PV-Carports: Versiegelte Parkplätze werden grüne Kraftwerke

PV-Carports verwandeln Parkplätze in nachhaltige Solarkraftwerke ohne wichtige Freiflächen zu nutzen. 59 GWp bundesweit möglich.

0
67
pv-carport-niedax

Bisher liegen Millionen Quadratmeter Asphalt in Deutschland energetisch brach, heizen sich im Sommer auf und bieten Autofahrern keinen Schutz vor Hitze. Parkplätze galten lange Zeit als notwendige, versiegelte Infrastrukturflächen ohne energetischen Mehrwert. Durch die Integration von PV-Carports ändert sich das, weil sie eine effiziente Mehrfachnutzung ermöglichen, ohne neue Flächen zu beanspruchen. Für Betreiber und Unternehmen bietet dies den entscheidenden Vorteil, direkt vor Ort grünen Strom für Gebäude oder E-Ladeinfrastrukturen bereitzustellen und gleichzeitig Fahrzeuge vor Witterung zu schützen. Angesichts eines technischen Potenzials von rund 59 Gigawattpeak allein auf deutschen Stellplätzen werden diese Systeme zu einem wichtigen Baustein für eine flächenschonende und wirtschaftliche Energiewende.

PV-Carports von Niedax: Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Hauptvorteil: Doppelte Flächennutzung auf bereits versiegelten Parkarealen.
  • Anbieter: Niedax GmbH & Co. KG
  • Leistung pro Stellplatz: Über 3 kWp (basierend auf einer Standardfläche von 3 x 6 Metern).
  • Gesamtpotenzial (DE): Ca. 59 GWp auf rund 47.060 Hektar bestehender Parkfläche.
  • Konstruktionstypen: Y-Variante für Doppelplätze und L-Variante für Einzelreihen am Randbereich.
  • Technische Maße: Unterfahrhöhen von 2,1 bis 4 m sowie Spannweiten bis zu 14,5 m.
  • Wartung und Schutz: Einsatz von korrosionsbeständigem Stahl mit hochwertiger Zink-Magnesium-Beschichtung.
  • Schnittstelle Mobilität: Optimale Kombination aus E-Ladeinfrastruktur und direkter Solarstrom-Versorgung vor Ort.

Flächennutzung ohne Eingriffe in die Natur

Gewerbe- und Industriegebiete bestehen zu großen Teilen aus asphaltierten Stellflächen. Laut Daten des Umweltbundesamtes (UBA) entfallen in Deutschland rund 51 Prozent der Landesfläche auf Siedlungs- und Verkehrsflächen. Vor allem Parkplätze weisen einen hohen Versiegelungsgrad auf. Da diese Areale infrastrukturell erschlossen sind und über Jahrzehnte unverändert genutzt werden, ermöglicht eine Überdachung mit Solarmodulen eine effiziente Doppelnutzung. Die Stromerzeugung erfolgt direkt auf der bestehenden Infrastruktur, ohne neue Nutzungskonflikte zu schaffen. Statt z.B. ökologisch wertvolle Äcker oder Wiesen für Solarparks zu beanspruchen, nutzt dieses Modell konsequent bereits versiegelte Flächen.

Anzeige

Technische Systemlösungen und Konstruktion

Die Tragstrukturen bestehen aus korrosionsbeständigem Stahl und fungieren direkt als Halterung für die Photovoltaikmodule. Somit dienen die Module zur Energieerzeugung und gleichzeitig als schützende Überdachung zur Beschattung der Stellflächen. Die Konstruktion erreicht dabei Unterfahrhöhen von 2,1 bis 4 Metern bei einer Carport-Tiefe von bis zu 6 Metern. Statisch ist das System auf lokale Wind- und Schneelasten ausgelegt. Die Verankerung im Boden erfolgt projektabhängig über Betonfundamente oder Ankersysteme. Diese modularen Lösungen erlauben eine genaue Anpassung an bestehende Stellplatzraster und die vorhandene Verkehrsführung.

Die Y- und L-Variante: Flexibilität für jede Parkfläche

Bei der Gestaltung der Stellplätze gibt es zwei spezifische Konstruktionstypen: Die Y-Variante und die L-Variante. Die Y-Variante überspannt zwei gegenüberliegende Stellplätze mit einem zentralen Pfosten in der Mitte. Das erinnert an die Struktur eines Baumes, dessen Krone beide Seiten beschattet. Die L-Variante fungiert hingegen als Randabschluss und deckt jeweils eine einzelne Stellplatzreihe ab. Da die Stützen zentral stehen, können Autofahrer leichter rangieren. Das Risiko für Parkschäden sinkt, da keine seitlichen Pfosten die Sicht beim Ausparken behindern.

Technisch erlauben diese Bauweisen Spannweiten von bis zu 14,5 Metern. Die Dachflächen weisen einen Neigungswinkel von etwa fünf Grad auf, wobei die Neigung eine kontrollierte Entwässerung gewährleistet und gleichzeitig die Verschmutzungen auf den Modulen verhindert. Die Tragwerke bestehen aus speziell gebogenen, geschweißten sowie verschraubten Elementen.

Energetisches Potenzial und konkreter Nutzen

Ein Stellplatz mit einer Dachfläche von 3 mal 6 Metern erzielt eine Leistung von über 3 Kilowatt-Peak (kWp). Bei einem spezifischen Jahresertrag von rund 930 Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak liefert ein einzelner Carport somit genug Energie für eine jährliche Fahrleistung von etwa 15.000 Kilometern. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich besonders bei der direkten Versorgung von E-Ladesäulen vor Ort. Durch den Entfall von Netzentgelten und Steuern sinken die Kosten pro Ladung im Vergleich zum öffentlichen Netzbezug um mehr als die Hälfte.

Über die reine Energieerzeugung hinaus fungieren PV-Carports als Schnittstelle zwischen Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Laut Analysen des Fraunhofer ISE liegt das technische Gesamtpotenzial auf deutschen Parkflächen bei rund 59 Gigawatt-Peak (GWp). Das entspricht fast der dreifachen Leistung aller deutschen Kernkraftwerke vor dem Atomausstieg. Die Leistung von 59 GWp ließe sich auf einer Gesamtfläche von etwa 47.060 Hektar realisieren, das entspricht ungefähr der Hälfte Berlins oder der Größe des Bodensees. Damit leisten PV-Carports einen substanziellen Beitrag zur Stromversorgung an Standorten, an denen der Energiebedarf durch Elektromobilität unmittelbar entsteht.

Blick nach Europa: Wie fördern EU-Länder den Ausbau von PV-Carports?

Frankreich nimmt eine Vorreiterrolle ein und verpflichtet Betreiber großer Parkplätze per Gesetz zur Installation von Solardächern. Diese Regelung gilt für Bestandsflächen und Neubauten ab einer Größe von 80 Stellplätzen. In Deutschland sehen wir ähnliche Gesetze bereits in einigen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen.

In Italien und Spanien fördern hohe Einstrahlungswerte und vereinfachte Genehmigungsverfahren für Eigenverbrauchsanlagen den Markt. Osteuropäische Wachstumsmärkte wie Polen und Tschechien setzen verstärkt auf staatliche Förderprogramme für Unternehmen, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren. Während Deutschland den Ausbau über Landesbauordnungen regelt, etablieren diese Länder nationale Standards für eine schnellere technische Integration.

Quellen / Weiterlesen

Weitere Informationen auf der Webseite des Unternehmens | Niedax
Anhaltender Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke | Umweltbundesamt
Riesiges Flächenpotenzial für PV: Parkplatz-Carports | InterSolar
Broschüre als PDF: PV-Montagesysteme – Photovoltaik-Lösungen 2025 | Niedax
Flyer als PDF: PV-Carport-Systeme – Innovative Überdachungen für Parkflächen 2024 | Niedax
Bildquelle: © Niedax GmbH & Co. KG
Vorheriger ArtikelHybrid-Flugzeug Polaris: Tidal Flight expandiert in Virginia
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein