Suzuki übernimmt Festkörperakku-Sparte von Kanadevia

Zugriff auf weltraumerprobte Patente beschleunigt Suzukis Entwicklung kompakter Feststoffbatterien für E-Zweiräder und Elektroautos.

0
58
suzuki-festkoerperakku-kanadevia

Die Suzuki Motor Corporation übernimmt zum 1. Juli 2026 das Geschäftsfeld für Festkörper-Lithium-Ionen-Batterien der Kanadevia Corporation, um ihre Wettbewerbsposition zu stärken. Damit erwirbt der Automobilhersteller eine Technologie, die bei Kanadevia (ehemals Hitachi Zosen) bereits seit 2006 entwickelt wird und sich unter extremen Bedingungen in der Raumfahrt bewährt hat. Während Konkurrenten wie Toyota oder Nissan bereits eigene Entwicklungsprogramme vorantreiben, sichert sich Suzuki mit diesem Zukauf jahrzehntelange Expertise. Für Suzuki bietet die Feststoff-Technologie aufgrund ihrer hohen Energiedichte und Sicherheit vor allem bei kompakten Elektrofahrzeugen und Motorrädern entscheidende Vorteile bei Gewicht und Bauraum.

Details zu Suzukis Übernahme der Kanadevia-Technologie

  • Partner: Übernahme der Kanadevia-Sparte durch die Suzuki Motor Corporation.
  • Zeitplan: Wirksamkeit der Geschäftsübertragung zum 1. Juli 2026.
  • Kerntechnik: Festkörper-Lithium-Ionen-Batterien (Marke AS-LiB).
  • Verfahren: Eigenentwickeltes Trockenherstellungsverfahren ohne flüssige Elektrolyte.
  • Vorteile: Hohe Sicherheit, extreme Temperaturbeständigkeit und Vakuumtauglichkeit.
  • Einsatz: Fokus auf Leichtfahrzeuge (Kei-Cars), Motorräder sowie Luft- und Raumfahrt.
  • Referenz: Erfolgreiche Zertifizierung und Einsatz auf der Internationalen Raumstation (ISS).

Expertise seit 2006: Von der ISS auf die Straße

Kanadevia – das bis Oktober 2024 als Hitachi Zosen firmierte Unternehmen – gehört zu den Pionieren der Festkörperakku-Technologie. Bereits zu einer Zeit, als die Elektromobilität medial kaum eine Rolle spielte, investierte das Unternehmen in die Forschung. Unter dem Markennamen AS-LiB entstanden Batterien, die heute bereits in industriellen Hochtemperaturumgebungen, wie der Halbleiterproduktion, eingesetzt werden.

Anzeige

Besondere Aufmerksamkeit erregte dabei die Zusammenarbeit mit der japanischen Weltraumagentur JAXA. Im Jahr 2022 wurde ein Feststoffakku des Unternehmens an der Außenseite der Internationalen Raumstation (ISS) installiert. Dort bewies die Zelle ihre Funktionsfähigkeit bereits unter extremen Bedingungen wie Vakuum, harter Strahlung und enormen Temperaturschwankungen. Inzwischen verfügt die Technologie über ein offizielles Zertifikat für Weltraumtauglichkeit.

Technische Vorteile durch Trockenherstellungsverfahren

Tatsächlich liegt die Besonderheit der Kanadevia-Akkus in einem eigenentwickelten Trockenherstellungsverfahren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien wird der flüssige, oft brennbare Elektrolyt durch ein festes, ionenleitendes Material ersetzt. Dies führt zu einer deutlich höheren Sicherheit, da keine Flüssigkeit austreten kann, wodurch die Brandgefahr reduziert wird. Zudem zeichnen sich die Zellen durch eine hohe Umweltbeständigkeit aus und arbeiten zuverlässig über einen weiten Temperaturbereich hinweg. Ferner machte es die kompakte Bauweise dem Unternehmen bereits im Jahr 2021 möglich, eine Zelle mit 1.000 mAh zu präsentieren, die zu diesem Zeitpunkt als eine der leistungsfähigsten ihrer Art galt.

Suzukis Aufholjagd im Bereich der Elektro-Kleinfahrzeuge

Mit der Übernahme der Kanadevia-Technologie schließt Suzuki zu globalen Konzernen wie Volkswagen, Mercedes oder Stellantis auf, die über Partnerschaften mit Firmen wie QuantumScape oder Factorial Energy ebenfalls auf Feststofflösungen setzen. Aufgrund der höheren Energiedichte der Feststofftechnologie ist diese für Suzuki strategisch besonders wertvoll. Sie erlaubt es, entweder die Reichweite bei gleichbleibendem Batteriegewicht zu steigern oder das Gewicht sowie den benötigten Bauraum signifikant zu reduzieren. Letzteres ist für Suzukis Kernmarkt der E-Motorräder und kompakten Elektrofahrzeugen (Kei-Cars) entscheidend. Darüber hinaus verspricht die Technik deutlich verkürzte Ladezeiten im Vergleich zu herkömmlichen Systemen.

Marktdruck führt zur Geschäftsübertragung

Der Verkauf der Sparte an Suzuki ist auch eine Reaktion auf den sich verschärfenden globalen Wettbewerb. Kanadevia betonte, dass für eine rasche Leistungssteigerung der AS-LiB-Technologie sowie den Aufbau großer Produktionskapazitäten und eines Vertriebsnetzes massive Ressourcen nötig sind. Nach der Prüfung verschiedener Partnerschaften fiel die Entscheidung, das gesamte Geschäftsfeld an Suzuki zu übertragen, um die Weiterentwicklung der Technologie sicherzustellen.

Obwohl Suzuki durch diesen Kauf wertvolle Patente und Forschungs-Know-how erwirbt, steht ein konkreter Termin für den Einsatz der ersten Festkörperbatterien in Serienfahrzeugen noch aus. Der Vollzug der Übernahme im Sommer 2026 unterliegt zudem den üblichen Abschlussbedingungen.

Quellen / Weiterlesen

Suzuki kauft Festkörperbatterie-Rechte für zukünftige Elektrofahrzeuge | Tarantas
Notice regarding Acquisition of All-solid-state Lithium-ion Battery Business from Kanadevia Corporation | Suzuki
Suzuki kauft Festkörperbatterie-Sparte von Kanadevia | Electrive
Bildquelle: © Kanadevia

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein