Batterierecycling: tozero-Anlage in Bayern für Lithium und Graphit

Das Startup tozero startet industrielle Rückgewinnung von Lithium und Graphit in Bayern. Jährlich werden 1.500 t Batterieabfall recycelt.

0
84
batterierecycling-tozero

Das Münchner Startup tozero nahm im bayerischen Chemiepark Gendorf eine industrielle Demonstrationsanlage für das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien in Betrieb. Die Anlage wurde innerhalb von 6 Monaten errichtet und ist auf die Verarbeitung von jährlich 1.500 Tonnen Batterieabfall ausgelegt. Durch ein säurefreies hydrometallurgisches Verfahren gewinnt das Unternehmen aus Altbatterien hochreines Lithiumcarbonat, Graphit sowie Nickel-Kobalt-Gemische zurück. Ziel ist es, eine heimische Rohstoffquelle zu etablieren, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern und die Vorgaben des EU Critical Raw Materials Act (25% Recyclingquote) zu erfüllen. Die Anlage dient dabei als operative Basis für eine geplante Großanlage bis 2030.

Überblick: Industrielles Batterierecycling von tozero

  • Standort: Inbetriebnahme der ersten Demonstrationsanlage im Chemiepark Gendorf (Bayern).
  • Technik: Säurefreies hydrometallurgisches Verfahren für Rückgewinnung in einem Kreislauf.
  • Kapazität: Jährlich 1.500 t Batterieabfall und über 100 t hochreines Lithiumcarbonat.
  • Effizienz: Recyclingkosten sind doppelt so wettbewerbsfähig wie herkömmlicher Bergbau.
  • Meilenstein: Rückgewinnungsrate von ca. 80 % kritischer Rohstoffe; Qualifizierung von 100% recyceltem Graphit.
  • Ausblick: Skalierung zur Großanlage bis 2030 für jährlich 45.000 t Abfall.

Wirtschaftlichkeit und strategische Unabhängigkeit

Die Kosteneffizienz bildet einen zentralen Projektschwerpunkt, denn laut tozero ist die Rückgewinnung der Rohstoffe hinsichtlich der Kosten doppelt so wettbewerbsfähig wie der herkömmliche Bergbau. Zudem entfallen laut Unternehmensangaben zusätzliche Kosten gegenüber Primärrohstoffen, sodass die Rückgewinnung wirtschaftlich besonders attraktiv ist. Derzeit ist Europa bei Lithium zu 99% von Importen abhängig. Bei Graphit kontrolliert China einen Großteil der weltweiten Vorräte, wobei die europäische Nachfrage nach diesem Rohstoff bis 2040 voraussichtlich um das 25-fache steigen wird.

Anzeige

Darüber hinaus wird sich die weltweite Nachfrage nach Lithium bis 2030 voraussichtlich vervierfachen, was die Dringlichkeit heimischer Lösungen zeigt. Angesichts einer prognostizierten globalen Versorgungslücke von über 33% ab dem Jahr 2035 bietet das Recycling eine notwendige Ergänzung zur Rohstoffsicherung. Somit trägt tozero dazu bei, Europas Abhängigkeit von Importen kritischer Rohstoffe deutlich zu verringern.

Technische Eckdaten und Verfahren

In nur knapp vier Jahren hat tozero seine Technologie vom Labor- zum Industrieformat skaliert, wobei sich das Verfahren durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Kapazität: Verarbeitung von 1.500 t Batterieabfall pro Jahr.
  • Output: Jährliche Produktion von über 100 t hochreinem Lithiumcarbonat – entsprechen etwa 6.000 Elektrofahrzeug-Batterien.
  • Verfahrenstechnik: Ein firmeneigenes, säurefreies hydrometallurgisches Verfahren ermöglicht die Rückgewinnung in einem einzigen, hochwertigen Kreislauf.

Die gewonnenen Materialien erreichen dabei einen Reinheitsgrad, der den direkten Wiedereinsatz in der Batterieproduktion ermöglicht. Die Rückgewinnung ist daher besonders interessant, da Europa bereits über einen beachtlichen Vorrat an Altbatterien verfügt, aus denen diese Materialien recycelt werden können – z.B. durch die Zunahme von Elektroautos. Die recycelten Materialien sollen zudem in verschiedenen Industrien eingesetzt werden, darunter Bauindustrie, Keramikproduktion sowie Schmierstoffanwendungen.

Roadmap bis 2030

Die aktuelle Demonstrationsanlage bildet die operative Blaupause für eine geplante kommerzielle Großanlage, welche man bis 2030 realisieren möchte, um jährlich 45.000 Tonnen Batterieabfall zu recyclen. In dieser Ausbaustufe ist die Produktion von 8.000 Tonnen Lithiumcarbonat und rund 10.000 Tonnen Graphit vorgesehen. Infolgedessen wird das Batterierecycling zu einer wichtigen alternativen Quelle, um die Versorgungslücke bei kritischen Rohstoffen nachhaltig zu schließen.

Darüber hinaus stärkt dieser Ansatz eine kreislauforientierte, heimische Lieferkette, welche die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Rennen um Energietechnologien sichert. Das Unternehmen hat die erfolgreiche Qualifizierung seiner Rezyklate bereits bei führenden Kathoden- und Anodenherstellern nachgewiesen. Dies soll dazu beitragen, den Materialkreislauf weiter zu schließen; tozero möchte sich als strategischen Lieferanten nachhaltiger Rohstoffe für die industrielle Elektrifizierung sowie Netzspeicherlösungen positionieren.

Kennzahl Zielsetzung 2030
Abfallverarbeitung 45.000 t pro Jahr
Lithiumcarbonat-Ertrag 8.000 t pro Jahr
Graphit-Ertrag ca. 10.000 t pro Jahr

Qualifizierung und Partner von tozero

Das Startup wurde 2022 von Sarah Fleischer, einer Mehrfachgründerin und Maschinenbauingenieurin, und Dr. Ksenija Milicevic Neumann, einer führenden Expertin für Metallurgie, gegründet. Seither hat tozero in hohem Tempo skaliert und lieferte im April 2024 als erstes Unternehmen in Europa recyceltes Lithium an gewerbliche Kunden. Durch Pilotprojekte mit Automobilherstellern wie BMW und MAN wurde eine Lithium-Rückgewinnungsrate von über 80% nachgewiesen, womit das EU-Ziel für 2031 bereits erreicht wird.

Im Februar 2025 folgte die Qualifizierung von 100% recyceltem Graphit für die Batteriezellproduktion im industriellen Maßstab. Aktuell arbeitet das Unternehmen mit Partnern in 10 europäischen Ländern zusammen. Für diese Leistungen erhielt tozero weltweit Anerkennung, unter anderem als Tech Pioneer des Weltwirtschaftsforums, Gewinner der Hello Tomorrow Global Challenge sowie der EPiC Challenge. Zudem wurde es drei Jahre in Folge in den Top 100 Impact-Startups von Norrsken geführt.

Quellen / Weiterlesen

tozero launches production of lithium and other critical raw materials for Europe’s Energy Independence | Pressemitteilung via E-Mail
Bildquelle: © tozero

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein