Das taiwanesische Batterieunternehmen ProLogium begann in Dünkirchen (Dunkerque) in Frankreich den Bau seiner ersten europäischen Gigafactory. Das Projekt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 5,2 Milliarden Euro soll auf einer Fläche von 180 Hektar entstehen und rund 3.000 Arbeitsplätze in der Region schaffen. Ab 2028 möchte ProLogium an diesem Standort die ersten Feststoffbatterien der vierten Generation (Gen4) in Serie produzieren. Das Projekt zielt darauf ab, die europäische Wertschöpfungskette für Batterietechnologie zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Ausschlaggebend für die Standortwahl in Dünkirchen waren die Logistik in Hafennähe und die Energieversorgung durch das nahegelegene Kernkraftwerk Gravelines. Somit erhält die Fabrik vom AKW CO2-arme Energie, was was den ökologischen Fußabdruck der Produktion minimiert.
Eckdaten: ProLogium-Gigafactory Frankreich
- Standort: Battery Valley, Dünkirchen (Frankreich); 180 ha Fläche; Nähe Hafen und AKW Gravelines.
- Investition: 5,2 Mrd. € und ca. 3.000 direkten Arbeitsplätze in der Region.
- Technologie: Serienfertigung von all-anorganischen Feststoffbatterien der 4. Generation (Gen4).
- Erfahrungswert: Über 600.000 bereits ausgelieferte Zellen aus dem Werk in Taiwan.
- Leistungsdaten: 860 Wh/L Energiedichte; Schnellladung (5–80% SoC) in 6 Minuten.
- Nachhaltigkeit: CO₂-arme Produktion (AKW-Nähe); Design-for-Disassembly (Reparatur/Recycling).
- Zeitplan: Baustart Feb 2026; Produktion 2028 (0,8 GWh); Ziel 12 GWh bis 2032 (max. 48 GWh).
Skalierung der Feststofftechnologie ‒ von Taiwan nach Europa
Durch den Bau der Gigafabrik in Frankreich startet ProLogium nun die industrielle Serienfertigung seiner Gen4-Technologie (Details am Artikelende). Während diese bisher primär auf einer Pilotlinie in kleinen Stückzahlen produziert wurde, ermöglicht der neue Standort den Schritt in den Massenmarkt. Hierfür nutzt das Unternehmen die Erfahrungen aus seinem Werk in Taoyuan (Taiwan), das bereits seit Inbetriebnahme im Jahr 2024 über 600.000 Zellen ausgeliefert hat. Ziel ist es, das Konzept der „Superfluidized All-Inorganic Solid-State Lithium Ceramic Battery“ massentauglich zu machen. Ebenso betonte auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Bedeutung des Projekts:
„ProLogium hat sich für Dünkirchen entschieden, um seine erste Gigafactory in Europa zu errichten. Dies ist ein Stolz für Frankreich, schafft Arbeitsplätze und unterstützt die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft. Es ist eine Frage der französischen und europäischen Souveränität.“
ProLogium: Roadmap bis 2032
| Jahr | Ziele |
|---|---|
| 2023 – 2025 | Staatliche Förderung gesichert, Umweltprüfung abgeschlossen und Baugenehmigung erteilt. |
| 2026 | Offizieller Baubeginn der Gigafactory in Dünkirchen (Frankreich). |
| 2028 | Abschluss der ersten Phase (Fab 1); Start der Serienfertigung mit Kapazität von 0,8 GWh. |
| 2030 | Erweiterung der Kapazität auf 4 GWh. |
| 2032 | Erreichen der vollen Ausbaustufe von 12 GWh Gesamtkapazität. |
| Langfristig | Das Gelände bietet Potenzial für eine Skalierung auf bis zu 48 GWh. |
Standortvorteile und europäische Wertschöpfungskette
Die strategische Standortwahl steht im Zusammenhang mit der angestrebten europäischen Batteriesouveränität. Mit dem neuen Werk in Dünkirchen baut ProLogium seine Lieferketten direkt in Europa auf, um die Abhängigkeit von asiatischen Importen zu verringern. Dabei ist auch die unmittelbare Nähe zum Kernkraftwerk Gravelines ein Vorteil, da dieses eine stabile CO2-arme Stromversorgung gewährleisten kann. Da die Batterieproduktion sehr energieintensiv ist, verbessert dies erheblich die CO2-Bilanz der Gen4-Zellen und sorgt für einen ökologischen Vorteil über den gesamten Lebenszyklus hinweg.
Zusätzlich profitiert das Projekt von der exzellenten logistischen Anbindung des Westports. Die multimodale Infrastruktur (Hafen von Dünkirchen, Schienenverbindungen, Wasserstraßen) ermöglicht hocheffiziente Warenströme und minimiert den logistischen CO2-Fußabdruck. Die Ansiedlung als zweite Gigafactory in der Region stärkt das nordfranzösische „Battery Valley“ und ermöglicht die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der Batterie-Wertschöpfungskette.
Die Rolle für Mercedes-Benz und Luxus-OEMs
Dünkirchen ist insbesondere für Mercedes-Benz von strategischer Bedeutung, denn der Automobilbauer ist seit 2022 an ProLogium beteiligt und plant, die Feststoff-Technologie in kommenden Luxusmodellen einzusetzen. Die geografische Nähe des Werks zu den europäischen Werken von Mercedes und dem Joint Venture ACC ‒ an dem Mercedes neben Stellantis Anteile hält ‒ verkürzt die Lieferwege für die High-End-Zellen enorm.
Neben Mercedes positioniert sich ProLogium durch die Gen4-Leistungsdaten (schnelles Laden, geringes Gewicht) vor allem als Zulieferer für Performance-Marken wie Rimac. Während Massenhersteller wie Gotion High-Tech auf günstige LFP-Chemie setzen, zielt ProLogium mit der Fertigung in Frankreich klar auf das Premium-Segment ab, in dem Energiedichte und Gewichtseinsparung entscheidende Wettbewerbsvorteile sind. Zudem entsteht neben der Gigafactory von ACC eine weitere von Envision AESC (Renault), was den Austausch mit Zulieferern und Recyclern vor Ort erleichtert.
Bessere Kreislaufwirtschaft durch Design-for-Disassembly
Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die Nachhaltigkeit über den reinen Betrieb hinaus. In Kooperation mit dem Forschungsinstitut CEA entwickelte ProLogium eine Modularchitektur nach dem „Design-for-Disassembly“-Prinzip. Im Gegensatz zu herkömmlichen, oft vergossenen oder verschweißten Batteriepacks erlaubt dieses modulare Design den zerstörungsfreien Ausbau und Austausch einzelner Zellen, was die Reparaturfähigkeit deutlich verbessert. Zudem erleichtert die Architektur die Trennung der Komponenten am Ende des Lebenszyklus erheblich, was die Rückgewinnungsquoten wertvoller Rohstoffe steigert und gleichzeitig die Kosten für das Recycling senkt.
Gen4-Technologie: Superfluidized All-Inorganic im Detail
Bei der vierten Generation (Gen4) ersetzt ProLogium alle organischen Komponenten durch eine rein anorganische Struktur mit keramischem Separator. Kernstück ist dabei die „Superfluidized“-Technik; ein anorganischer Feststoffelektrolyt benetzt das Aktivmaterial lückenlos und kombiniert dadurch die hohe Ionenleitfähigkeit flüssiger Systeme mit der thermischen Stabilität von Feststoffen. Da die Zellen keinen hohen externen Pressdruck benötigen, kann man das Gehäuse deutlich leichter bauen. Das senkt schließlich das Systemgewicht und erhöht die Energiedichte auf Pack-Ebene. Technisch ermöglicht dieser Aufbau z.B. sehr kurze Ladezeiten (80% SoC in unter 6 Minuten), hohe Sicherheit durch brandfeste Keramik und eine stabile Performance bei Kälte. Kurzum stützt sich die Gen4-Technologie auf drei zentrale Elemente:
1. Anorganischer Elektrolyt mit Active Safety Mechanism (ASM)
ProLogium nutzt einen zu 100% keramischen Separator und einen superfluidisierten, anorganischen Feststoffelektrolyten. Während Wettbewerber wie Factorial Energy bei ihrer „Solstice“-Technologie noch auf semi-solide Ansätze mit Polymer-Anteilen setzen, verfolgt ProLogium einen rein anorganischen Weg. Der Werkstoff ist mechanisch stabil, bis über 300°C hitzebeständig und inhärent unbrennbar. Zudem wandelt ein „Active Safety Mechanism“ (ASM) aktive Materialien bei kritischer Hitze oder Hochspannung proaktiv in eine stabile Kristallstruktur um. Dies unterbricht die thermische Kettenreaktion sofort und eliminiert das Risiko eines Thermal Runaway (thermisches Durchgehen).
2. Superfluidized-Eigenschaften
Ein Alleinstellungsmerkmal der Gen4 ist der Verzicht auf einen hohen mechanischen Pressdruck im Batteriepack. Viele Feststoffkonzepte, z.B. von QuantumScape, benötigen diesen Druck, um den Kontakt zwischen den festen Schichten aufrechtzuerhalten. Die „Superfluidized“-Eigenschaften ermöglichen stattdessen eine sehr hohe Ionenleitfähigkeit von 57 mS/cm (SGS-validiert) – etwa das Fünffache herkömmlicher Flüssig-Elektrolyte. Da schwere Druckgehäuse entfallen und der Kühlbedarf sinkt, reduziert sich das Fahrzeuggewicht um bis zu 300 kg.
3. Reine Silizium-Anode für eine hohe Energiedichte
Während Hersteller wie Gotion High-Tech oder Integrals Power Silizium meist nur als Beimischung zu Graphit nutzen, setzt ProLogium auf eine reine Silizium-Anode. Die Stabilität des Feststoff-Gerüsts kontrolliert dabei die Volumenexpansion des Siliziums. Das Ergebnis ist eine volumetrische Energiedichte von 860 Wh/L (gravimetrisch ca. 356 Wh/kg). Folglich übertrifft die Technik aktuelle NCM-Flüssigbatterien, die oft unter 700 Wh/L liegen, deutlich.
ProLogium Gen4 Performance-Daten im Überblick
| Parameter | Spezifikation (Gen4) |
|---|---|
| Energiedichte (volumetrisch) | 860 Wh/L |
| Ladedauer (5–80% SoC) | 6 Minuten (5–60% in 4 Min.) |
| Ionenleitfähigkeit | 57 mS/cm (Raumtemperatur) |
| Kälteverhalten (-20°C) | 90–95% Entladeeffizienz |
| Sicherheit | ASM-geschützt, kein Thermal Runaway (ARC-Test) |
Quellen / Weiterlesen
Performance-Daten der ProLogium Gen4 | ProLogium
ProLogium Marks 20th Anniversary at CES 2026, Unveils Breakthrough Superfluidized all Inorganic Solid-State Battery Results | ProLogium
Technische Präsentationen IAA Speech PDF | ProLogium
The World’s First “Superfluidized Inorganic Solid-State Electrolyte” Paves the Way for Full-Scale Commercialization of Next-Generation Solid-State Lithium Batteries | ProLogium
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