Die Debatte darüber, wie ökologisch sinnvoll das Elektroauto ist, reduziert sich meist auf den Aspekt der Reichweite oder den CO2-Ausstoß während der Produktion. Tatsächlich entscheidet sich die Klimabilanz jedoch in einem komplexen Zusammenspiel zahlreicher Faktoren – vom Strommix über smarte Ladeinfrastruktur bis hin zur Lebensdauer der einzelnen Komponenten. Zum internationalen Tag der Batterie am 18. Februar rückt dabei zunehmend die Frage in den Fokus, wie Ressourcen möglichst lange in einem Kreislaufsystem gehalten werden können. Für Betreiber wie EWE Go ist die Einbindung gebrauchter Akkus entscheidend, um Ladeparks erfolgreich in ein zukunftsfähiges Energiesystem zu integrieren. Dabei steht nicht allein das Recycling im Fokus, sondern die Nutzung der Akkus als stationäre Speicher, die zur Stabilisierung belasteter Stromnetze beitragen.
Fast Facts: EWE Go Second-Life-Batterien in Ladeparks
- Second Life: E-Auto-Akkus dienen nach ca. 8–10 Jahren als stationäre Speicher in Ladeparks.
- Netzstabilität: Speicher puffern Lastspitzen, senken Netzkosten und nutzen Ökostrom.
- Intelligente Steuerung: Software „Okean“ verteilt Energie an EWE Go Standorten in Echtzeit.
- Recycling-Quote: 90% Rohstoff-Rückgewinnung, falls keine Zweitnutzung möglich ist.
- Gesamtsystem: Nachhaltigkeit braucht Hardware, Software und Kreislaufwirtschaft.
Second Life ‒ vom Elektrofahrzeug in den Ladepark
Nach einer Nutzungsdauer von rund 8 bis 10 Jahren oder etwa 1.000 Ladezyklen lässt die Kapazität von Traktionsbatterien nach. Für den anspruchsvollen Betrieb im Fahrzeug sind sie dann oft nicht mehr ideal, bleiben jedoch weiterhin funktionsfähig. Anstatt diese Akkus direkt zu recyceln, bietet sich der Einsatz als stationäre Speicher an. In Ladeparks fungieren sie als Puffer, um Lastspitzen abzumildern und mehr Strom aus erneuerbaren Energien in das System zu integrieren.
Bevor eine Batterie jedoch ein zweites Leben erhält (Second Life), ist eine genaue Bewertung ihres Zustands zwingend erforderlich. Hierbei spielt der sogenannte State of Health (SoH) eine entscheidende Rolle. Wie dieser Wert ermittelt wird und warum er für die Restwertbestimmung so wichtig ist, haben wir bereits in unserem Beitrag „SoH: Bewertung der E-Auto-Batterie“ detailliert erläutert. Für Infrastrukturbetreiber ist diese Datenlage die Basis, um Speicher langfristig sicher und wirtschaftlich zu betreiben. Derzeit werden viele Alt-Akkus noch in Zwischenlagern gesammelt, während Prüfverfahren weiterentwickelt werden, um Batterien schneller bewerten und gezielter in den Kreislauf zurückführen zu können.
Intelligentes Laden dank Energiemanagement mit be.storaged
Damit die Einbindung von Speichern und Ladepunkten reibungslos funktioniere kann, ist außerdem eine präzise Steuerung erforderlich. EWE Go setzt hierbei – u.a. in Ladeparks mit HOCHTIEF für das Deutschlandnetz – auf das Energiemanagement-System „Okean“ der Tochtergesellschaft be.storaged. Dabei verteilt die Software die verfügbare Netzleistung dynamisch und in Echtzeit auf die angeschlossenen Elektrofahrzeuge. Dies verhindert eine Überlastung des lokalen Anschlusses und schont gleichzeitig durch optimierte Ladevorgänge die Batterien der Kundenfahrzeuge.
Stefan Hansen, technischer Produktentwickler bei EWE Go, betont, dass die Batterie dabei nicht als isolierte Komponente, sondern als Teil eines größeren Energiesystems betrachtet werden muss. Dieser Bedarf an intelligentem Lastmanagement ist kein Einzelfall, sondern eine Grundvoraussetzung für größere Standorte. Ein ähnliches Beispiel ist die Ladeinfrastruktur der Sana Kliniken mit Wirelane zum Einsatz. In beiden Fällen geht es darum, teure Lastspitzen zu vermeiden und die vorhandene Netzkapazität optimal auszunutzen. Dass dieser Ansatz bereits großflächig angewendet wird, zeigt die Inbetriebnahme des 2.000sten Schnellladepunkt von EWE Go. Mit zunehmender Anzahl der Standorte steigen auch die Anforderungen an die Netzstabilität, weshalb die intelligente Kopplung von Ladeinfrastruktur und Speichersystemen in Zukunft zum Standard wird.
Technologischer Ausblick und Rohstoffkreislauf
Allerdings eignet sich nicht jede Batterie für eine Zweitverwendung. Somit rückt in diesem Fall das Recycling in den Fokus, um wertvolle Metalle wie Lithium, Nickel und Kobalt zurückzugewinnen. Gemäß aktueller EU-Vorgaben müssen mittlerweile mindestens 90% dieser Materialien recycelt werden, um den Bedarf an Primärrohstoffen zu senken. Interessant bleibt, wie technologische Fortschritte diesen Kreislauf beeinflussen. Während EWE Go auf die Zweitnutzung setzt, arbeiten Unternehmen wie Integrals Power bereits an LMFP-Zellen, die deutlich höhere Ladezyklen überstehen. Solche Innovationen könnten die Lebensdauer im Fahrzeug verlängern und den Zeitpunkt für ein „Second Life“ künftig weiter nach hinten verschieben.
Internationaler Kontext: Kreislaufsysteme als globaler Standard
Das Vorgehen von EWE Go ist letztendlich Teil einer weltweiten Entwicklung hin zu geschlossenen Batteriekreisläufen. Während regionale Betreiber die Nutzung vor Ort optimieren, bauen globale Marktführer wie CATL bereits umfassende CO2-neutrale Ökosysteme auf. Diese verzahnen die Produktion, den Betrieb und die Wiederverwertung in industriellem Maßstab. Das Ziel ist überall gleich: Die Abhängigkeit von Rohstoffimporten zu reduzieren und die Klimabilanz der Elektromobilität durch eine möglichst lange und effiziente Nutzung der Batterien zu verbessern.
Quellen / Weiterlesen
EWE Go erklärt, warum das zweite Leben der Batterie für die Ladeinfrastruktur wichtig wird | Pressmitteilung von EWE Go via E-Mail vom 18.02.2026
Bildquelle: © EWE Go


