StartStromspeicherIntegrals Power: LMFP-Zellen erreichen 1.500 Zyklen im QinetiQ-Test

Integrals Power: LMFP-Zellen erreichen 1.500 Zyklen im QinetiQ-Test

Das britische Unternehmen Integrals Power meldet Fortschritte bei seinen LMFP-Kathodenmaterialien (Lithium-Mangan-Eisen-Phosphat). Die unabhängige Validierung durch das Forschungsunternehmen QinetiQ bestätigt eine Restkapazität von fast 80% nach 1.500 Ladezyklen bei einer Laderate von 1C. Parallel dazu belegen Tests der Cranfield University die Leistungsfähigkeit der LMFP-Zellen bei extremen Temperaturen. Selbst bei -25°C behält das Material 85% seiner Kapazität bei.

Somit überwindet die Technologie zwei der größten Hürden für die Akzeptanz der Elektromobilität ‒ die Lebensdauer der Batteriepakete und den Reichweitenverlust im Winter. Mit einem Mangangehalt von 80% bietet die Technologie zudem eine kostengünstigere und sicherere Alternative zu herkömmlichen NMC-Zellen und reduziert die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen und dominanten asiatischen Märkten.

Das Wichtigste zur LMFP-Zelle von Integrals Power

  • Haltbarkeit: Über 1.500 Ladezyklen bei fast 80 % Restkapazität (unabhängig validiert).
  • Reichweite: 20% höhere Energiedichte gegenüber Standard-LFP durch 80% Mangananteil.
  • Kälteresistenz: 85% der Kapazität bei -25°C (Benchmark LFP liegt bei nur ca. 50%).
  • Leistung: Hohe Zellspannung von 4,1 V; exzellente Schnelladeeigenschaften (95% bei 5C).
  • Nachhaltigkeit: 80% Mangan reduzieren kritische Rohstoffe und Abhängigkeit von Asien.
  • Souveränität: Sovereign Supply Chain; Produktion in UK mit Rohstoffen aus EU und Nordamerika.

QinetiQ-Härtetest: Zyklenfestigkeit und Kälteperformance

Nachdem Integrals Power bereits im Sommer 2025 bei QinetiQ-Tests 1.000-Zyklen standhielten, überschritten sie nun diese Schwelle. Die Ergebnisse der zwei unabhängigen Testreihen zeigten, dass die LMFP-Zellen nach 1.500 Lade- und Entladezyklen mit 1C-Laderate noch fast 80% ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen. Für Hersteller von Elektroautos ist dieser Wert die Basis für langfristige Garantiezeiten und hohe Wiederverkaufswerte der Fahrzeuge.

Parallel dazu untersuchte die Cranfield University das Verhalten der Zellen bei extremer Kälte – eine der größten Schwachstellen aktueller Akku-Generationen. Während herkömmliche LFP- und LMFP-Zellen bei Minustemperaturen häufig an Leistung verlieren, zeigten die Prototypen aus Milton Keynes eine überdurchschnittliche Robustheit:

  • Bei -25°C: 85% Kapazitätserhalt (Branchenstandard liegt oft bei nur 50%)
  • Bei -30°C: 68% Kapazitätserhalt (Branchenstandard liegt oft bei nur 40%)

Diese Daten belegen, dass die Technologie nicht nur für den herkömmlichen Straßenverkehr Vorteile bietet. Sie ist auch für anspruchsvolle Einsätze in der Luftfahrt, im maritimen Sektor oder in der Verteidigungstechnik unter arktischen Bedingungen geeignet.

80% Mangan sorgt für eine höhere Energiedichte

Die technologische Basis von Integrals Power ist eine Kathode mit einem Mangangehalt von 80%. Während Mangan in der Batterieforschung für eine gesteigerte Energiedichte sorgt, gilt die Verarbeitung bisher als schwierig. So führt das Material bei herkömmlichen Verfahren oft zur Instabilität der Kristallstruktur. Integrals Power löst dieses Problem durch ein patentiertes Verfahren. Dieses stabilisiert die Struktur und mach so die Vorteile des Mangans nutzbar.

Vorteile der LMFP-Zelle von Integrals Power

  • Höhere Energiedichte: Im Vergleich zu Standard-LFP (Lithium-Eisenphosphat) bietet LMFP eine deutlich höhere Spannungslage, was zu einer gesteigerten Reichweite bei gleichem Bauraum führt.
  • Kosteneffizienz: Mangan ist weltweit reichlich vorhanden und deutlich günstiger als Nickel oder Kobalt, die in herkömmlichen NMC-Akkus verwendet werden.
  • Sicherheit und Ökologie: Die Zellen sind thermisch stabiler, weniger toxisch und weisen über den gesamten Lebenszyklus einen geringeren CO2-Fußabdruck auf als Nickel-basierte Hochleistungsbatterien.

Somit ist LFP (Lithium-Eisenphosphat) günstig und sehr sicher, hat aber eine geringere Energiedichte (weniger Reichweite). Demgegenüber ist NMC (Nickel-Mangan-Kobalt) teuer (Kobalt/Nickel) und hat eine hohe Energiedichte (viel Reichweite), ist aber weniger sicher (höheres Brandrisiko). LMFP ist fast so günstig und sicher wie LFP, bietet aber durch das Mangan mehr Leistung/Reichweite. Letztendlich schließt die Technologie die Lücke zwischen der kostengünstigen LFP-Technik und der leistungsstarken, aber teuren NMC-Chemie. Dadurch erhalten Fahrzeughersteller eine alternative Lösung, ohne die hohe Sicherheit der Phosphat-Systeme aufzugeben.

Souveräne Lieferketten als Strategievorteil

Ein wichtiger Aspekt der aktuellen Entwicklung ist die Unabhängigkeit von globalen Lieferketten. Dies gilt insbesondere mit Blick auf China, das derzeit über 90% der weltweiten LFP-Produktion dominiert. Integrals Power verfolgt hier einen konsequenten Ansatz der „Sovereign Supply Chain“ mit lokaler Produktion und westlichen Rohstoffen. Die Herstellung der LMFP-Materialien erfolgt dazu vollständig in der hauseigenen Pilotanlage in Milton Keynes (Großbritannien). Parallel dazu sichert das Unternehmen die Materialversorgung durch strategische Partnerschaften (u.a. mit Euro Manganese) ab, um Vorprodukte ausschließlich aus Europa und Nordamerika zu beziehen. Ein praktisches Beispiel hierfür ist die Nutzung von hochreinem Mangansulfat, das aus Recycling-Projekten in der Tschechischen Republik gewonnen wird.

Dieser Fokus, der auf Transparenz und lokale Verfügbarkeit abzielt, ist weit mehr als nur ein logistischer Vorteil. Er ist eine direkte Antwort auf die steigenden Anforderungen des Verteidigungssektors und der maritimen Wirtschaft an die Versorgungssicherheit. Behnam Hormozi, Gründer und CEO von Integrals Power, betont:

„Die Ergebnisse beweisen, dass Batterien aus unserem LMFP-Material länger halten und unter Extrembedingungen besser funktionieren. Es ist entscheidend, die Abhängigkeiten bestehender Zellchemien zu überwinden, damit die Batterietechnik ihr volles Potenzial in allen Sektoren entfalten kann.“

Einordnung und Ausblick

Mit der Validierung der 1.500 Zyklen und der außergewöhnlichen Kälteresistenz erbrachte Integrals Power einen wichtigen Nachweis für die Marktreife seiner LMFP-Technologie. Die Kombination aus hoher Energiedichte, Sicherheit und einer stabilen, westlichen Lieferkette macht das Material zu einer ernstzunehmenden Option für die nächste Generation von Energiespeichern.

Während Unternehmen wie QuantumScape, Blue Solutions und Factorial Energy ‒ letztere in enger Kooperation mit POSCO Future M bei der Materialentwicklung – an der Markteinführung von Feststoffbatterien (Solid-State Battery, SSB) arbeiten, zeigt Integrals Power, welches Potenzial noch in der Optimierung flüssiger Elektrolytsysteme steckt. Das Material positioniert sich damit als leistungsstarke Alternative zur Astroinno-Zelle von Gotion High-Tech, setzt jedoch konsequent auf eine rein westliche Lieferkette. Durch Kooperationen mit Partnern wie Euro Manganese versucht man die Vision einer souveränen Produktion in Europa und Nordamerika zu realisieren. Für die Automobilindustrie und den Verteidigungssektor bedeutet dies, dass die Abhängigkeit von komplexen, asiatischen Lieferketten schneller sinken könnte als bisher angenommen – sofern die industrielle Skalierung in Milton Keynes im geplanten Zeitrahmen gelingt.

Quellen / Weiterlesen

Durability and performance of Integrals Power’s LMFP cells proven in cycle testing by QinetiQ | Renewable Energy Magazine
Integrals Power LMFP cells pass 1,500-cycle test with strong cold performance | Electric Hybrid Vehicle Technology
Bildquelle: © Integrals Power
Prof. Dr. Johann Nagengast
Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.
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