Ab Ende 2027 plant die FAW-Luxusmarke Hongqi erste Elektroautos mit vollständiger Feststoffakku-Technologie in Kleinserie zu produzieren. Als technologischer Vorreiter dient dabei der SUV Tiangong 06, in dem das Unternehmen nun erfolgreich seine eigenen 66-Ah-Prototypenzellen validierte. Ziel ist es, durch die höhere Energiedichte deutlich größere Reichweiten und eine verbesserte Sicherheit gegenüber herkömmlichen Batterien zu erreichen. Dabei profitiert FAW von einem staatlich geförderten Industriekonsortium, dem auch Branchengrößen wie CATL und BYD angehören. Somit bereiten Chinas etablierte Autobauer den Einsatz moderner Feststoffzellen im Luxussegment vor.
Das Wichtigste in Kürze:
- Serienstart: Kleinserie für Hongqi-Flaggschiffe ab Ende 2027 geplant.
- Leistung: 380 Wh/kg Energiedichte (Zielwert für 2027: 350–400 Wh/kg).
- Sicherheit: Stabil bis 200 °C (45 Min. Test ohne thermisches Durchgehen).
- Technik: Sulfid-basierte Zellen mit hoher Ionen-Leitfähigkeit (>10 mS/cm).
- Status: Aktive Straßenerprobung im SUV-Prototyp Tiangong 06.
- Status: Aktive Erprobung in realen Fahrzeug-Prototypen wie dem Tiangong 06.
- Wirtschaft: Teil eines staatlichen 730-Mio.-Euro-Konsortiums.
Kleinserienproduktion für Flaggschiff-Modelle ab 2027
Die FAW Group schloss die Testproduktion der 66-Ah-Festkörperzellen erfolgreich ab. Diese werden nun für den Langstreckenbetrieb in den hochwertigen Limousinen und SUVs der Marke Hongqi validiert. Bis Ende 2027 möchte das Unternehmen erfolgreich den Übergang von der Prototypenfertigung zur Kleinserienproduktion vollziehen. Dabei kooperiert FAW mit 27 Industriepartnern aus Forschung und Entwicklung. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungen für die Energiedichte, die Zykluslebensdauer sowie die Skalierbarkeit unter realen Bedingungen. Die Strategie sieht vor, die Technologie zunächst in der Oberklasse einzuführen, bevor sie bei steigender Reife breiter integriert wird.
Starkes Netzwerk durch staatlich gefördertes Konsortium
FAW stützt sich auf ein 2024 gegründetes chinesisches Industriekonsortium, das auf ein staatlich gefördertes Budget von circa 730 Millionen Euro zurückgreifen kann. Zu diesem Netzwerk gehören staatliche Akteure wie SAIC, aber auch private Hersteller wie Geely und BYD sowie die Zellproduzenten CATL und WeLion. Folglich soll diese Allianz sicherstellen, dass etablierte chinesische Hersteller den Anschluss an neue EV-Startups halten. Die Relevanz des Sektors zeigt sich zudem am Kapitalmarkt. Chinesische „Konzeptaktien“ für Festkörperbatterien verzeichneten in diesem Jahr durchschnittliche Gewinne von 60,91%. Hierbei meldeten neun Unternehmen ein Wachstum von über 100%.
Höhere Energiedichte für gesteigerte Reichweiten
Im Vergleich zu herkömmlichen LFP-Zellen, die meist auf 150 bis 180 Wh/kg kommen, bietet die Festkörpertechnologie erhebliche Sprünge bei Reichweite und Sicherheit. Demnach sollen die ersten Implementierungen bei Hongqi zwischen 350 und 400 Wh/kg liegen; Prototypen von FAW weisen bereits 380 Wh/kg auf. Die Branchenprognose sieht zudem eine stetige Steigerung der gravimetrischen Energiedichte vor. Für den Markteintritt bis 2027 werden branchenweit 350 bis 400 Wh/kg erwartet, während die Prognosen für 2030 bereits bei 400 bis 500 Wh/kg und ab 2035 über 500 Wh/kg liegen.
Während der Partner WeLion im Labor bereits einen Spitzenwert von 824 Wh/kg erzielte, befindet sich diese Technologie noch im Forschungsstadium und ist weit von der industriellen Serienfertigung entfernt. Schließlich liegt der aktuelle Fokus für die Serie auf dem Sicherheitsvorteil. Der feste Elektrolyt ersetzt die brennbare Flüssigkeit herkömmlicher Akkus, was das thermische Management vereinfacht, und die Brandgefahr senkt. In Tests hielten die FAW-Zellen einer Temperatur von 200°C über 45 Minuten stand, ohne dass es zu einem thermischen Durchgehen kam.
Globaler Wettbewerb und Exportstrategie
Letztendlich steht der Zeitplan von FAW im direkten Wettbewerb mit internationalen Projekten. Während Volkswagen bereits seit 2012 mit QuantumScape kooperiert und eine Lizenzierung der Technik durch die Tochter PowerCo anstrebt, setzen Mercedes-Benz und Stellantis auf den US-Entwickler Factorial. In China selbst hat die GAC Group bereits Pilotproduktionslinien für große Kapazitäten aufgebaut. Für Hongqi ist die Entwicklung auch für die globale Expansion wichtig, denn nach der Vorstellung des EHS5 auf der IAA Mobility 2025 in München plant die Marke, auch in Europa künftige Modelle mit Feststoff-Akkus anzubieten, um sich im Premiumsegment zu positionieren.
Quellen / Weiterlesen
Hongqi vehicles to feature solid-state batteries by 2027, FAW reports | CarNewsChina
FAW-Luxusmarke Hongqi will ab 2027 Elektroautos mit Feststoffakku verkaufen | Electrive
Bildquelle: Wikipedia – By JustAnotherCarDesigner – Own work, CC0

