Das britische Unternehmen Integrals Power erhielt staatliche Fördermittel aus dem Wettbewerb „DRIVE35 Scale-up Feasibility Studies“. Mit der finanziellen Unterstützung durch das Advanced Propulsion Centre UK startet nun das Projekt CATMAN. Dieses soll die kommerzielle Skalierung einer heimischen Produktion von Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) sowie manganreichem Lithium-Mangan-Eisen-Phosphat (LMFP) validieren. Ziel ist es, den Herstellungsprozess der aktuellen Pilotlinie mit 20 Tonnen jährlicher Kapazität auf bis zu 1.000 Tonnen zu steigern. Angesichts zunehmender Exportbeschränkungen seitens China und strengerer EU-Ursprungsregeln ab 2027 gewinnt der Aufbau souveräne europäischer Lieferketten für aktive Kathodenmaterialien an Bedeutung.
Überblick: CATMAN von Integrals Power
- Material: LFP und Lithium-Mangan-Eisen-Phosphat (LMFP) mit 80 % Manganteil.
- Vorteil: +20% Energiedichte gegenüber LFP; kobalt- und nickelfrei.
- Performance: 80% Kapazität nach 1.500 Zyklen; 68% Restkapazität bei -30°C Kälte.
- Skalierung: Schrittweise von 20 t/Jahr (Pilot) über 100 t/Jahr (Demo) bis 1.000 t/Jahr (kommerziell).
- Finanzierung: Förderung durch den britischen DRIVE35-Wettbewerb (Advanced Propulsion Centre UK).
- Strategisches Ziel: Unabhängigkeit von China; Erfüllung der EU-Ursprungsregeln ab 2027.
Projekt CATMAN: Der Weg zur 1.000-Tonnen-Anlage
Im Grunde genommen stellt die Förderzusage im Rahmen des DRIVE35-Programms den Übergang von der Forschung hin zur industriellen Produktion dar. Integrals Power betreibt derzeit eine Pilotanlage in Milton Keynes mit einer Kapazität von 20 Tonnen pro Jahr. Mit den neuen Mitteln wird die Machbarkeit einer 100-Tonnen-Demonstrationsanlage geprüft. Letztendlich soll die vollständige technische Bereitschaft (Technology Readiness Level, TRL) für eine kommerzielle Fertigungslinie mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen jährlich erreicht werden.
Nachdem sich das LMFP-Material bereits in unabhängigen Tests durch QinetiQ bewährt hat, muss nun die Skalierbarkeit des Herstellungsprozesses nachgewiesen werden. Laut Hormozi ist diese Validierung essenziell, um eine Fertigung außerhalb Chinas aufzubauen und das notwendige Kapital für den großflächigen Fabrikbau freizuschalten. Dabei arbeitet das Unternehmen bereits eng mit Kunden aus den Sektoren Automobil, Schifffahrt und Verteidigung zusammen, um die Anforderungen an unterschiedliche Zellformate wie Pouch- und Rundzellen zu präzisieren.
„Das Projekt CATMAN wird uns die detaillierten technischen und kommerziellen Belege liefern, die wir benötigen, um zur nächsten Stufe der Skalierung überzugehen und die Investitionen freizusetzen, die für den Bau einer 1.000-Tonnen-Anlage pro Jahr im Vereinigten Königreich erforderlich sind.“ – Behnam Hormozi, Gründer und CEO von Integrals Power.
Validierte Performance unter Extrembedingungen
Damit die neue Zellchemie den hohen Anforderungen der Automobil- und Verteidigungsindustrie standhält, validierten bereits unabhängige Prüfinstitutionen die Leistungsfähigkeit der Materialien. Die Ergebnisse bestätigen dabei, dass die Technologie von Integrals Power eine überdurchschnittliche Belastbarkeit aufweist, die über die derzeitigen Benchmarks hinausgeht.
- Zyklusfestigkeit: Langzeittests des Forschungsunternehmens QinetiQ belegen eine hohe Stabilität über 1.500 Lade- und Entladezyklen (bei einer Rate von 1C). Selbst nach dieser intensiven Nutzung blieben fast 80% der ursprünglichen Kapazität erhalten. Dies garantiert atsächlich eine lange Lebensdauer der Batterien im Feldeinsatz.
- Kälteresistenz: Ein entscheidender Schwachpunkt herkömmlicher LFP-Zellen ist der enorme Leistungsabfall bei niedrigen Temperaturen. Untersuchungen der Cranfield University zeigen auch hier einen signifikanten Vorteil. So behielt das Material von Integrals Power bei -25°C noch 85% und bei -30°C immerhin 68% seiner Kapazität bei.
LMFP-Technologie: Leistungssteigerung durch 80% Mangangehalt
Der technologische Fokus liegt letztendlich auf dem aktiven Kathodenmaterial Lithium-Mangan-Eisen-Phosphat (LMFP), mit dem Integrals Power eine Brücke zwischen herkömmlichen Zellchemien schlägt. Durch einen hohen Mangangehalt von 80% erreicht das Material eine um 20% höhere Energiedichte als Standard-LFP-Batterien und befindet sich somit in der Leistungsklasse von Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC). Zudem bietet diese Chemie einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil, denn LMFP kommen vollständig ohne teures Kobalt und Nickel aus. Dies senkt nicht nur die Materialkosten, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen mit ökologisch oder politisch riskanten Lieferketten.
Strategische Relevanz für den europäischen Markt
Der Aufbau einer lokalen Fertigung ist längst kein optionaler Wettbewerbsvorteil mehr, sondern eine wirtschaftliche Voraussetzung für den europäischen Markt. Grund dafür sind die verschärften EU-UK-Ursprungsregeln ab 2027. Folglich muss ein signifikanter Teil des Wertschöpfungsanteils einer Batterie (bis zu 70%) aus der Region stammen, um 10% Strafzölle zu vermeiden.
Gleichzeitig erhöht sich der Druck durch die geopolitische Lage. Da China den Weltmarkt für LFP- und LMFP-Kathoden nahezu vollständig kontrolliert und bereits Exportbeschränkungen für Materialien sowie Produktions-Know-how eingeführt hat, drohen europäische Fahrzeughersteller den Anschluss zu verlieren. Eine lokalisierte Lieferkette, wie Integrals Power sie anstrebt, ist daher essenziell, um die Versorgungssicherheit und Preisstabilität langfristig zu gewährleisten.
Quellen / Weiterlesen
Bildquelle: © Integrals Power


