EWE Go und HOCHTIEF nahm direkt an der Autobahn A28 und dem Bahnhof Oldenburg-Wechloy einen neuen HPC-Schnellladepark mit 12 Ladepunkten in Betrieb. Ausgestattet mit den Alpitronic Hyperchargern bietet der Standort Ladeleistungen von bis zu 400 kW, wodurch sich Elektroautos in unter 30 Minuten aufladen lassen. Somit profitieren E-Autofahrende nicht nur von einer spürbar besseren regionalen Ladeinfrastruktur, sondern sparen auch Zeit an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms Deutschlandnetz und kombiniert eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach mit einer dynamischen Echtzeit-Lastverteilung, um das örtliche Stromnetz vor Überlastungen zu schützen.
Details: EWE Go und HOCHTIEF HPC-Ladepark in Oldenburg
- Standort: Oldenburg-Wechloy (direkt an der Autobahn A28, Bahnhof neben Famila Einkaufsland).
- Kapazität: 12 Alpitronic Schnellladepunkte mit bis zu 400 kW pro Ladesäule.
- Ladezeit: Unter 30 Minuten für einen vollständigen Ladevorgang.
- Netzwerk: Offizieller Bestandteil des bundesweiten Deutschlandnetzes.
- Energiemanagement: Dynamische Lastverteilung in Echtzeit via Software „Okean“ (be.storaged).
- Nachhaltigkeit: Überdachung mit 270 m² Solar-Panels, 11 t Holz und CO₂-reduziertem Beton (Bosch Beton/RSB).
- Infrastruktur: Projekt von EWE Go und HOCHTIEF; Ziel rund 850 Ladepunkten bis Ende 2027.
Zentrale Verkehrsanbindung in Oldenburg
Für EWE Go stellt das Projekt den bislang größten überdachten Ladepark in der eigenen Heimatstadt dar. Der neue Standort an der Autobahnabfahrt 9 (Oldenburg-Wechloy) der A28 schließt eine wichtige infrastrukturelle Lücke für den überregionalen Transitverkehr und den regionalen Pendlerstrom. Die A28 fungiert als direkte Verkehrsader zwischen Bremen und Ostfriesland mit den Knotenpunkten Leer und Emden. Folglich passieren Urlauber und Pendler aus dem Bremer Raum oder dem südlichen Niedersachsen diesen Abschnitt – meist auf dem Weg an die Nordseeküste sowie in Richtung Groningen und die Niederlande.
Zudem verläuft die Ammerländer Heerstraße (L 824) unmittelbar neben dem Ladepark. Als Haupteinflugschneise für das westliche Umland, wie das Ammerland und Bad Zwischenahn, führt sie täglich Tausende Berufspendler, Studenten und Mitarbeiter der angrenzenden Carl von Ossietzky Universität sowie Kunden des Famila Einkaufslandes an den Ladepunkten vorbei.
Technische Ausstattung und Energiemanagement
Die installierten High-Power-Charging-Säulen (HPC) stellen eine maximale Ladeleistung von bis zu 400 kW bereit. Damit verkürzt sich der Ladevorgang bei entsprechend fahrzeugseitiger Kapazität auf unter 30 Minuten. Um die hohe Gesamtleistung des Parks stabil und effizient zu steuern, kommt ein intelligentes Energiemanagement-System zum Einsatz. Dabei verteilt die Software „Okean“ des EWE-Tochterunternehmens be.storaged die am Netzknotenpunkt verfügbare Leistung dynamisch und in Echtzeit auf die genutzten Ladepunkte. Dadurch werden Lastspitzen im lokalen Stromnetz vermieden, während gleichzeitig die maximale Ladeenergie für die Elektrofahrzeuge bereitgestellt wird.
Nachhaltiges Baukonzept und beteiligte Partner
Bei der Errichtung des Ladeparks stand u.a. die Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks der Baustoffe im Vordergrund. Insgesamt wurden für den Park rund 3.000 Meter Kabel verlegt, 11 Tonnen nachhaltiges Holz verbaut und eine 270 Quadratmeter große Dachkonstruktion montiert. Die Fundamente des Ladeparks wurden vom niederländischen Spezialisten Bosch Beton gefertigt, der auf eine emissionsreduzierte Betonproduktion setzt. Darauf baut die Dachkonstruktion der RSB Rudolstädter Systembau GmbH auf, die aus nachhaltigem Holz und CO₂-reduziertem Beton besteht. Für die integrierte Energieerzeugung sorgen in Deutschland produzierte Photovoltaikmodule auf dem Dach, die den erzeugten Solarstrom direkt in das lokale System der Station einspeisen.
Strategische Einordnung: Das Deutschlandnetz
Das Projekt in Oldenburg ist Teil des sogenannten Deutschlandnetzes, wobei das Bundesministerium für Verkehr hierfür bundesweit fast 9.000 Schnellladepunkte an rund 1.000 Standorten ausgeschrieben hatte, um eine flächendeckende HPC-Infrastruktur abseits der reinen Autobahn-Raststätten zu gewährleisten.
EWE Go und HOCHTIEF erhielten Ende 2023 den Zuschlag für die Regionen Nord-West und West. Bis Ende 2027 wird das Konsortium rund 850 Schnellladepunkte realisieren. Dabei übernimmt EWE Go die technische Umsetzung und den Betrieb, während HOCHTIEF die Planung und den Tiefbau verantwortet. Der Grundstein für diese gemeinsame Infrastruktur-Initiative wurde mit dem Ladepark in Oer-Erkenschwick gelegt, wo man die ersten gemeinsamen Schnellladepunkte in Betrieb nahm. Aktuell sind bereits über 30 dieser Standorte am Netz, doch bis Ende des Jahres sollen es rund 60 sein. Der Fokus liegt dabei gezielt auf kleinen und mittelgroßen Städten sowie urbanen Randlagen.
Stimmen zur Eröffnung und Ausblick auf die Mobilität
Im Rahmen der offiziellen Inbetriebnahme betonten die Projektbeteiligten die Bedeutung des Infrastrukturausbaus. Christian Friege, Marktvorstand der EWE AG, verwies in diesem Kontext auf das übergeordnete Investitionsprogramm des Konzerns. Demnach sollen in den kommenden Jahren mehr als 16 Milliarden Euro in den Umbau der Energieversorgung fließen – unter anderem in erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur, Wasserstoff, Großspeicher, Wärmenetze und Elektromobilität. Dies stärke vor allem die regionale Resilienz und verringere die Abhängigkeit von fossilen Importmärkten.
Piotr Soltyski, Geschäftsführer von HOCHTIEF Ladepartner, hob hervor, dass die Mobilitätswende zwingend an eine leistungsfähige bauliche Infrastruktur gekoppelt ist. Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann ergänzte zudem, dass der Park die Lebensqualität vor Ort verbessere und die Stadt fit für die Zukunft mache.
Ausblick des Zukunftsforschers Tristan Horx
Darüber hinaus skizzierte der Zukunftsforscher Tristan Horx in einer anschließenden Podiumsdiskussion mit den Geschäftsführern Ilker Akkaya (EWE Go) und Dirk Ortkemper (HOCHTIEF) den strukturellen Wandel. So hieß es, dass die Mobilität der Zukunft nicht mehr in isolierten Kategorien wie Auto oder Bahn gedacht werden dürfe, sondern situativ und vernetzt funktioniere. Fahrzeuge entwickeln sich dabei zunehmend zu mobilen Softwareplattformen, die als integraler Bestandteil in das gesamte Energiesystem eingebunden werden müssen.
„Dieser Ladepark ist einmal mehr ein Symbol für eine zukunftsgerichtete Mobilität. Der wichtigste Wandel ist jedoch ein Mentalitätswandel, Technologie allein reicht nicht. Die Zukunft ist nicht entweder Auto oder Bahn. Mobilität wird situativ, hybrid, vernetzt und nutzerzentriert. Dabei wird Mobilität Teil des gesamten Energiesystems, Fahrzeuge entwickeln sich mehr und mehr zu rollenden Softwareplattformen.” – Tristan Horx, Zukunftsforscher.
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Bildquelle: © EWE Go


