Im Januar 2026 stellte das finnischen Cleantech-Startup Donut Lab auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas (CES) eine Feststoffbatterie mit beeindruckenden Leistungsversprechen vor. Jedoch stieß die Ankündigung von 400 Wh/kg Energiedichte, 5-Minuten-Ladezeit und 100.000 Ladezyklen in der Fachwelt zunächst auf Skepsis. Neue Recherchen und Einschätzungen von Experten wie Dr. Joachim Sann deuten jedoch darauf hin, dass hinter dem Projekt eine fundierte europäische Technologie-Kooperation stehen könnte. Unter anderem könnte auch die CT-Coating AG aus Königswinter und CLM Nano Energy aus den Niederlanden beteiligt sein.
Im Fokus stehen dabei die wirtschaftliche Produktion mittels Siebdruckverfahrens sowie eine effiziente Bipolar-Architektur. Insbesondere die Verknüpfung zu spezialisierten deutschen Mittelständlern und das große Interesse der Automobilindustrie verleihen der Ankündigung eine neue Ebene an Glaubwürdigkeit, die weit über herkömmliche Startup-Versprechen hinausgeht.
Das Wichtigste zum Donut-Lab-Feststoffakku
- Kooperation: Eventuell mit Donut Lab (FI), CT-Coating AG (DE) und CLM Nano Energy (NL).
- Technik: Bipolare Architektur und Fertigung im Siebdruckverfahren.
- Leistungsversprechen: Feststoffakku mit 400 Wh/kg und 5-Minuten-Schnellladung.
- Innovation: Nanopasten und Titandioxid ersetzen lösungsmittelbasierte Beschichtungen.
- Produktion: Kostengünstige Skalierung ohne energieintensive Trocknungsöfen.
- Roadmap: Erste Auslieferung im Verge-Motorrad für 2026 geplant.
- Kontext: Europäisches Gegengewicht zur asiatischen Marktdominanz.
Bipolar-Design und Siebdruck als Skalierungshebel
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus liegt laut Branchenexperten wie Dr. Joachim Sann weniger in einer Wunder-Chemie, sondern in der Architektur und Fertigung. Demnach basiere die Technologie auf einem Bipolar-Design. Hierbei werden auf einen Stromableiter auf der einen Seite eine Kathode und auf der anderen Seite eine Anode aufgebracht. Laut Sann könne der Stromableiter ultradünn ausgeführt werden – möglicherweise sogar im „Nanometerbereich“. Sann erläutert, dass Strom normalerweise entlang einer dünnen Schicht fließe, aber im Bipolar-Design fließe er durch die Schicht hindurch.
Parallel dazu rückt das Siebdruck-Verfahren in den Fokus. Während die klassische Batterieproduktion energieintensive Trocknungsöfen und toxische Lösungsmittel benötigen, ermöglicht der Siebdruck eine einfachere und günstigere Fertigung. Weiter hieß es, dass das Verfahren skalierbar sei. Es sei fast wie das Drucken von Zeitungen, selbst wenn es technologisch anspruchsvoller ist. Sollte die Technologie letztendlich funktionieren, könnte sie deutlich schneller in die Großproduktion gehen als konventionelle Ansätze.
Hinweise auf Akteure in Deutschland und den Niederlanden
Mehrere Indizien führen zu weiteren Beteiligten in Nordeuropa. Im Oktober 2025 investierte Donut Lab in das finnische Unternehmen Nordic Nano, das sich auf amorphe Titandioxid-Nanostrukturen fokussiert. Darüber hinaus gibt es Anzeichen für Akteure in den Niederlanden und in Deutschland. Sann deutet im Podcast an, dass sich hinter der Technologie möglicherweise ein deutsches Unternehmen mit Expertise in Siebdrucktechnologie befinden könnte. Der Name ist nicht bekannt, doch die CT-Coating AG aus Königswinter spezialisiert sich auf funktionale Beschichtungen und verfügt über eigene Anlagen.
Bereits 2024 präsentierte das Unternehmen im Landkreis Neuwied (RLP) ein energieautarkes Industriegebäude, bei dem die Energieversorgung über speziell beschichtete Solar- und Speichermodule realisiert wurde. Aussagen der Geschäftsführung, wonach die eigentliche Innovation in den entwickelten Pasten und den Druckmaschinen liege, passen exakt zum technischen Profil der Donut-Lab-Batterie. Zudem kündigte ein niederländisches Unternehmen namens CLM Nano Energy „175 MW Deployment in 2026“ für stationäre Stromspeicher an ‒ mit einer „Nano-Paste“-Technologie, die über 14 Jahre in Zusammenarbeit mit „akademischen und industriellen Partnern“ entwickelt worden sei. Ebenso könnte auch der bayrische Spezialist Schlenk als Lieferant für die benötigten ultradünnen Metallfolien in diesem Konsortium eine Rolle einnehmen.
Industrielle Relevanz und Marktreaktionen
Dass die Technologie Bedeutung hat, zeigt unter anderem das Interesse der etablierten Industrie. Berichten zufolge evaluieren alle drei großen deutschen Automobilkonzerne die Technologie. Ein indirekter Beleg für die Machbarkeit ist das „Vision Iconic“-Projekt von Mercedes-Benz, das einen nanopartikelbasierten Solarlack nutzt – eine Technologie, die laut Beobachtern nennenswerte Parallelen zur Nanopasten-Technologie von CT-Coating aufweist. Einige Branchenanalysen spekulieren deshalb über eine mögliche Plattformtechnologie für verschiedene Anwendungen – von Solarzellen über funktionale Beschichtungen bis hin zu Batterien. Ob tatsächlich eine direkte Verbindung zur Donut-Lab-Batterie besteht, ist jedoch bislang nicht bestätigt.
Interessant ist dabei auch die Dynamik in Asien, denn unmittelbar nach dem Auftritt von Donut Lab auf der CES kündigten mehrere chinesische Hersteller ‒ darunter Geely und Svolt ‒ eigene Fortschritte bei Festkörperbatterien an. Diese ungewöhnlich schnelle Reaktion könnte ein Signal sein, dass die etablierten Marktführer die Entwicklung in Europa als ernsthafte Bedrohung ihrer Dominanz wahrnehmen.
Realitätscheck bei Verge Motorcycles
Allerdings steht der erste echte Belastungstest für die Technologie noch bevor. Der finnische E-Motorrad-Hersteller Verge Motorcycles plant, seine Maschinen mit den Batterien von Donut Lab auszustatten. Zwar verschoben sich die Liefertermine für Neubestellungen inzwischen auf Ende 2026, doch erste Serienfahrzeuge könnten zeigen, ob die versprochenen Leistungswerte auch unter Realbedingungen Bestand haben. Sollten sich die Parameter bestätigen, hätte Europa mit dieser Allianz aus deutscher Anlagenexpertise, niederländischer Forschung und finnischer Applikation tatsächlich einen technologischen Hebel in der Hand, um die Abhängigkeit von asiatischen Batteriezellen enorm zu verringern.
Quellen / Weiterlesen
Podcast „Geladen“ mit Dr. Joachim Sann | YouTube
Unternehmenswebseite Donut Lab | Donut Lab

