Skeleton Technologies eröffnete in Markranstädt bei Leipzig eine neue „SuperFactory“ für rund 220 Millionen Euro. Das Werk produziert jährlich bis zu 12 Millionen Superkondensatoren auf Basis von patentiertem Curved Graphene. Diese kommen gänzlich ohne kritische Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt aus. Ferner dienen die Speicher vor allem der Stabilisierung europäischer Stromnetze und kommen in KI-Infrastrukturen zum Einsatz. Laut Unternehmen können sie den Stromverbrauch von KI-Rechenzentren um bis zu 44% senken, indem sie Lastspitzen ausgleichen. Überdies schafft das Projekt 420 Arbeitsplätze und stärkt durch eine rein europäische Wertschöpfungskette die technologische Unabhängigkeit des Kontinents.
Großinvestition in Markranstädt für ein neues Zentrum für Energiespeicher
Skeleton ist ein in Tallinn (Estland) gegründetes Unternehmen, dessen industrielle Basis in Deutschland ausgebaut wurde, um näher an wichtigen Kunden oder den großen deutschen Übertragungsnetzbetreibern zu sein. Das Unternehmen ist bereits seit 2014 in Sachsen aktiv, wobei es sich beim aktuellen Projekt um die bislang größte Investition eines estnischen Unternehmens in Deutschland handelt. An der offiziellen Eröffnungsfeier der Fabrik nahmen neben Ministerpräsident Michael Kretschmer und dem estnischen Premierminister Kristen Michal auch Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow sowie Markranstädts Bürgermeisterin Nadine Stitterich teil. Die Unternehmensführung war durch CEO Taavi Madiberk und CTO Dr. Linus Froböse vertreten.
Das Werk ist bereits in den Markt integriert und beliefert Partner wie Siemens, General Electric und Hitachi Energy. Premierminister Michal betonte nochmals die strategische Bedeutung und erklärt, dass Sachsen nun eine der führenden Regionen in der Mikroelektronik sei. Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer merkte an, dass Europa bislang zu langsam gewesen sei, doch nun wolle man Vorreiter für die grünen Märkte werden. Zudem ordnet Michal das Projekt historisch ein und sagte: „Dies ist erst das erste Prozent, die weiteren 99 Prozent werden folgen.“
Vorteile von Curved Graphene ‒ Technologie ohne kritische Rohstoffe
Die technologische Basis der Technologie unterscheidet sich dabei grundlegend von den herkömmlichen Batterien. Folglich nutzen die Superkondensatoren zweidimensional vernetzte Kohlenstoff-Moleküle (Graphen), um Strom besonders effizient zu leiten. Da die Speicher ohne Lithium, Kobalt oder Mangan auskommen, ist Skeleton das einzige voll integrierte europäische Unternehmen, das die gesamte Wertschöpfungskette autonom abdeckt – vom Rohmaterial über die Zelle bis zur Software.
Diese „Supercaps“ können Energie wesentlich schneller aufnehmen und abgeben als Batterien. Neben dem Einsatz in Rechenzentren lassen sie sich beispielsweise mit Lkw-Akkus koppeln, um deren Fähigkeit zur schnellen Stromaufnahme und -abgabe drastisch zu verbessern.
Effizienzschub für die KI-Infrastruktur: Lastspitzen senken, Leistung steigern
Die Fabrik in Markranstädt zielt auf einen Markt mit extremen Wachstumsraten ab. US-Technologiekonzerne (Hyperscaler) investieren im Jahr 2026 voraussichtlich 330 Milliarden USD in ihre KI-Infrastruktur. Demgegenüber liegt das europäische Investitionsvolumen mit etwa 10 Milliarden USD weit dahinter. Das Werk in Sachsen bietet jedoch für diesen globalen Ausbau eine Schlüsseltechnologie. KI-Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom. Deswegen liefert Skeleton mit seinen Graphen-Speichern die Technik, um die Stromkosten dieser Anlagen zu senken. Gleichzeitig lässt sich durch den Einsatz der Speicher die Rechenleistung erhöhen. So wird sächsische Technologie zu einem festen Bestandteil der vorwiegend US-finanzierten KI-Infrastruktur.
Durch die Kopplung der Graphen-Speicher mit Computerchips werden Leistungsspitzen geglättet und die Belastung des Stromnetzes reduziert. Dies senkt nicht nur den Stromverbrauch der energiehungrigen KI-Rechenzentren um bis zu 44%, sondern verhindert auch Überhitzungen. Dadurch können Betreiber aus derselben Investition in GPUs rund 40% mehr Rechenleistung generieren. Dies ist ein entscheidender Faktor, um die steigenden Stromrechnungen, die durch den massiven Ausbau von KI-Datenzentren entstehen, abzufedern.
Stabilisierung des Stromnetzes
Der iberische Blackout von 2025 zeigte, wie anfällig vernetzte Stromnetze sind. Solche Ausfälle entstehen oft, wenn das Netz Schwankungen bei der Einspeisung nicht schnell genug ausgleichen kann. Skeletons Technologie reagiert in Millisekunden auf diese Instabilitäten und wirkt so als Puffer. Da der Anteil erneuerbarer Energien stetig wächst, fungieren Skeletons Systeme bei deutschen Übertragungsnetzbetreibern als „letzte Verteidigungslinie“ und „Sicherheitsgurt“.
Die Europäische Kommission schätzt, dass bis 2030 rund 584 Milliarden Euro investiert werden müssen, um die Stromnetze zu modernisieren. Skeleton arbeitet hierbei eng mit Siemens zusammen. Steffen Grosse von Siemens Financial Services bezeichnete Skeleton als „vitalen Akteur“, den Siemens nicht nur finanziell, sondern auch als Zulieferer und Go-to-Market-Partner unterstützt. In der Fabrik selbst kommt das „Siemens Xcelerator“-Portfolio zum Einsatz, um die hochmoderne Produktion digital zu steuern.
Erfolgsgeschichte von Tallinn nach Sachsen im Deep-Tech-Sektor
Der Hauptsitz von Skeleton befindet sich nach wie vor in Estland. Obschon ein wesentlicher Teil der Materialforschung in Estland stattfindet, erfolgt die Materialentwicklung für das patentierte Curved Graphen inzwischen in Sachsen-Anhalt. Vor der neuen Fabrik in Markranstädt betrieb das Unternehmen ein kleineres Werk in Großröhrsdorf. Die neue „SuperFactory“ bei Leipzig ist nun ihr weltweit wichtigster Produktionsstandort. Überdies betreibt Skeleton neben Estland und Deutschland für die sogenannte SuperBattery ein weiteres Werk im finnischen Varkaus (für die sogenannte SuperBattery).
Inzwischen beschäftigt das Unternehmen insgesamt rund 300 Menschen (zusätzlich zu den 420 neuen Stellen in Markranstädt). Ferner bleibt es mit über 70 Patentfamilien ein zentraler Pfeiler des europäischen Deep-Tech-Ökosystem.
Quellen / Weiterlesen
Neue Superkondensator-Fabrik bei Leipzig eröffnet | Golem
Superkondensatoren aus Sachsen sollen Stromhunger der KI-Schulen dämpfen | Oiger
Skeleton eröffnet Fertigung für Superkondensatoren | Energate Messenger
Bildquelle: © Skeleton

