Energie-Soli auch beim Eigenverbrauch von selbst produzierten Strom?

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Energie-Soli-Eigenverbrauch-SolarstromSeitdem sich die Regierung von ihrer Subventionspolitik bei der Energiewende verabschiedet hat, steht zunehmend der Eigenverbrauch auf der Agenda Strom produzierender Anlagenbesitzer. Vor allem die Strom-Selbstversorger aus der Industrie sollen sich nach den Vorstellungen der Entscheidungsträger mehr an den Kosten der Energiewende beteiligen. Der Eigenverbrauch von Betreibern kleiner Solaranlagen mit einer Leistung von maximal 10 kW fällt allerdings unter die Bagatellgrenze und wird nicht belastet. Kritik kommt aus der Industrie, da durch die Belastung von Industrie-Anlagen zur Herstellung von selbst produzierten Strom angeblich die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sei. Die Industrie war jedoch jahrelang von der Ökostromumlage befreit und hierdurch umfassend profitiert.

Eigenverbrauch als neue Grundlage der Energiewende

Zu Beginn des Solarzeitalters wurden Investitionen in die Photovoltaik von hohen Subventionen begleitet, die Regierung wollte dadurch die schnelle Verbreitung der umweltfreundlichen Technik erreichen. An Eigenverbrauch dachten aufgrund der hohen Einspeisevergütungen nur sehr wenige Verbraucher. Was die Verantwortlichen dabei nicht berücksichtigten, war der große Zuspruch in der Bevölkerung und die dadurch schnell steigenden Kosten der Energiewende.

Die durch die Einspeisevergütungen entstehen Kosten wurden durch das EEG auf alle Stromverbraucher umgelegt und sind u.a. ein Grund, weshalb die Strompreise dramatisch ansteigen. Gleichzeitig entstand durch die Zunahme an PV-Anlagen ein Überangebot an Strom zu bestimmten Zeiten, an den Börsen sanken die Strompreise unter die Kostendeckungsgrenze. Die Regierung reagierte darauf mit der schrittweisen Senkung der Einspeisevergütungen und eröffnete damit dem Eigenverbrauch neue Möglichkeiten. Doch die Altverträge können nicht einfach annulliert werden, die Belastungen durch die EEG-Umlage bestanden weiter und erreichten 2013 historische Spitzenwerte von mehr als sechs Cent pro kWh. Die Anlagenbetreiber, welche für ihren Eigenverbrauch Strom produzieren, wollten sich nicht an den Umlagen beteiligen und zogen sich damit den Unwillen der neuen Regierungskoalition zu. Gerade große Unternehmen aus der Industrie ließen sich mit Verweisen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit von der Ökostromumlage befreien. In der jüngsten Vergangenheit wollten sich die Betriebe durch große PV-Systeme auf ihren Fabrikhallen unabhängig machen und ihre Stromkosten reduzieren. Doch auf der Klausurtagung der neuen Regierung in Meseberg entschieden die Verantwortlichen, dass die Industrie sich nicht einfach den Kosten der Energiewende entziehen kann. Sie soll durch den neu eingeführten Energie-Soli stärker an den Ökostromkosten beteiligt werden.

Diese Kosten entstehen der Industrie beim Eigenverbrauch von selbstproduziertem Strom:

  1. Industrielle Betreiber von Stromproduktionsanlagen für den Eigenverbrauch, welche bis 2013 ans Netz gegangen sind, müssen künftig knapp einen Cent pro kWh Umlage entrichten.
  2. Neu ans Netz gegangene Anlagen für den Eigenverbrauch werden mit 90 Prozent der aktuellen Ökostromumlage belastet. 2014 beträgt die Umlage 6,24 Cent/kWh, 90 Prozent entsprechen 5,6 Cent/kWh.

Wissenswert dazu ist, dass 2014 rund acht Prozent der Industrie-Stromproduktion aufgrund von Eigenverbrauch von der Ökostromumlage befreit werden, das entspricht circa 50 Terawattstunden. Wenn diese Summe zukünftig mit dem Energie-Soli von einem Cent/kWh belastet werden soll, wird die Energiewende durch zusätzliche 500 Millionen Euro unterstützt. Der Eigenverbrauch von Betreibern kleinerer Solaranlagen fällt unter die Bagatellgrenze. Mit dem Energie-Soli will die Regierung für mehr Gerechtigkeit bei der Kostenaufteilung sorgen. Kleinanlagen mit Leistungen von maximal zehn Kilowatt sind daher von der Novellierung ausgeschlossen. Privathaushalte, welche Strom für den Eigenverbrauch produzieren, tragen durch diesen Eigenverbrauch zur Energiewende bei, denn sie minimieren dadurch die enormen Kosten für den Netzausbau. Durch ihren Eigenverbrauch machen sie sich darüber hinaus unabhängig von zukünftigen Strompreisentwicklungen. Die Wirtschaftlichkeit ihrer PV-Systeme verbessert sich parallel zu den steigenden Stromkosten.

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Kritik am Energie-Soli für den Eigenverbrauch bei Industrie-Anlagen kommt hauptsächlich von den Betroffenen. Die Industrie-Verbände warnen vor zusätzlichen Belastungen und eingeschränkter Wettbewerbsfähigkeit. Doch hat gerade die Industrie sich durch Befreiungen von der Ökostromumlage jahrelang vor ihrer Verantwortung gedrückt. Geringere Stromkosten und zeitgemäße Versorgungssicherheit lassen sich nach Ansicht der Regierung nicht durch die Berücksichtigung von Einzelinteressen erreichen. Auch bei der Energiewende sollte das Gemeinwohl im Mittelpunkt der Interessen stehen.

Bildquelle: © Martin Berk / pixelio – www.pixelio.de

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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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