Der chinesische Batteriehersteller EVE Energy nahm am Fertigungsstandort Chengdu (China) die Produktion seiner neuen Festkörperbatterien der Longquan-Serie auf. Während die Variante „Longquan No. 3“ auf kompakte Unterhaltungselektronik abzielt, wurde die „Longquan No. 4“ speziell für den Einsatz in Elektrofahrzeugen entwickelt. Mit einer Kapazität von 60 Ah und einem moderaten Betriebsdruck von höchstens 5 MPa adressiert EVE Energy eine der größten Hürden bei der Integration von Feststoffzellen in Fahrzeug-Batteriepacks. Trotz des Starts der Kleinserie bleibt die Technologie vorerst auf geringe Stückzahlen begrenzt. Jedoch zeigt dies deutliche Fortschritte auf dem Weg zur industriellen Anwendung.
EVE Energy Longquan No. 4 Feststoffakku
- Modell: EVE Energy Longquan No. 4 (EV-Zelle) mit einer Kapazität von 60 Ah pro Zelle.
- Betriebsdruck: Stabil unter ≤ 5 MPa (Megapascal).
- Technologie: Sulfid- und Halogenid-Festelektrolyte.
- Anwendung: Leistungsbatterien für Elektrofahrzeuge.
- Status: Kleinserie am Standort Chengdu (China).
- Produktion: Ca. 100 MWh pro Jahr; entspricht etwa 500.000 Zellen für 1.000 bis 2.000 Fahrzeuge.
- Ausbauziel: Geplante Skalierung auf 100 GWh bis Ende 2026.
- Marktposition (EVE): Platz 8 weltweit (2,6% Marktanteil im Jahr 2025).
Betriebsdruck unter ≤ 5 MPa: Integration ohne Zusatzgewicht
Der entscheidende technische Aspekt der Longquan No. 4 ist die Stabilität bei einem Druck von maximal 5 MPa. Feststoffbatterien benötigen mechanische Spannung, um den Kontakt zwischen den festen Materialschichten im Inneren aufrechtzuerhalten. Ein zu hoher Druckbedarf erfordert schwere, aufwendige Spannsysteme im Batteriegehäuse, was das Systemgewicht erhöht und die Energiedichte auf Pack-Ebene reduziert. Mit einem Wert von ≤ 5 MPa bewegt sich die Zelle in einem Bereich, der mit herkömmlichen mechanischen Spannsystemen in Batteriepaketen beherrschbar bleibt.
Für BMW ist dies besonders relevant, da die „Neue Klasse“ auf ein Cell-to-Pack-Design setzt, bei dem die Rundzellen direkt in den Rahmen integriert werden. Ein moderater Druckbedarf ermöglicht schlankere Gehäusestrukturen und unterstützt somit den Leichtbau des Gesamtfahrzeugs. Da EVE Energy offizieller Zellpartner für die Rundzellen von BMW ist, passt eine Festkörperzelle mit moderatem Druckbedarf ideal zu diesen schlanken Pack-Konzepten ohne klassische Modul-Ebenen. BMW arbeitet laut eigenen Angaben an Hochvolt-Batterien mit Festkörpertechnik für die Serie bis zum Ende des Jahrzehnts.
Longquan-Serie: Von der Kleinserie zur industriellen Skalierung
Obwohl die Produktion in Chengdu gestartet ist, befindet sich die Technologie noch im Übergang vom Labor zur Industrieanwendung. Aktuell verfügt die Fertigungslinie über eine Kapazität von etwa 100 MWh pro Jahr. Diese Menge reicht rechnerisch für etwa 1.000 Fahrzeuge mit 100-kWh-Batterien. Bis Ende 2026 plant EVE Energy eine Skalierung auf 100 GWh am Standort Chengdu zu erreichen. Dieser enorme Sprung bei der Kapazität ist notwendig, um die Stückkosten zu senken und die Feststofftechnik für den Massenmarkt attraktiv zu machen. Jedoch fehlen bisher noch wesentliche Leistungsdaten (z.B. Energiedichte in Wh/kg, Ladezyklen unter Realbedingungen), um das Potenzial der Longquan No. 4 im Vergleich zu aktuellen Lithium-Ionen-Akkus abschließend zu bewerten. Für die Serienfertigung strebt EVE Energy Werte von 400 Wh/kg und 1.000 Wh/L an.
Roadmap der Longquan No. 4
| Modell | Zielmarkt | Kapazität | Betriebsdruck | Energiedichte/Leistung |
|---|---|---|---|---|
| Longquan No. 2 (2025) | Robotik, Drohnen, KI-Hardware | 10 Ah | k.A. | 300 Wh/kg bzw. 700 Wh/L |
| Longquan No. 3 (2026) | Smartphones, Laptops | k.A. | < 2 MPa | Ziel: 350–380 Wh/kg |
| Longquan No. 4 (2026) | E-Fahrzeuge (EV) | 60 Ah | ≤ 5 MPa | Ziel: 400–450 Wh/kg; ~3.000 Zyklen |
EVE Energy als globaler Akteur
Dass EVE Energy diese Technologie in die Kleinserie bringt, ist aufgrund der Marktstellung des Unternehmens bedeutend. Laut Daten von SNE Research belegte EVE im Jahr 2025 mit einem Marktanteil von 2,6% den achten Platz unter den weltweit größten Herstellern von E-Auto-Batterien. Die Grafik zeigt zudem, dass der Gesamtmarkt deutlich wächst, was den Druck zur Kommerzialisierung neuer Technologien erhöht. Marktführer sind nach wie vor CATL (39,2%), BYD (16,4%) sowie LG Energy Solution, gefolgt von CALB (5,3%) und Gotion (4,5%). Jedoch ist EVE Energy fest in der Top-Riege der globalen Zulieferer etabliert. Durch die bestehende Partnerschaft mit BMW für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen ist EVE strategisch so positioniert, dass neue Zelltechnologien bei technischer Reife direkt in europäische Lieferketten einfließen können.

Skalierbarkeit als Marktvoraussetzung
Der Gesamtmarkt für EV-Batterien wuchs 2025 um ca. 31,7% im Vergleich zum Vorjahr, was die Notwendigkeit für skalierbare Neuentwicklungen unterstreicht. Bei jährlichen Zuwachsraten im Terawattstunden-Bereich müssen neue Zelltechnologien wie die Longquan-Serie somit zwingend großserienkompatibel sein. Ein moderater Betriebsdruck von ≤ 5 MPa ist dabei die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Skalierung. Nur wenn der mechanische Aufwand für die Gehäuse gering bleibt, lassen sich Feststoff-Akkus ohne hohe Mehrkosten in automatisierte Gigafactories integrieren und in hohen Stückzahlen fertigen.
Dennoch bleibt die Longquan No. 4 aktuell noch ein Übergangsprodukt. Mit der aktuellen Kapazität von 100 MWh ließen sich lediglich etwa 1.000 (bei 100 kWh Akku) bis 2.000 (bei 50 kWh Akku) Elektroautos bestücken. Zudem fehlen bisher noch verifizierte Angaben zur Ladeleistung und zur Zyklenfestigkeit, um die Zelle abschließend mit aktuellen Flüssig-Elektrolyt-Akkus zu vergleichen.
Quellen / Weiterlesen
Eve Energy bringt zwei neue Feststoffbatterien heraus | Electrive
Eve Energy rolls out 2 new all-solid-state batteries in push for commercialization | CnEVPost
2025 Battery Usage Market Share by Supplier | SNE Research
Bildquelle: KI-generiert


