt Elektroantriebe in Kombination mit einem Verbrennungsmotor als Range-Extender, was laut Hersteller zu einer Treibstoffersparnis von 85% gegenüber herkömmlichen Wasserflugzeugen führt. Ein entscheidender Materialvorteil ergibt sich durch den konsequenten Einsatz moderner Verbundwerkstoffe. Dadurch wird das Problem der Korrosion – eine der größten Kostenstellen bei maritimen Flugzeugen – nahezu vollständig eliminiert, was maßgeblich zur Senkung der Betriebskosten um 40% beiträgt. Zur Steigerung der Anwohner- und Umweltakzeptanz trägt zudem eine Lärmreduktion um etwa 20 dB beim Start bei, die den Betrieb in sensiblen touristischen Gebieten und städtischen Häfen ermöglicht.

Technik der Polaris: 85% weniger Treibstoff

Tidal Flight setzt bei der Polaris auf einen Hybrid-Antrieb statt auf Wasserstoff, um die aktuelle Infrastruktur ohne Verzögerung nutzen zu können. Dieser Ansatz ermöglicht eine unmittelbare Steigerung der Effizienz im Vergleich zu herkömmlichen Modellen.

  • Diesel-elektrisches System: Die Polaris nutzt zwei hocheffiziente, zertifizierte Diesel-Motoren von DeltaHawk als Generatoren. Diese verbrennen herkömmlichen Flugzeugkraftstoff (Jet-A), treiben aber keine Propeller direkt an, sondern erzeugen Strom für die Elektromotoren.
  • Batterie-Puffer für Lastspitzen: Für den energieintensiven Start und die Landung nutzt das Flugzeug ein Batterie-Pack. Im Hafen und beim Abheben operiert die Polaris somit rein elektrisch, emissionsfrei und leise. Die Verbrenner schalten sich erst im effizienten Reiseflug dazu, um die Batterien zu laden.
  • Veraltete Konkurrenz als Benchmark: Die Treibstoffersparnis von 85% bezieht sich auf den Vergleich mit klassischen Modellen wie der de Havilland Canada DHC-6 Twin Otter, deren Triebwerkstechnik oft auf dem Stand der 1960er Jahre basiert.
  • Aerodynamik und Material: Durch den Einsatz moderner Verbundwerkstoffe (Composites) und ein optimiertes Rumpfdesign wird der Luft- und Wasserwiderstand erheblich reduziert und die Treibstoffkosten gespart.

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Marktnachfrage und Zukunftsaussichten

Trotz des frühen Entwicklungsstadiums stößt das Konzept schon auf internationales Interesse. Die Aufträge umfassen mittlerweile über 140 Flugzeug-Zusagen im Gesamtwert von rund 900 Millionen US-Dollar. Zu den wichtigsten Partnern gehören der indische Betreiber Mehair, der in Singapur eine Vereinbarung über 10 Maschinen unterzeichnete, sowie Seaplane Safaris (Bahamas) mit einer Order über 5 Flugzeuge. In den USA bestellte der On-Demand-Anbieter WingTips aus Texas 20 Polaris-Maschinen im Wert von über 100 Millionen US-Dollar vor. Tidal Flight profitiert am Standort Virginia von der räumlichen Nähe zu spezialisierten Fachkräften aus den Bereichen Naval Engineering und Luftfahrt, wobei die Kombination aus maritimer Expertise und moderner Antriebstechnik die Serienreife des Polaris bis 2030 ermöglichen soll. Erste Testflüge mit einem vollskaligen Prototyp sind hingegen für das Jahr 2028 geplant.

Quellen / Weiterlesen

An Electric Future for Coastal Transportation | Tidal
Hybrid-Elektroflugzeug-Startup investiert in Virginia | IT Boltwise
Hybrid-Electric Seaplane Startup Expands in Virginia | IEN
Tidal Flight Soars: $538K Boost For Next-Gen Hybrid-Electric Seaplane Company | REaKTOR757
Bildquelle: © Tidal
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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