TotalEnergies und BayWa: Verkauf der Ladesparte in Deutschland?

TotalEnergies und BayWa planen den Verkauf ihres Ladesäulengeschäfts in Deutschland. Welche Auswirkungen hat dies auf das Deutschlandnetz?

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Nachdem TotalEnergies bereits 2023 sein Tankstellennetz veräußerte, steht nun offenbar auch das Geschäft mit Ladesäulen zum Verkauf. Derzeit prüft der französische Energiekonzern die Veräußerung seiner deutschen Ladesparte, die wiederum im Rahm des Deutschlandnetzes zahlreiche Standorte umfasst. Zeitgleich bestätigt der angeschlagene Agrarkonzern BayWa, sich im Zuge einer umfassenden Sanierung von seiner Tochter BayWa Mobility Solutions zu trennen. Dieser mögliche Rückzug zweier prominenter Akteure wirft aktuell Fragen zur Rentabilität und zur weiteren Dynamik beim Ausbau der deutschen Schnellladenetze auf.

Überblick: Status TotalEnergies Ladeinfrastruktur 2026

  • Unternehmen: TotalEnergies (Sondierung) und BayWa (bestätigter Verkauf).
  • Portfolio TotalEnergies: Ca. 190 Ladeparks (davon aktuell ein Drittel in Betrieb).
  • Deutschlandnetz: Zuschlag für ca. 1.100 HPC-Ladepunkte (TotalEnergies); ein Los mit 20 Standorten (BayWa).
  • Förderung: Staatliche Mittel in dreistelliger Millionenhöhe im Verkaufspaket enthalten.
  • Wirtschaftlichkeit: EBITDA-Ziel für 2027 angesetzt; operative Sparte bisher defizitär.
  • Käufer-Status: Roland Berger mit Suche beauftragt; Circle K (Couche-Tard) erteilte Absage.
  • Besonderheit: Käufer übernimmt Bau- und Betriebsverpflichtungen sowie die langfristige Netzbindung.
  • Strategiekontext: Teilverkauf von 50% des Batteriespeicher-Portfolios an AllianzGI im März 2026.

Strategiewechsel bei TotalEnergies: Sondierungen im deutschen Lademarkt

Der Energiekonzern TotalEnergies prüft derzeit den Verkauf seines Ladesäulengeschäfts in Deutschland und bereitet scheinbar den Rückzug aus dem deutschen Lademarkt vor. Berichten zufolge hat TotalEnergies die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, potenzielle Käufer für das bundesweite Ladesäulengeschäft zu finden. Offiziell spricht das Unternehmen von Markt-Sondierungen, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

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Inbegriffen sind bei dem Verkauf rund 190 Ladeparks, von denen sich derzeit jedoch erst ein Drittel in Betrieb befinden. Ein entscheidender Teil des Angebots sind zudem staatliche Fördergelder in dreistelliger Millionenhöhe, die für die noch zu errichtenden Standorte reserviert sind. Wirtschaftlich operiert die Sparte „TotalEnergies Charging Solutions“ bisher in der Verlustzone; ein positives EBITDA wurde intern erst für das Jahr 2027 angestrebt.

Kontext: Teilverkauf des Batteriespeichernetzes mit 800 MW

Dass TotalEnergies seine Strategie in Deutschland nun anpasst, zeigt auch eine offizielle Meldung vom März 2026, denn der Konzern verkaufte 50% seiner Anteile an einem deutschen Batteriespeicher-Portfolio mit einer Leistung von 800 MW (1.628 MWh) an Allianz Global Investors.

Die Partnerschaft umfasst 11 Großprojekte der Tochter Kyon Energy mit einem Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Euro. TotalEnergies bleibt zwar für die Betriebsführung zuständig, reduziert durch den Teilverkauf aber das gebundene Kapital und das finanzielle Risiko. Dieses Vorgehen folgt dem Ziel, die Profitabilität im Stromsektor zu steigern – ein Modell, das nun auch für die Ladeinfrastruktur (Charging Solutions) angewendet werden könnte.

Vom Tankstellenverkauf zum Stopp der Elektromobilität?

Dieser Schritt wird als potenzielle Kehrtwende in der Konzernstrategie angesehen. Erst Anfang 2023 verkaufte TotalEnergies sein gesamtes deutsches Tankstellennetz für über drei Milliarden Euro an das kanadische Unternehmen Couche-Tard (Circle K). Damals lautete die Begründung, man wolle sich in Märkten ohne Marktführerschaft voll auf Wasserstoff und elektrische Ladestationen konzentrieren.

Doch dies änderte sich schnell, denn Konzernchef Patrick Pouyanné deutete bereits im September 2025 an, dass die Ausgaben im Ladebereich stärker an das tatsächliche Tempo der Marktdurchdringung von Elektroautos angepasst werden müssten. Auch die Beteiligung am Batteriezell-Konsortium ACC (gemeinsam mit Stellantis und Mercedes-Benz) steht aufgrund hoher Kosten und unsicherer Absatzprognosen unter Beobachtung.

Strategische Neuausrichtung und das Erbe des Deutschlandnetzes

Ein Verkauf ist jedoch komplex, da TotalEnergies ein wichtiger Akteur im sogenannten Deutschlandnetz ist. Das Unternehmen sicherte sich Zuschläge für rund 1.100 Schnellladepunkte, verteilt auf drei Regionallose und diverse Autobahn-Standorte. Ein potenzieller Käufer müsste nicht nur die Standorte übernehmen, sondern auch alle damit verbundenen Verpflichtungen: Fristgerechte Inbetriebnahme der noch geplanten Parks, Einhaltung der langfristigen Netzbindung und Übernahme der strengen Service-Auflagen des Bundes.

Folglich ist der Kreis der Interessenten dabei überschaubar. Circle K, der natürliche Nachfolger an den Tankstellenstandorten, hat bereits abgelehnt. Das Unternehmen konzentriert sich aktuell auf die Modernisierung der Shops und scheut hohe Zusatzinvestitionen in die Ladehardware.

BayWa Mobility Solutions: Verkauf unter Sanierungsdruck

Nicht nur TotalEnergies sucht nach einem Ausstieg, denn auch beim Münchner Agrar- und Mischkonzern BayWa ist der Verkauf der Ladesparte bereits beschlossene Sache. Nach größeren Managementfehlern steht im Rahmen einer umfassenden Konzernsanierung die Tochtergesellschaft BayWa Mobility Solutions zum Verkauf.

Die BayWa ist ebenfalls im Deutschlandnetz vertreten, wenn auch in kleinerem Umfang (ein Los mit 20 Standorten). Hinzu kommen zahlreiche Ladesäulen auf dem Gelände ländlicher BayWa-Tankstellen. Während TotalEnergies strategisch neuausrichtet, ist der Verkauf bei der BayWa eine rein finanzielle Notwendigkeit zur Rettung des Gesamtkonzerns.

Aussichten für die Ladeinfrastruktur in Deutschland

Dass zwei große Branchenakteure Verkaufsabsichten hegen zeigt, dass sich der Markt aktuell in einer Phase der Marktkonsolidierung befindet. Die hohen Investitionskosten und die im Vergleich zu den Prognosen langsamere Auslastung der Infrastruktur zwingen selbst größere Konzerne dazu, ihre Ambitionen neu zu bewerten. Für das Deutschlandnetz bedeutet dies eine Phase der Unsicherheit, da die Kontinuität beim Aufbau der Standorte nun von der Finanzkraft und dem Atem neuer Investoren abhängt. Da die Zuschläge an strikte Bedingungen geknüpft sind, müssen neue Investoren nicht nur das nötige Kapital für den weiteren Ausbau aufbringen, sondern auch die langfristigen Betriebs- und Serviceverpflichtungen des Bundes garantieren.

Quellen / Weiterlesen

TotalEnergies und BayWa prüfen Verkauf von Lade-Geschäft | Electrive
TotalEnergies startet Partnerschaft mit AllianzGI für Batteriespeicher mit 800 MW in Deutschland | TotalEnergies
AllianzGI geht Partnerschaft mit TotalEnergies ein und investiert in Batteriespeicherprojekte mit einer Leistung von ca. 800 MW in Deutschland | Allianz Global Investors
Total Energies will alle Ladesäulen in Deutschland verkaufen | The Pioneer
Bildquelle: © TotalEnergies

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