Berlin entwickelte sich in den letzten Jahren zum Zentrum für nachhaltige Batterieforschung. Am 19. März 2026 wurde das Berlin Battery Lab (BBL) offiziell eingeweiht, eine gemeinsame Forschungsplattform der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) und der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Im Fokus steht dabei die Entwicklung nachhaltiger Speicherlösungen, insbesondere Natrium-Ionen- und Lithium-Schwefel-Akkus. Durch die Bündelung von Expertise in Materialentwicklung, Zellfertigung und Sicherheitstests möchte man den Transfer von der Grundlagenforschung in die industrielle Anwendung beschleunigen. Darüber hinaus unterstützt auch das Land Berlin das Vorhaben bis 2028 mit rund 2,4 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln.
Das Wichtigste in Kürze: Kennzahlen Berlin Battery Lab (BBL)
- Partner: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) und Humboldt-Universität zu Berlin (HU).
- Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Philipp Adelhelm (HU), Dr. Tim-Patrick Fellinger (BAM), Prof. Dr. Yan Lu (HZB).
- Technik-Fokus: Natrium-Ionen- und Lithium-Schwefel-Batterien.
- Leistungsspektrum: Materialforschung, Zellchemie, Prototypenbau und Sicherheitstests.
- Analytik: Nutzung der Röntgenquelle BESSY II (HZB) für chemische Analysen.
- Förderung: 2,4 Mio. Euro vom Land Berlin (EFRE-Mittel) bis 2028.
- Zielgruppe: Offene Forschungsplattform für Wissenschaft, Industrie und Technologie-Start-ups.
Gebündelte Kompetenzen für nachhaltige Batterietechnologien
Berlin entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem führenden Standort für die Batterieforschung. Nachhaltige Alternativen wie Natrium-Ionen- oder Lithium-Schwefel-Akkus rücken dabei zunehmend in den Fokus. Das Berlin Battery Lab bildet hierfür eine zentrale Plattform und führt die komplementären Stärken der beteiligten Einrichtungen strategisch zusammen.
- BAM: Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bringt international anerkannte Expertise in der Batteriesicherheit, der Regelsetzung und der Erforschung innovativer Energiematerialien ein.
- HU Berlin: Die Humboldt-Universität gilt zudem als eine der führenden akademischen Forschungseinrichtungen speziell im Bereich der Natrium-Ionen-Batterien.
- HZB: Das Helmholtz-Zentrum steuert langjährige Erfahrung bei Lithium-Schwefel-Systemen bei und betreibt mit BESSY II eine der weltweit leistungsfähigsten Röntgenquellen zur Analyse batteriechemischer Prozesse.
Durch den Zusammenschluss entsteht eine Forschungsumgebung, die Grundlagenforschung, Materialentwicklung und Zellfertigung an einem einzigen Standort systematisch bündelt. Dies ist wichtig, um die technologische Souveränität Deutschlands zu stärken und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen wie Lithium oder Kobalt zu reduzieren. Gleichzeitig wird die Resilienz zentraler Wertschöpfungsketten erhöht.
Technologietransfer und industrielle Anwendung im Fokus
Ein Ziel des Berlin Battery Lab ist es, die oft langwierige Phase zwischen Materialforschung und industrieller Nutzung zu überbrücken. Prof. Dr. Ulrich Panne (BAM) erklärt, dass viele innovative Batterietechnologien nicht schnell genug den Weg in die praktische Anwendung finden. Das BBL vereint daher Forschung, Materialentwicklung und Zellbau unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten an einem Standort vereint. Insbesondere Start-ups und technologieorientierte Unternehmen profitieren von der offenen Laborstruktur. Durch den direkten Zugang zur Forschungsinfrastruktur ist es den Akteuren möglich, nachhaltige Innovationen schneller zur Marktreife zu führen und die Wettbewerbsfähigkeit lokal produzierter Batterietechnologien zu stärken. Darüber hinaus sieht Prof. Dr. Julia von Blumenthal, Präsidentin der HU, im BBL vor allem einen entscheidenden Beitrag zur Lösung globaler Energieherausforderungen.
Strategische Förderung und Aufbau der Zellfertigung
Das HZB errichtet im Rahmen des BBL ein neues Pouch-Zellen-Labor für Natrium-Ionen-Batterien. Dies ermöglicht es den Forschenden, neue Zellformate direkt vor Ort unter realitätsnahen Bedingungen zu testen und die Prozesse bis zur industriellen Anwendung zu beschleunigen. Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra betont zudem die Bedeutung dieser Investition für die High-Tech-Agenda des Landes Berlin. Ferner unterstützt das Land die Plattform von 2026 bis 2028 mit rund 2,4 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).
Wissenschaftliche Leitung und fachliche Vernetzung
Die wissenschaftliche Verantwortung für das Berlin Battery Lab liegt in den Händen eines dreiköpfigen Führungsteams: Prof. Dr. Philipp Adelhelm (HU), Dr. Tim-Patrick Fellinger (BAM) und Prof. Dr. Yan Lu (HZB). Im Rahmen der Einweihung erhielt Prof. Dr. Philipp Adelhelm das Wilhelm-Ostwald-Fellowship der BAM. Die Auszeichnung Prof. Dr. Adelhelms Beiträge zur physikalischen Batteriechemie, wobei der Schwerpunkt auf der Natrium-Ionen-Technologie liegt. Diese Besetzung zeigt z.B. deutlich die komplexe interdisziplinäre Zusammenarbeit des Projekts, das Chemie, Materialwissenschaften und Physik miteinander verknüpft.
Durch die Kooperation der drei Institutionen am Standort Berlin wird somit notwendiges Fachwissen gebündelt, um die gesamte Wertschöpfungskette – von der grundlegenden Materialstruktur bis zum fertigen Batterieprototypen – abdecken zu können. Letztendlich ist dies für die globale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Natrium-Ionen-Technologie und nachhaltigen Energiespeicher nicht nur vorteilhaft, sondern unerlässlich.
Quellen / Weiterlesen
Berlin Battery Lab: BAM, HZB und HU forschen gemeinsam an Natrium-Batterien | HZB
Bildquelle: © Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)


