sonnen: Virtuelles Kraftwerk in Texas setzt auf Battery-Only-Modell

sonnen baut virtuelles Kraftwerk in Texas aus. Neues Battery-Only-Modell ermöglicht Heimspeicher auch ohne Solaranlage.

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sonnen, der Heimspeicherspezialist aus dem Allgäu, expandiert im US-Bundesstaat Texas mit einem innovativen „Battery-Only“-Modell. Ab sofort können Haushalte dort eine sonnenBatterie mit 60 kWh Kapazität nutzen, ohne eine eigene Photovoltaikanlage zu besitzen oder hohe Investitionskosten zu tragen. Gegen eine monatliche Gebühr von nur 20 US-Dollar und für einen fixen Strompreis von 12 Cent pro kWh wird der Speicher Teil eines virtuellen Kraftwerks (VVP, Virtual Power Plant). Erst Anfang 2025 trat sonnen mit den Partnern SOLRITE und Abundance Energy in den texanischen Markt ein. Seither ist das virtuelle Kraftwerk auf 3.000 Kunden angewachsen; bis Ende 2026 möchte man rund 10.000 neue Kunden gewinnen. Dies stellt dem isolierten texanischen Stromnetz (ERCOT) nicht nur eine flexible Kapazität von insgesamt 600 MWh zur Verfügung, sondern bietet auch eine zuverlässige Backup-Versorgung bei häufig eintretenden Stromausfällen.

sonnen „Battery-Only“-Modell auf einen Blick

  • Konzept: Haushalte erhalten sonnen-Heimspeicher ohne eigene Solaranlage.
  • Konditionen: Grundgebühr 20 USD/Monat, garantierter Fixpreis von 12 Cent/kWh.
  • Netzfunktion: Dezentrale Flexibilitätsreserve für das texanische Stromnetz (ERCOT).
  • Skalierung: Virtuelles Kraftwerk (VPP) mit 10.000 Einheiten (600 MWh) bis Ende 2026.
  • Technik: Nutzung zyklenfester Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP).

Vom Eigenverbrauch zur dezentralen Netzflexibilität

Bisher setzte das Konzept der virtuellen sonnen-Kraftwerke primär auf der Optimierung von Eigenverbrauch und Autarkie, doch nun entkoppelt das „Battery-Only“-Modell den Speicher von der eigenen Stromerzeugung. Damit dient die Hardware nicht mehr allein der privaten Ersparnis, sondern fungiert als dezentrales Werkzeug direkt für den Strommarkt. Folglich übernimmt der Heimspeicher Aufgaben, die bislang fossilen Spitzenlastkraftwerken vorbehalten waren. Diese Entwicklung ist eine direkte Reaktion auf die veränderten Anforderungen moderner Stromnetze. Oliver Koch, CEO von sonnen, erklärt, warum dezentralen Flexibilität notwendig ist und im richtigen Marktumfeld erfolgreich sein kann:

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„Flexibilität wird zur wertvollsten Ressource unserer Energiesysteme. Das zeigt sich besonders in einem Markt wie Texas […]. Was hier passiert, ist ein Vorgeschmack darauf, was die Energiesysteme weltweit erwartet. Im Gegensatz zu Deutschland ist dieser Markt jedoch tatsächlich technologieoffen, die günstigste Energie kann sich hier durchsetzen. Und genau deshalb sind wir hier erfolgreich.“

Texas als globales Testfeld

Die Bedeutung dieses Projekts reicht weit über den US-Markt hinaus, da Texas derzeit als globales Reallabor für zukünftige Netzherausforderungen fungiert. Dort trifft ein rasanter Anstieg des Strombedarfs – getrieben durch neue KI-Rechenzentren – auf eine zunehmend volatile Einspeisung erneuerbarer Energien. Da das texanische Stromnetz (ERCOT) weitgehend isoliert operiert und kaum Energie mit Nachbarstaaten austauschen kann, führen lokale Ungleichgewichte unmittelbar zu enormen Preisschwankungen.

Deswegen agieren die vernetzten Solarstromspeicher als virtuelles Spitzenlastkraftwerk. Sie nehmen überschüssigen Wind- und Solarstrom in Zeiten niedriger Nachfrage auf und speisen diese Energie bei Lastspitzen gezielt wieder ein. Dieses Modell der dezentralen Flexibilität entlastet die Infrastruktur effektiver als der langwierige Ausbau konventioneller Kraftwerke. Damit liefert Texas eine technologische Blaupause, die künftig auch in Europa für ein moderneres Engpassmanagement dienen könnte. Dadurch könnte man die steigenden Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen (Redispatch) senken.

Texas als Vorbild für den deutschen Energiemarkt?

Während der texanische Markt technologische Lösungen zur Netzstabilisierung regulatorisch begünstigt, hinkt Deutschland bei der Marktintegration von heimischen Stromspeichern hinterher. In Texas ermöglicht die geringe Regulierung somit eine schnelle Monetarisierung der Batterieleistung, um Netzschwankungen unmittelbar auszugleichen. sonnen überträgt dort ein Prinzip auf den Privatsektor, das Next Kraftwerke im Gewerbebereich bereits etabliert hat. Zwar betreibt sonnen auch in Deutschland bereits virtuelle Kraftwerke, doch die Hürden für ein echtes, flächendeckendes Engpassmanagement sind deutlich höher.

In Deutschland bremsen hingegen komplexe Netzentgelte und langwierige Zertifizierungsprozesse die Skalierung. Dabei zeigen Berichte der Bundesnetzagentur und Prognosen der Übertragungsnetzbetreiber, dass die Kosten für das Engpassmanagement (Redispatch) auf hohem Niveau bleiben. Doch vernetzte Speicher könnten dieses Problem effizient lösen. Das texanische Modell ist daher ein Signal, hierzulande die Rahmenbedingungen zu lockern, um die über 25 GWh an bereits installierter Heimspeicher-Kapazität systemdienlich nutzbar zu machen.

Was das für die Skalierung bedeutet

Um eine geplante Gesamtkapazität von 600 MWh kurzfristig bereitzustellen, ist sonnen auf eine stabile Hardware-Versorgung angewiesen. Technisch ist dies durch den Einsatz hochstandardisierter Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) möglich. Da diese Zellchemie besonders zyklenfest und sicher ist, eignet sie sich ideal für die täglichen Be- und Entladevorgänge zur Netzstabilisierung. sonnen nutzt hierfür industrielle Lieferketten, die eine konstante Verfügbarkeit großer Volumina garantieren, um solch großskalige VPP-Projekte weltweit abzusichern. Während die aktuelle Generation der vernetzten Solarstromspeicher in Texas auf bewährte LFP-Technik setzt, könnte die Zukunft jedoch anders aussehen. Innovative Ansätze, wie sie etwa Factorial Energy mit Feststoffbatterien verfolgt, könnten perspektivisch dazu führen, dass virtuelle Kraftwerke bei gleichem Platzbedarf eine noch deutlich höhere Energiedichte und schnellere Reaktionszeiten im Netzmanagement erreichen.

Quellen / Weiterlesen

sonnen baut virtuelles Kraftwerk in Texas deutlich aus – Heimspeicher jetzt auch ohne eigene Solaranlage | sonnen
4 Gründe für Lithium-Eisenphosphat in einem Batteriespeicher | sonnen
Produktdatenblatt | sonnen
Netzengpassmanagement | Bundesnetzagentur
Was ist ein Virtuelles Kraftwerk? | Next Kraftwerke
Bildquelle: © sonnen
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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