VDE bremst Guerilla-Photovoltaik aus

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guerilla-photovoltaik-solarmodul-balkonEine Solaranlage für die Steckdose, die jeder zuhause einfach anstecken und damit sofort sauberen Strom erzeugen kann? Solche Systeme gibt es seit mehreren Jahren und etwa 20.000 Haushalte in Deutschland nutzen sie bereits. Wer kein Eigenheim besitzt, kann mit den sogenannten Plug-In-Modulen Strom auf dem heimischen Balkon erzeugen, diesen in den Endstromkreis einspeisen und damit elektrische Geräte in der Wohnung betreiben. Doch der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) hat Sicherheitsbedenken gegen diese Form der „Guerilla-Photovoltaik“ geäußert und nun den Entwurf einer Norm vorgelegt, die die Anlagen deutlich verteuern und so die Energiewende auf dem Balkon erschweren könnte.

VDE sieht erhöhte Brandgefahr durch Überlastung des Stromkreises

Die Plug-In-Anlagen sollen die Energierevolution in die großen Städte tragen, jeder soll daran teilhaben können. Die Anschaffungskosten der Anlagen sind mit 500 bis 1.000 Euro vergleichsweise gering. Der VDE warnt jedoch schon seit mehreren Jahren, dass an einfache Schuko-Steckdosen angeschlossene PV-Module die Brandgefahr erhöhen. Wenn der erzeugte Solarstrom nicht direkt verbraucht, sondern rückgespeist wird, könnte der Stromkreis überlastet werden. Der jetzt vorgelegte Entwurf der Norm für den „Anschluss von Stromerzeugungseinrichtungen für den Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Versorgungsnetz“ (DIN VDE 0100-551-1) formuliert neue Anforderungen für die Module, die die Überlastungsgefahr ausschließen sollen. Als Lösung schlägt der VDE einen separaten Stromkreis vor, in den allein der Solarstrom eingespeist wird und der an den normalen Stromkreis angeschlossen wird. Ein Batteriespeicher darf ebenfalls mit diesem Stromkreis verbunden werden, elektrische Verbraucher jedoch nicht. Die Anlage muss zudem beim Netzbetreiber angemeldet werden.

Bagatellgrenze nach dem Vorbild von Österreich und der Schweiz gefordert

Außerdem ist dann eine spezielle Steckdose nötig, über die die PV-Anlage angeschlossen wird. Die Vorschriften dafür sollen über eine weitere Norm definiert werden. Eine solche Steckdose gibt es vom Hersteller Wieland Electric GmbH bereits. In den Plug-In-Systemen der Firma SIZ wird genau diese Steckdose bereits eingesetzt. Sie stellt sicher, dass die Solaranlage notfalls vom Stromkreis abgekoppelt wird. Kritiker wie der SIZ-Geschäftsführer Wolfgang Müller wollen dennoch, dass der Entwurf nachgebessert wird und fordern eine Bagatellgrenze für kleine Anlagen bis 600 Watt, von denen keine Gefahr ausgehe – sofern ein normkonformer Wechselrichter vorhanden sei, der Spannung und Frequenz überwache, so Müller. Solche Anlagen sollen weiter über SchuKo-Stecker im Endstromkreis eingebunden werden, wie es in anderen Ländern problemlos möglich ist, zum Beispiel in den Niederlanden, in Österreich und der Schweiz. Und aus diesen Ländern sind bisher keine Zwischenfälle bekannt, die durch den Betrieb von Plug-In-Solaranlagen ausgelöst wurden.

Die Norm erhöht die Rechtsunsicherheit für Betreiber

Sofern die Norm nicht angepasst wird, sehen Kritiker eine große Hemmschwelle für Verbraucher, die Vorgaben umzusetzen. Die Kosten dafür können leicht in den dreistelligen Bereich gehen, da ggf. neue Leitungen durch einen Elektriker verlegt werden müssten. Bürger, die diese Kosten umgehen möchten und ihre Anlage „schwarz“ betreiben, befinden sich nicht nur rechtlich in einer Grauzone, sondern auch versicherungstechnisch, da Versicherungsunternehmen oft bestehende Normen zur Grundlage für den Versicherungsschutz erklären. Noch kann jeder versuchen, Einfluss auf den Entwurf zu nehmen. Bis Weihnachten können über die Webseite entwuerfe.normenbibliothek.de Stellungnahmen zum Normentwurf eingereicht werden. Diese sollen im Januar diskutiert werden, bevor die Norm endgültig beschlossen wird.

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Quellen / Weiterlesen:
Guerilla-Photovoltaik: Deshalb lassen Solaranlagen für die Steckdose auf sich warten | Wirtschafts Woche
Enttäuschung über DKE-Entwurf zu Photovoltaik-Balkonmodulen | pv magazine Deutschland
Technische Regeln für Steckdosenmodule sollen 2017 kommen | Photovoltaikforum
Bildquellen: © oekostrom AG – https://1000×1000.at/presse-simon


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7 Comments…

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  1. Ja genau Juri Hertel, „die meisten Zähler verfügen über eine Rücklaufsperre“ und deshalb kann bei keinem Zähler die Zähleruhr rückwärts laufen.

    Überzeugende Logik.

    Ich kann Ihnen versichern, dass der Einbau von Zählern mit Rücklaufsperre NICHT üblich ist. Da möchte ich Sie analog zu Ihrem Rat darum bitten, doch mal den Energieversorger Ihres Vertrauens zu befragen (der „Elektriker um die Ecke“ hat dagegen vom Zähler die Finger zu lassen, inwieweit der sich damit also auskennt, erscheint mir zumindest fraglich).

    Und auch die Bundesnetzagentur hat vermutlich keine Ahnung, wovon sie labert. Stimmt’s?

    http://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/ErneuerbareEnergien/Photovoltaik/Strombezug_von_PV-Anlagen/Strombezug_von_PV-Anlagen.node.html

    Aber schön, dass Sie hier öffentlich kundtun, dass auch Sie Steuern und Abgaben unterschlagen.

    Oder wie rechnen Sie z.B. die zu entrichtende EEG-Umlage für den selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom ab?

    Davon, dass Klimaretter irgend etwas kühlen, habe ich noch nichts bemerkt.

    Nur mal so nebenbei: Sie wissen, dass die Kohle- und Gaskraftwerke im Jahr 1999 gemeinsam 330,9 TWh erzeugten und im Jahr 2015 immerhin 332,6 TWh? Dazwischen haben wir rund 200 Mrd. Euro für die EEG-Vergütung zum Fenster raus geworfen (also jedenfalls Leute wie ich – denn Leute wie Sie sind ja schlauer und drücken sich einfach davor, diesen Blödsinn zu finanzieren).

    Ich wünsche aber dennoch weiterhin viel Spaß beim Retten des Klimas (vor was auch immer).

  2. @ Hentiger:

    Was Sie schreiben ist definitif falsch, sprechen Sie mit einem Elektriker Ihres Vertrauens.

    “ Warum wird in dem Beitrag nicht erwähnt, dass bei einer Stromerzeugung über den Eigenverbrauch hinaus indirekt jede erzeugte kWh mit dem vollen Strompreis des lokalen Energieversorgers „vergütet“ wird, was letztlich den Straftatbestand des Betrugs erfüllt? “

    Eine Verguetung erfolgt nur bei einer vertraglichen Vereinbarung betr. Verguetung. Sonst nicht(siehe BGB).
    Die allermeisten Ferarizaehler haben eine Zaehlerruecklaufsperre eingebaut. Die Zaehleruhr kann also nicht rueckwaerts laufen, eingespeister Strom kann nicht vom verbrauchten Strom subtrahiert werden. Der eingespeiste Strom wird schlichtweg nicht gezaehlt.

    Ich betreibe selbst eine Mini PV-Anlage und weiss also wovon ich spreche.

    Dass „Klimaretter“ dazu beitragen auch Ihren Kopf kuehl zu halten sollten Sie anerkennen und dankbar dafuer sein.
    Zur Eigenbelehrung empfehle ich die Anschaffung solch einer Anlage.
    Bei spart sie im Sommer rd. 50% der monatlichen Verbrauchsrechnung…….

  3. Irrefuehrende Ueberschrift

    Ich darf darauf hinweisen das die Ueberschrift nicht dem Standpunkt des VDEs entspricht.

    Ein Anruf genuegt um den Sachverhalt zu klaeren, auch das Studium der Presseverlautbarungen kann diesen Irrtum aufklaeren.
    Siehe u.a.:

    http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=385186

    Im letzten Satz des Artikels lautet es

    “ „Wir wollen, dass die Mini-PV-Anlagen im Haushalt genauso wie ein Fernseher ohne technische Fachkenntnisse angesteckt werden können und das ohne Einschränkungen beim Thema Sicherheit“, sagt VDE-Normungsexperte Dr. Jens Gayko. “

    http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=385186

  4. Soso JKM, da wird also eine „Rücklaufsperre“ in den Zähler eingebaut. Und wer macht das? Und wie sieht so eine Rücklaufsperre aus? Womöglich eine Diode, die den Strom nur in eine Richtung durch lässt?

    Und was soll dann in der Meldung die Aussage „Wenn der erzeugte Solarstrom nicht direkt verbraucht, sondern rückgespeist wird“ bedeuten?

    Was soll die Bemerkung, dass Sie nicht aus der Branche sind? Wollen Sie damit andeuten, dass Sie von dem Thema keine Ahnung haben? Aber eine gefestigte Meinung haben Sie natürlich dennoch.

    Und nebenbei haben Sie auch noch als erster den wissenschaftlichen Nachweis erbracht, was tatsächlich für eine Änderung des Klimas verantwortlich ist und wie der Mensch darauf Einfluss nehmen kann – oder kennen zumindest jemanden, der dies endlich vollbracht hat? Denn mir ist trotz intensiver Suche kein solcher Nachweis bekannt. Selbst im aktuellen IPCC.Report wird er mit keinem Wort erwähnt.

    Und weil ich grad offenbar an einen Experten für Klimawandlungen geraten bin: Wie hat man eigentlich im Jahr 1850 oder 1900 oder 1950 die globale mittlere oberflächennahe Lufttemperatur gemessen? Also woher weiß man auf hundertstel Grad genau, um wie viel sich diese seit 1850 verändert hat?

    Früher hat man Tiere geopfert, um die Wettergötter gnädig zu stimmen, später hat man Heiligenfiguren aufgestellt und heute stellt man stattdessen Krähenspiegel auf den Balkon…

  5. Herr Hentinger, wo soll da bitte der Betrug sein? Jemand investiert in saubere Energierzeugung und eine Rücklaufsperre im Zähler ist auch drin. Ich bin nicht aus der Branche aber bin offen genug zu erkennen, dass das die effizienteste Art ist einen Grundbedarf regenerativ und eben nicht schmutzig zu erzeugen und selbst zu verbrauchen. Wenn wir es mit der Bekämpfung des Klimawandels es ernst meinen, dann müssen wir sowas einsetzen und die jenigen die immernoch den schmutzigen Strom produzieren oder wie Sie auch verbrauchen wollen, sollen dafür bezahlen, dass diese unser Klima weiter zerstören!

  6. „Warum wird in dem Beitrag nicht erwähnt, dass bei einer Stromerzeugung über den Eigenverbrauch hinaus indirekt jede erzeugte kWh mit dem vollen Strompreis des lokalen Energieversorgers „vergütet“ wird, was letztlich den Straftatbestand des Betrugs erfüllt?“ Weil das nicht der Wahrheit entspricht.

  7. Warum wird in dem Beitrag nicht erwähnt, dass bei einer Stromerzeugung über den Eigenverbrauch hinaus indirekt jede erzeugte kWh mit dem vollen Strompreis des lokalen Energieversorgers „vergütet“ wird, was letztlich den Straftatbestand des Betrugs erfüllt?

    Und warum klemmen diese Möchtegern-Klimaretter ihre Anlage überhaupt an das öffentliche Stromnetz an und machen so aus ihrem tollen Ökostrom mutwillig schäbigen Graustrom? Hier bei energyload.de finden sich doch jede Menge Hinweise auf ach so tolle Speicherlösungen, mit denen diese Strom-Guerillas sich problemlos vollkommen autark versorgen könnten. Das kann man ja durchaus an die vorhandene Stromverteilung der Wohnung anschließen – man muss dann nur die Sicherungen abschalten (oder heraus drehen). Dann fände logischerweise auch nicht mehr der eingangs erwähnte Betrug statt.

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