BETA Technologies E-Flugzeug: Tests mit Loganair in Schottland

Loganair testet in Schottland das Elektroflugzeug ALIA CX300 (CTOL-Variante) von Beta Technologies für Post, Fracht und medizinische Güter.

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In Zusammenarbeit mit dem US-Hersteller BETA Technologies schloss die schottische Regionalfluggesellschaft Loganair eine umfassende Testphase für den elektrischen Flugbetrieb erfolgreich ab. Im Zentrum der Untersuchung stand das batteriebetriebene Modell ALIA CX300 (CTOL-Variante), das im Rahmen eines 10-tägigen Programms insgesamt 23 Flüge im schottischen Streckennetz absolvierte. Die Maschine legte 1.006 Seemeilen (ca. 1.860 km) zurück und bewies schließlich ihre Einsatzfähigkeit unter realen klimatischen Bedingungen. Dabei lag der Fokus vor allem auf dem Transport von Post der Royal Mail sowie medizinischen Gütern, um die Integration in den regulären Flugplan vorzubereiten.

Übersicht: Loganair und BETA Technologies in Schottland

  • Projekt: Kooperation zur Erprobung des elektrischen Kurzstreckenverkehrs im Norden Europas.
  • Partner: Loganair, BETA Technologies und Royal Mail.
  • Testumfang: 23 Flüge (18 davon in Schottland); Gesamtdistanz 1.006 Seemeilen (ca. 1.860 km).
  • Infrastruktur: Einsatz des mobilen Schnellladesystems „Mini-Cube“ an regionalen Flugplätzen.
  • Energieeffizienz: Durchschnittlicher Verbrauch von 1,37 kWh pro Seemeile.
  • Leistung: Bis zu 270 km/h Reisegeschwindigkeit und maximal 560–620 Kilometer Reichweite.
  • Ziel: Validierung der Bodenprozesse und Vorbereitung der Zertifizierung für den Passagierverkehr.

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Erstflug zwischen Glasgow und Dundee

Die Testphase gilt als operativer Start der Zusammenarbeit zwischen der schottischen Loganair und dem US-Unternehmen BETA Technologies. Der Erstflug wurde dabei mit der ALIA CX300 (CTOL-Variante) von Glasgow nach Dundee durchgeführt. Rund zwei Wochen lang testete man das Elektroflugzeug intensiv auf verschiedenen Routen innerhalb Schottlands, wobei weitere Standorte wie Aberdeen, Inverness, Wick und Kirkwall angeflogen wurden. Ziel ist es, die Zuverlässigkeit des elektrischen Antriebs unter den wechselhaften klimatischen Bedingungen der Region sowie im realen Flugbetrieb zu validieren. Ein wesentlicher Bestandteil der Kooperation war zudem die Einbindung der Royal Mail. Dafür setzte man das Flugzeug auf realen Postrouten ein, um wichtige Erkenntnisse über die Handhabung zeitkritischer Lieferungen und Anbindungen in entlegene Gemeinden zu gewinnen.

Technische Spezifikationen der Alia CX300 CTOL-Variante

Bei der eingesetzten Alia-Plattform handelt es sich um eine Maschine, die Beta Technologies sowohl für den klassischen Start- und Landebetrieb (CTOL) als auch als Senkrechtstarter (VTOL) konzipiert hat. Loganair nutzte für die Tests vor allem die CTOL-Variante, die sich als geeignet für den regionalen Zubringerdienst erwiesen. Somit lag das Hauptaugenmerk während der Testphase auf logistischen Anwendungen; die ALIA CTOL-Variante transportierte primär Post, Fracht und zeitkritische medizinische Güter. Besonders die schnelle Anbindung der schottischen Highlands an die medizinischen Zentren der Städte gilt als kritische Infrastrukturleistung. Folglich möchte man diese Verbindungen nun durch den Elektroantrieb effizienter gestalten.

Merkmal Spezifikation
Spannweite ca. 15–16 Meter
Nutzlast ca. 635 Kilogramm
Reisegeschwindigkeit bis zu 270 km/h
Reichweite maximal 560–620 Kilometer
Energieverbrauch ca. 1,37 kWh / Seemeile
Ladedauer 20 bis 40 Minuten (Schnellladung)

Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven

Für den reibungslosen Betrieb an regionalen Flugplätzen wie auf den Orkney-Inseln kam ein von BETA Technologies entwickeltes Schnellladesystem zum Einsatz. Dieses minimierte die Standzeiten auf den Orkney-Inseln auf 20 bis 40 Minuten und ermöglichte somit eine reibungslose Bodenabfertigung. Ähnliche Infrastrukturtests führte das Unternehmen bereits zuvor in Norwegen durch. Da elektrische Antriebe im Vergleich zu herkömmlichen Turboprop-Maschinen deutlich weniger bewegliche Teile besitzen, erwartet Loganair langfristig sinkende Wartungskosten und niedrigere Energiekosten pro Flugstunde. Laut Ergebnissen der in Neuseeland durchgeführten Testphase wurden durch den Einsatz der ALIA die Energiekosten um rund 80% gesenkt.

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Nach Abschluss der Testreihen unterzeichneten Loganair und BETA Technologies ein Memorandum of Understanding (MoU). Die gesammelten Daten zu Ladezyklen und Systemzuverlässigkeit dienen nun als Grundlage für die schrittweise Zertifizierung der Technologie für den Passagierverkehr.

Quellen / Weiterlesen

Loganair und Beta Technologies starten Testbetrieb mit Elektroflugzeug Alia | Aviation
Loganair Achieves Aviation History with First All-Electric Flight | Loganair
Bildquelle: © Loganair
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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