POSCO Future M, Tochtergesellschaft des südkoreanischen Schwerindustrie-Konzerns POSCO, beteiligt sich mit rund 34,5 Mio. USD am US-Batteriespezialisten Factorial Energy. Das Investment soll die Materialversorgung und Produktionskapazitäten für die nächste Generation von Energiespeichern absichern. Im Zentrum steht die Entwicklung der sulfidbasierten Solstice-Festkörperbatterie, die durch eine höhere Energiedichte und mehr Sicherheit herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus übertrifft. POSCO Future M liefert hierfür hoch-nickelhaltige NCM-Kathodenmaterialien, deren Oberflächenbeschichtung (Coating) speziell auf die Sulfid-Grenzflächen der Solstice-Zellen optimiert wurde. Derzeit werden diese in der Pilotanlage im südkoreanischen Cheonan validiert. Darüber hinaus arbeitet Factorial bereits mit Automobilherstellern in Asien, Europa und Nordamerika zusammen und plant künftig einen Börsengang in den USA.
Factorial Energy & POSCO-Beteiligung: Das Wichtigste in Kürze
- Investment: POSCO finanziert rund 34,5 Mio. USD zur Skalierung der Produktion.
- Technik: Factorial liefert das Design für Batterien mit fester Anode (Solstice); POSCO steuert die passgenauen Kathodenmaterialien bei.
- Sichere Lieferketten: Direkter Zugriff auf POSCOs Rohstoffquellen und eigene Komponentenfertigung zur Absicherung der Großserie.
- Validierung: Tests der Grenzflächenstabilität und Zyklenfestigkeit in der Pilotanlage Cheonan für OEM-Partner (Mercedes-Benz, Stellantis, Hyundai).
- Skalierung: Vorbereitung des US-Börsengangs (SPAC-Fusion) Mitte 2026; Aufbau großer Fabriken.
Strategische Partnerschaft und Marktpositionierung
Die aktuelle Beteiligung baut auf einer bereits im Dezember 2025 unterzeichneten Absichtserklärung (MOU) zwischen Factorial und POSCO auf. Dabei lag der Fokus in dieser ersten Phase auf der gemeinsamen Erforschung und Entwicklung von Kathodenmaterialien, um die technische Basis für die Solstice-Zellen zu schaffen. Durch die Kapitalbeteiligung festigt festigt POSCO Future M nun seine Rolle als strategischer Partner und globaler Zulieferer. Der südkoreanische Konzern reagiert damit auf das erwartete Marktwachstum bei Festkörperbatterien (All-Solid-State Batteries, SSB) und sichert sich frühzeitig den Zugriff auf innovative Zelltechnologien.
Für Factorial Energy bedeutet der Einstieg vor allem finanzielle Stabilität und den direkten Zugriff auf eine skalierbare Rohstoff-Lieferkette. Das US-Start-up profitiert von POSCOs industrieller Fertigungstiefe und Logistiknetzwerk, weil der Konzern die gesamte Wertschöpfungskette kontrolliert – vom Rohstoff bis zur fertigen Komponente. Zudem dient das Kapital dazu, die Materialversorgung für die Serienfertigung abzusichern und die Produktionskapazitäten signifikant zu erweitern. Durch bestehende Kooperationen mit Herstellern in Nordamerika, Europa und Asien ‒ wie z.B. Mercedes-Benz, Stellantis und Hyundai ‒ bereiten die Partner nun den globalen Serieneinsatz der Feststofftechnologie vor.
Materialexpertise trifft auf Festkörper-Architektur
In der Pilotanlage in Cheonan wird derzeit die „Solstice“-Plattform validiert. Factorial liefert das Design für Batterien mit anodenfreier Konfiguration oder Lithium-Metall-Anode, während POSCO Future M die passgenauen Kathoden mit spezieller Oberflächenbeschichtung (Coating) beisteuert. Diese Beschichtung ist wichtig, um die chemische Stabilität an den Sulfid-Grenzflächen zu gewährleisten – eine der größten technischen Hürden bei Feststoffakkus. In gemeinsamen Tests zeigten die Materialien von POSCO eine höhere Zyklenfestigkeit und bessere Grenzflächenstabilität als die Produkte anderer Zulieferer. POSCO Future M kontrolliert dabei die chemische Reinheit der Materialien bereits ab der Rohstoffaufbereitung, um die hohen Anforderungen der Solstice-Architektur zu erfüllen.
Als derzeit einziger koreanischer Produzent, der sowohl Kathoden- als auch Anodenmaterialien in Serie fertigt, nutzt POSCO diese Marktposition, um die industrielle Skalierung der Festkörpertechnik voranzutreiben. Daher erweitert der Konzern sein Portfolio innerhalb der Gruppe konsequent um weitere Schlüsselkomponenten für Feststoff-Systeme:
- Sulfidbasierte Festelektrolyte: Ersatz brennbarer Flüssigelektrolyte durch feste Sulfid-Verbindungen zur Optimierung der ionischen Leitfähigkeit und Erhöhung der thermischen Sicherheit.
- Hochenergetische Anodenmaterialien: Fokus auf Silizium- und Lithium-Metall-Verbindungen zur Steigerung der spezifischen Kapazität und Reduktion des Zellgewichts.
Ausblick: Robotik und SPAC-Fusion
In Zukunft sollen die Kooperationen mit Automobilherstellern das Kerngeschäft bleiben, dennoch haben die beiden Unternehmen auch andere Anwendungsbereiche im Visier. Neben der Elektromobilität ist der Einsatz der Solstice-Technologie auch in der Robotik und in humanoiden KI-Systemen vorgesehen. Das Design der Festkörperzellen ermöglicht hohe Leistungsdichten bei geringem Platzbedarf, was wiederum die Anforderungen dieser Einsatzgebiete erfüllt. Nicht nur aufgrund ihrer kompakten Bauweise, sondern auch wegen ihrer Sicherheit eignet sich die Solstice-Plattform ideal für physische KI-Anwendungen.
Nichtsdestotrotz scheint es, als ob die Fokussierung auf die Robotik ein Notausgang ist, falls die Integration in den preissensiblen Automobilsektor scheitert. Gelingt es POSCO nicht, das Coating auf atomarer Ebene zu stabilisieren, droht die Zelle vorzeitig zu altern – was die Serienfertigung und den wirtschaftlichen Erfolg unmittelbar gefährdet.
POSCOs Rolle für den geplanten US-Börsengang
Die Kapitalbeteiligung durch POSCO stärkt zudem die Marktposition von Factorial Energy im Hinblick auf die weitere Expansion. Tatsächlich plant das Unternehmen künftig einen Börsengang in den USA (via SPAC-Fusion mit Cartesian Growth Corporation III), um die notwendigen Mittel für den Aufbau großflächiger Produktionsanlagen einzuwerben. Die Partnerschaft mit einem etablierten Schwerindustrie-Riesen wie POSCO gilt dabei als wichtiges Signal für potenzielle Investoren an der Wall Street.
Der geplante Nasdaq-Börsengang via SPAC bleibt trotz der POSCO-Beteiligung ein riskantes Manöver. Da das Kapital keine Bindung an das Unternehmen hat und Investoren ihre Einlagen kurz vor der Fusion zurückziehen können (Redemption-Risiko), steht Factorial oft vor einer unsicheren Finanzierung. Durch die Beteiligung von POSCO versucht Factorial, dieses Risiko zu minimieren. Der direkte Zugriff auf POSCOs bestehende Fabriken und die bereits validierte Kathoden-Produktion soll Anlegern zeigen, dass Factorial nicht erst mühsam eigene Lieferketten aufbauen muss, sondern sofort massentaugliche Batterien produzieren könnte.
Quellen / Weiterlesen
POSCO FutureM Invests in US-based Factorial to Lead the All-Solid-State Battery Market | POSCO Future M
Posco Future M Backs Factorial Energy Solid-State Batteries | Battery Tech
Posco Future M invests in U.S. ‚dream battery‘ company Factorial Energy | Korea JoongAng Daily
Bildquelle: © POSCO FUTURE M


