Fast jeder zweite Lkw in Europa durchquert Deutschland – ab Mitte 2026 soll sich die Infrastruktur auf diesen Transitrouten grundlegend verändern. Transportunternehmen erhalten durch den gezielten Aufbau von Megawatt-Ladestationen an den Autobahnen die notwendige Sicherheit, um schwere Nutzfahrzeuge rentabel zu elektrifizieren. Durch die hohe Ladeleistung von bis zu 1.000 Kilowatt lassen sich die gesetzlichen Ruhezeiten der Fahrer und Fahrerinnen für den vollständigen Ladevorgang nutzen, ohne dass zusätzliche Standzeiten nötig wären. Dies beschleunigt nicht nur den Umstieg auf emissionsfreie Flotten, sondern sichert vor allem den Warenfluss entlang der europäischen Hauptkorridore und macht die Logistik im zentralen Drehkreuz langfristig planbarer.
Details zu E-Lkw-Ladenetz von ENGIE Vianeo
- Auftraggeber: Bundesrepublik Deutschland und Autobahn GmbH.
- Infrastruktur: ENGIE Vianeo (EMI ElektroMobilitätsInfrastruktur GmbH).
- Standorte: 26 unbewirtschaftete Autobahn-Rastanlagen im Los Südost.
- Ladepunkte: 173 (inkl. Netzanbindung + Service), davon 105 mit Megawatt Charging System.
- Ladeleistung: Bis zu 1.000 kW pro Ladepunkt.
- Relevante TEN-T-Achsen: Rhein-Donau, Skandinavien-Mittelmeer, Nordsee-Rhein-Mittelmeer.
- Ziel 2030: Ausbau auf 25.000 Ladepunkte europaweit (davon 1.000 für den Schwerlastverkehr).
Bund vergibt Lkw-Infrastrukturauftrag für das Los Südost
In Deutschland steigt die Elektrifizierung des schweren Straßengüterverkehrs deutlich an. Im Jahr 2025 wurden bundesweit mehr als 4.000 rein batterieelektrische Lkw neu zugelassen. Da Deutschland als europäisches Logistikdrehkreuz eine zentrale Rolle spielt – fast jeder zweite Lkw auf dem Kontinent durchquert das Land im Transit – ist der schnelle Ausbau der Ladeinfrastruktur immer wichtiger.
Vor diesem Hintergrund hat die Autobahn GmbH des Bundes die Vergabe für das sogenannte Los Südost des bundesweiten Programms für Lkw-Ladeinfrastruktur abgeschlossen. Den Zuschlag erhielt dabei ENGIE Vianeo, die auf E-Ladeinfrastruktur spezialisierte Tochtermarke der ENGIE-Gruppe. Das Unternehmen, das in Deutschland unter anderem auch Großspeicher-Projekte mit Flower vorantreibt, übernimmt nun die vollständige Verantwortung für die Planung, den Bau sowie den anschließenden Betrieb von insgesamt 26 Standorten entlang des deutschen Autobahnnetzes. Letztendlich soll das Projekt vor allem Transportunternehmen und Speditionen die notwendige Verlässlichkeit bieten, um den Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugflotten zu vollziehen.
Technische Spezifikationen und Netzkapazitäten des Projekts
Das von ENGIE Vianeo realisierte Vorhaben gilt als das größte dedizierte Megawatt-Ladenetz innerhalb des gesamten Bundesprogramm. Von den insgesamt 173 geplanten Ladepunkten werden 105 Einheiten gezielt mit dem Megawatt Charging System (MCS) ausgestattet. Diese Hochleistungsanlagen sind technisch für eine Ladeleistung von bis zu 1.000 Kilowatt (kW) ausgelegt. Die extrem hohe Leistungsdichte ist präzise auf den schweren Güterfernverkehr abgestimmt. Sie verkürzt nicht nur die Standzeiten an Raststätten, sondern ermöglicht E-Lkw, lange Strecken auch bei maximaler Auslastung effizient zu bewältigen.
Die 26 Standorte befinden sich an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen entlang drei zentraler Hauptachsen des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T): Rhein-Donau, Skandinavien-Mittelmeer und Nordsee-Rhein-Mittelmeer. Somit schließt das neue Netz die bisherige Ladelücke für Lkw im grenzüberschreitenden Warenverkehr.
Strategische Ziele und bestehende Infrastrukturprojekte
ENGIE Vianeo ist seit Juli 2025 auf dem deutschen Markt aktiv und greift auf operative Erfahrungen aus Projekten in Frankreich und Belgien zurück. Hier hat das Unternehmen unter anderem den ersten Schnellladekorridor für E-Lkw zwischen Paris und Lyon realisiert. Derzeit betreibt die Marke ein europäisches Netz von mehr als 11.000 Ladepunkten, wovon sich rund 890 an französischen Autobahnen und über 7.000 in Belgien befinden.
Bis 2030 sieht das langfristige Unternehmensziel einen Ausbau auf insgesamt 25.000 Ladepunkte in ganz Europa vor. Hiervon sollen 1.000 Ladepunkte speziell für den schweren Nutzfahrzeug- und Schwerlastverkehr reserviert sein. Zudem treibt das Unternehmen – neben dem aktuellen Autobahnprojekt – weitere Dekarbonisierungsprojekte in Deutschland im Bereich der Logistik voran. In Kooperation mit dem Seehafen Kiel befindet sich derzeit eine Ladeinfrastruktur für Lkw im Bau, wobei deren erster Standort im August 2026 in Betrieb genommen werden soll. Dieses soll dann als Referenzprojekt für eine nachhaltige Hafenlogistik dienen.
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Bildquelle: © ENGIE


