Electra wird eMSP: Roaming für 800.000 Ladepunkte in Europa

Fahrer steuern Fremdnetze direkt per App oder Ladekarte an. Zudem gehen 14 neue 400-kW-Ladepunkte in Hannover ans Netz.

0
127
electra-elektroauto-laden

Wer ein Elektroauto lädt, kämpft meist mit einem unübersichtlichen Chaos aus verschiedenen Apps, Ladekarten und intransparenten Tarifen. Der europäische Ladeinfrastrukturbetreiber Electra löst dieses Problem und agiert ab dem 29. Juni 2026 als vollwertiger eMobility Service Provider (eMSP). Für Fahrer bedeutet das den direkten Zugriff auf rund 800.000 öffentliche Ladepunkte in ganz Europa – und zwar über eine einzige Anwendung und Ladekarte. Statt unübersichtlicher Listen steuert ein Echtzeit-Algorithmus die Navigation, indem er Leistung, Zuverlässigkeit und Preise der Fremdnetze live bewertet. Da Electra bei Drittanbietern auf zusätzliche Roaming-Aufschläge verzichtet, profitieren Nutzer zudem von einer konsistenten Kostentransparenz im Ausland.

Details zu Electra als eMSP

  • Funktion: Transformation zum eMobility Service Provider (eMSP) seit dem 29. Juni 2026.
  • Netz: Direktzugriff auf ca. 800.000 öffentliche Ladepunkte in ganz Europa via Roaming.
  • Leistung: 14 HPC-Ladepunkte an 7 Säulen mit einer Ladeleistung von jeweils bis zu 400 kW.
  • Zugang: Electra-App, physische Electra-Ladekarte sowie Autocharge (nur im eigenen Netz).
  • Feature: Echtzeit-Algorithmus bewertet Leistung, Verfügbarkeit, Stabilität und Preise.
  • Gebühr: Transparente Preisanzeige vor Ladestart; keine Roaming-Aufschläge oder Transaktionsgebühren.
  • Flagship-Standort: Hannover (Herschelstraße 9), offizielle Inbetriebnahme am 1. Juli 2026.

Vom Stationsbetreiber zur europaweiten Mobilitätsplattform

Mit dem Schritt zum eMSP öffnet Electra das eigene App-System für das europäische Roaming-Netz. Damit erweitert sich der direkte Zugang für Nutzer schlagartig um rund 796.000 externe Ladepunkte. Parallel dazu baut das Unternehmen seine physische Infrastruktur weiter aus. Das firmeneigene Kernnetz umfasst aktuell knapp 700 Schnellladeparks mit rund 4.000 Ladepunkten in 10 Ländern, wobei bis zum Jahr 2030 eine Aufstockung auf 15.000 eigene Ladepunkte geplant ist.

Anzeige

Die App entwickelt sich damit von einer reinen Steuerungslösung für firmeneigene Ladesäulen zu einer offenen, herstellerunabhängigen Mobilitätsplattform. Fahrer und Fahrerinnen können Ladestationen über alle großen öffentlichen Ladenetze hinweg finden, vergleichen, ansteuern und direkt abrechnen. Laut Paul Tonini, Country Manager von Electra Deutschland, soll diese Konsolidierung das Systemrisiko minimieren, dass Elektromobilität im Alltag an der Fragmentierung von Tarifmodellen und App-Wechseln scheitert.

Intelligenter Algorithmus statt statischer Ladesäulen-Listen

Das technische Herzstück der erweiterten App ist ein Bewertungsalgorithmus, der verfügbare Ladepunkte nicht nur auf einer Karte anzeigt, sondern diese auch aktiv filtert. Das System analysiert Ladeleistung, aktuelle Verfügbarkeit, technische Zuverlässigkeit, Standort und den Preis in Echtzeit. Anstatt lediglich die nächstgelegene Säule angezeigt zu bekommen, erhalten Nutzer eine konkrete, qualitätsbasierte Empfehlung.

Dieses Assistenzsystem kommt insbesondere auf Langstrecken, bei hoher Netzbelastung oder in dicht besiedelten urbanen Räumen zum Tragen. Sollte eine Station belegt oder gestört sein, schlägt die App direkt auf der Route eine adäquate Alternative vor. Fahrer und Fahrerinnen können die Suche zudem über eigene Präferenzen wie Mindestladeleistung, maximale Entfernung oder Preisgrenzen individualisieren. Der integrierte Routenplaner bindet diese Ladestopps automatisiert in die Fahrtplanung für Pendler-, Urlaubs- oder Geschäftsreisen ein.

Medienübergreifender Zugang und Autocharge-Komfort

Nach der Auswahl der passenden Station erfolgt die Freischaltung flexibel direkt vor Ort. Da Electra im eigenen Netz bisher rein auf die App-Steuerung setzte, führt das Unternehmen mit dem eMSP-Start erstmals eine physische RFID-Ladekarte ein. Während diese für Bestandskunden mit Abonnement kostenlos ist, fällt für Nutzer ohne monatliche Grundgebühr eine einmalige Aktivierungsgebühr von 4,99 € an. Über diese Karte oder die App wird der Ladevorgang in Drittnetzen direkt autorisiert, ohne dass ein separates Nutzerkonto beim jeweiligen Fremdbetreiber eingerichtet werden muss.

Innerhalb des eigenen Ladenetzes von Electra bleibt die Handhabung noch einfacher gelöst, denn hier greift weiterhin die Autocharge-Funktion. Nach einer einmaligen Registrierung des Fahrzeugs erkennt die Ladesäule das Elektroauto beim Einstecken des CCS-Ladesteckers vollautomatisch über die Kommunikationsschnittstelle und startet den Stromfluss unmittelbar ohne App- oder Karteneinsatz.

Volle Preistransparenz ohne versteckte Aufschläge

Da die Ladepreise in Deutschland sehr unübersichtlich sind, setzt Electra beim Roaming auf eine direkte Weitergabe der Tarife. Nutzer sehen den exakten Preis des jeweiligen Fremdanbieters immer direkt vor dem Start des Ladevorgangs in der App.

Dabei verzichtet das Unternehmen bei der Nutzung von Fremdnetzen auf versteckte Transaktionsgebühren oder prozentuale Roaming-Aufschläge. Da Electra die Preise der Drittanbieter jedoch direkt durchreicht, variieren die Kosten im Fremdnetz je nach Betreiber stark – die Spanne in Deutschland reicht hierbei von etwa 0,71 €/kWh bei regionalen Anbietern wie Mer Germany über 0,79 €/kWh bei EnBW oder Shell bis hin zu 0,96 €/kWh bei Aral Pulse. An den eigenen Stationen gilt weiterhin das bekannte Tarifmodell, das vom Ad-hoc-Laden für 0,69 €/kWh über den Standard-App-Tarif von 0,54 €/kWh bis hin zu gestaffelten Abonnement-Optionen (0,44 €/kWh bzw. 0,34 €/kWh) reicht.

Tarife und Preise im Überblick

Tarifmodell Grundgebühr Preis im Electra-Netz Preis im Partner-Netz (ChargeLeague)* Preis im sonstigen Fremdnetz (Roaming)**
Ad-hoc-Laden
(Kreditkarte)
Keine 0,69 €/kWh Nicht verfügbar Nicht verfügbar
Standard App-Nutzer Keine 0,54 €/kWh Direkt-Tarif des Partners Direkt-Tarif des Partners
Electra+ Essential
(Abo)
1,99 € / Monat 0,44 €/kWh Direkt-Tarif des Partners Direkt-Tarif des Partners
Electra+ Smart
(Premium)
4,99 € / Monat 0,34 €/kWh 0,64 €/kWh Direkt-Tarif des Partners

*Zum Partner-Netzwerk (ChargeLeague) gehören Betreiber wie Ionity, Fastned und Atlante.
**Die Spanne in sonstigen Fremdnetzen wird von Electra ohne Aufschlag durchgereicht.
Blockiergebühr: Bei ausgelasteten Stationen fällt ab einem Ladestand von 80% eine Standgebühr von 0,40 €/Minute an (nach Kulanzzeit von 5 Minuten, gedeckelt auf maximal 50 €).

Netzausbau: Urbaner Flagship-Ladepark in Hannover

Parallel zum Software-Rollout treibt das Unternehmen den Ausbau der physischen Ladeinfrastruktur weiter voran. Am 1. Juli 2026 eröffnet Electra seinen bislang größten urbanen Schnellladepark in Deutschland, dieser neue Hub liegt an einem hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkt im Zentrum von Hannover (Herschelstraße 9).

Die vollständig überdachte Anlage verfügt über 7 Hochleistungsladesäulen mit insgesamt 14 HPC-Ladepunkten, die eine Ladeleistung von bis zu 400 kW pro Säule bereitstellen. Der Standort soll Schnellladen als selbstverständlichen und barrierefreien Teil der urbanen Mobilität etablieren. Darüber hinaus ist die Inbetriebnahme in Hannover eingebettet in eine kontinuierliche Expansionswelle auf dem deutschen Markt; zuletzt wurden bereits neue Ladeparks in Leipzig, Peine, Detmold und Krefeld erfolgreich ans Netz genommen.

Quellen / Weiterlesen

Electra wird zum E-Mobility Service Provider (eMSP) und öffnet seine App für 800.000 Ladepunkte in Europa | Electra Deutschland via Presseportal
Electra-App bietet Zugang zu 800.000 Ladepunkten | Electrive
Electra wird zum E-Mobility Service Provider (eMSP) und öffnet seine App für 800.000 Ladepunkte in Europa | Pressemitteilung via E-Mail vom 30. Juni 2026
Bildquelle: © Electra
Vorheriger ArtikelNissan erforscht günstigere Lithium-Schwefel-Feststoffakkus
Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein