Der Weinheimer Technologiekonzern Freudenberg stellte am 1. Januar 2026 seine Geschäftseinheit Freudenberg e-Power Systems ein. Damit beendet der Konzern die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen, Modulen sowie kompletten Brennstoffzellensystemen. Besonders die schwache Nachfrage in den USA und fehlende infrastrukturelle Rahmenbedingungen machten eine wirtschaftliche Skalierung der Systemsparte unmöglich. Trotz dieses strategischen Rückzugs präsentiert die Freudenberger Gruppe eine robuste Bilanz für das Geschäftsjahr 2025. Mit einem Umsatz von über 11,73 Milliarden Euro und gezielten Investitionen in Zukunftsbereiche wie Wasserstoffkomponenten und künstliche Intelligenz positioniert sich das Unternehmen neu, um seine langfristige Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit in einem volatilen globalen Umfeld zu sichern.
Übersicht: Strukturwandel bei Freudenberg
- Strategie: Auflösung von Freudenberg e-Power Systems (Batterie- und Brennstoffzellen).
- Stichtag: Die organisatorische Umsetzung erfolgte zum 1. Januar 2026.
- Personal: Der Rückzug betrifft etwa 600 Stellen, vor allem in den USA.
- Umsatz 2025: 11,73 Mrd. € (-1,8% Rückgang im Vergleich zum Vorjahr).
- Ergebnis: Das operative Ergebnis belief sich auf 1,09 Mrd. €.
- Innovation: 579,5 Mio. € für Forschung und Entwicklung (Schwerpunkt KI und Digitalisierung).
- Zukunft: Fokus auf Wasserstoff-Komponenten, Medizintechnik und KI-Anwendungen.
Strategischer Rückzug aus dem Systemgeschäft
Hintergrund dieser strategischen Entscheidung ist das Marktumfeld, das weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Insbesondere in den USA entwickelte sich die Nachfrage nach spezifischen Batterie- und Brennstoffzellenanwendungen deutlich schwächer als prognostiziert. Bedauerlicherweise sind von der Auflösung der Geschäftssparte Freudenberg e-Power Systems rund 600 Beschäftigte betroffen, wobei sich ein Großteil davon an Standorten in den USA befindet. Freudenberg führt dabei eine Kombination aus mehreren Faktoren an, die als Ursache für dies Entwicklung identifiziert wurden.
- Fehlende Infrastruktur: Vor allem im Wasserstoffsegment mangelt es an der notwendigen Versorgungsdichte. Ohne diese Basis lässt sich die notwendige Marktdurchdringung für Brennstoffzellensysteme nicht realisieren.
- Hohe Kosten und Skalierung: Hohe Produktionskosten und ein intensiver globaler Wettbewerb verhinderten den Aufbau rentabler Stückzahlen. Daher ließ sich das komplexe Systemgeschäft nicht unter diesen Bedingungen wirtschaftlich skalieren.
- Regulatorische Unsicherheit: Unklare regulatorische Rahmenbedingungen und politische Unsicherheiten, insbesondere im US-Markt, erschwerten eine verlässliche Planung für langfristige Investitionsentscheidungen.
Bilanz 2025: Finanzielle Stabilität trotz Umbruch
Trotz der Restrukturierung im E-Mobility-Sektor präsentierte die Gruppe solide Finanzkennzahlen für das Geschäftsjahr 2025. Der Konzernumsatz belief sich somit auf 11,73 Milliarden € (Vorjahr: 11,95 Mrd. €), was einem leichten Rückgang von 1,8% entspricht. Belastend wirkten hierbei vor allem Wechselkurseffekte in Höhe von 281,6 Millionen €, primär bedingt durch die Entwicklung des US-Dollars und des chinesischen Renminbis. Das operative Ergebnis lag mit 1,09 Milliarden € (-3,5% zum Vorjahr) weiterhin auf einem hohen Niveau; die Umsatzrendite erreichte 9,3%. Besonders hervorzuheben ist zudem die gestärkte Eigenkapitalquote von 57,1%, die die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens unterstreicht. Die Ratingagentur Moody’s bestätigte die hohe Kreditwürdigkeit des Konzerns erneut mit einem stabilen A3-Rating.
Fokus auf Wasserstoff-Komponenten, KI und Medizin
Allerdings bedeutet der Rückzug aus der Systemfertigung nicht das Ende der Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien, sondern lediglich eine Neuorientierung. Freudenberg konzentriert sich künftig verstärkt auf das margenstärkere Geschäft mit Wasserstoffkomponenten und integrierte diese Aktivitäten organisatorisch in die Sparte Freudenberg Sealing Technologies. Parallel dazu möchte der Konzern die Digitalisierung durch höhere Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) vorantreiben. Bis zum Jahr 2028 plant die Gruppe, rund 200 Millionen € in die KI-gestützte Forschung und Produktion fließen zu lassen, um Innovationen zu beschleunigen und Effizienzpotenziale zu heben.
Die hohe Innovationskraft des Unternehmens spiegelt sich bereits in der aktuellen Bilanz wider. Der Anteil neuer Produkte, die weniger als 4 Jahre am Markt sind, stieg im Geschäftsjahr 2025 auf 31,5% des Gesamtumsatzes. Um diesen Standard zu halten, verbleiben die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf einem konstant hohen Niveau. Mit 579,5 Millionen € investierte Freudenberg im vergangenen Jahr 4,9% seines Umsatzes in die Entwicklung neuer Technologien und sichert so seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit in einem volatilen Marktumfeld.
Expansion in Medizintechnik und Reinigung
Parallel zur Konsolidierung im Batteriesegment investiert Freudenberg hohe Summen in andere Wachstumsfelder. Folglich tätigte die Gruppe im Jahr 2025 Akquisitionen im Wert von rund 800 Millionen €. Dazu zählen der Erwerb von Fuji Seiko (Medizintechnik) sowie Zukäufe in der Lebensmittelindustrie. Ein markanter Schritt ist außerdem das Übernahmeangebot für alle Aktien der Nilfisk Holding A/S, um das Portfolio im Bereich autonomer Reinigungsroboter zu erweitern.
Weltweit beschäftigte Freudenberg zum Jahresende 2025 insgesamt 50.968 Mitarbeitende aus 147 Nationen. Trotz der Stellenstreichungen bei e-Power Systems bleibt das Unternehmen durch gezielte Investitionen in Deutschland (142,9 Mio. €) und internationale Standorte wie Mexiko und Costa Rica strategisch breit aufgestellt.
Quellen / Weiterlesen
Freudenberg presents financials for 2025 | Freudenberg
Bildquelle: KI-generiert


