Im zweiten Halbjahr 2025 wurden in Deutschland deutlich mehr öffentliche Ladepunkte in Betrieb genommen. Besonders das Netz an Schnellladestationen vergrößerte sich in diesem Zeitraum spürbar. Laut aktuellem Lademarkt-Report II.2025 des Datenanbieters elvah stieg die Nutzung der öffentlichen Ladesäulen im zweiten Halbjahr um 25%, wobei insgesamt 35,8 Millionen Ladevorgänge registriert wurden. Dabei nutzte man hochgerechnet 909 Gigawattstunden (GWh). Trotz des bundesweiten Aufwärtstrends zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Während Metropolen wie Berlin und Hamburg bei der Nutzung vorangehen, verzeichnen Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern (+27%) und das Saarland die höchsten Zuwachsraten beim Infrastrukturausbau. Betreiber setzen nun verstärkt auf Preisaktionen, um die Auslastung der neuen Standorte gezielt zu steuern.
Das Wichtigste in Kürze zu regionalen Unterschieden beim Laden
- Ladevorgänge: 35,8 Mio. (plus 25% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025).
- Nutzung: Höchste Dichte in Hamburg (0,67 pro Kopf); NRW absolut vorne (7,14 Mio. Vorgänge).
- HPC-Ausbau: Stärkster Zuwachs an Schnellladepunkten in Berlin (28,7%) und im Saarland (28,2%).
- Marktführer: EnBW dominiert das HPC-Segment in 14 von 16 Bundesländern.
- Flotten: Hamburger E-Taxi-Pflicht seit Januar 2025 steigert die lokale Auslastung massiv.
- Wettbewerb: Shell Recharge und Pfalzwerke gewinnen Anteile; ALDI Süd und Fastned verlieren.
Nutzung öffentlicher Ladesäulen steigt um 25%
Im zweiten Halbjahr 2025 stieg die Zahl der öffentlichen Ladevorgänge in Deutschland auf 35,8 Millionen. Das entspricht einem Zuwachs von 25% gegenüber dem ersten Halbjahr. Während der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur (HPC) vor allem in Berlin (+28,7%) und im Saarland (+28,2%) voranschritt, zeigt die tatsächliche Nutzung der öffentlichen Ladeinfrastruktur starke regionale Unterschiede. Hamburg verzeichnet mit 0,67 Ladevorgängen pro Einwohner die höchste Auslastung, während Nordrhein-Westfalen mit 7,14 Millionen Vorgängen den größten Gesamtmarkt bildet.
Bayern, Baden-Württemberg und NRW im Vergleich
Nordrhein-Westfalen und die südlichen Bundesländer erzielen bei den Ladevorgängen die bundesweit höchsten Marktwerte, weisen jedoch bei der Infrastrukturdichte und dem Ausbautempo der Schnellladepunkte deutliche Unterschiede auf.
- Nordrhein-Westfalen: Mit 7,14 Millionen Ladevorgängen bleibt NRW der absolut größte Lademarkt Deutschlands. Mit 0,40 Ladevorgängen pro Einwohner liegt das Land leicht über dem Bundesdurchschnitt (0,39).
- Bayern: Der Freistaat registrierte 6,8 Millionen Ladevorgänge. Besonders dynamisch entwickelte sich hier die Infrastruktur: Die Zahl der aktiven HPC-Ladepunkte stieg innerhalb von sechs Monaten um 19,7%. Mit 0,51 Ladevorgängen pro Kopf liegt Bayern deutlich über dem Schnitt.
- Baden-Württemberg: Hier wurden 5,6 Millionen Ladevorgänge gezählt. Dabei wuchs der Bestand an Schnellladepunkten innerhalb von 6 Monaten um 15,7%. Die Nutzungsrate liegt mit 0,49 Ladevorgängen pro Einwohner knapp hinter Bayern.
Stadtstaaten Berlin und Hamburg
Obschon Berlin beim Schnellladen ein überdurchschnittliches Ausbautempo von 28,7% verzeichnet, liegt die Hauptstadt bei der Pro-Kopf-Nutzung lediglich im bundesweiten Mittelfeld. Im Gegensatz dazu weist Hamburg die höchste Auslastung in ganz Deutschland auf. Somit entfallen in der Hansestadt nämlich 0,67 Ladevorgänge auf jeden Einwohner. Dieser Spitzenwert wird maßgeblich durch die zunehmende Elektrifizierung von Taxi- und Carsharing-Flotten vorangetrieben. Zusätzlich wirkt hier das seit dem 1. Januar 2025 geltende Verbot für neue Taxis mit Verbrennungsmotor als unterstützender Faktor, weshalb die Nachfrage an der öffentlichen Infrastruktur dort besonders hoch ist.
Dynamik in Ostdeutschland und kleineren Bundesländern
Selbst wenn die absolute Nutzung in den östlichen Bundesländern aktuell noch unter dem Niveau der westdeutschen Regionen liegt, zeigt sich dort trotzdem eine besonders hohe Dynamik beim Ausbau der Infrastruktur. Darüber hinaus verzeichnen auch kleinere Bundesländer wie z.B. das Saarland im Westen Deutschlands überdurchschnittliche Wachstumsraten.
- Mecklenburg-Vorpommern: Zuwachs bei AC- und HPC-Ladepunkten um jeweils 27%.
- Sachsen-Anhalt: Steigerung der aktiven Schnellladepunkte um 24%.
- Saarland: Hier wuchs die Infrastruktur besonders schnell – AC-Punkte legten um 21,1% zu, HPC-Punkte sogar um 28,2%.

Wettbewerb der Betreiber: EnBW festigt Marktführerschaft
Im Bereich der Schnellladestationen mit über 130 kW Leistung bleibt die EnBW der dominierende Ladesäulenbetreiber (CPO) und führt in 14 von 16 Bundesländern den Markt an. Lediglich in Hamburg und Thüringen konnten lokale Anbieter diese Position streitig machen.
- HPC-Spitzengruppe: Aral Pulse, Ionity (Platz 2 und 3) und EWE Go (Platz 4) halten ihre Marktanteile stabil.
- Gewinner und Verlierer: Shell Recharge und die Pfalzwerke verzeichnen deutlichen Zuwachs, wohingegen ALDI Süd, Fastned und E.ON Drive Infrastructure Marktanteile verloren.
- AC-Segment: Dieser Bereich bleibt fragmentiert und regional geprägt. Während vaylens sowie die Stadtwerke Berlin und Düsseldorf stabil führen, verdrängten die Aufsteiger eze.network und ChargePoint Germany die Stadtwerke München und LichtBlick aus den Top 10.
Strategiewechsel: Von der Verfügbarkeit zur Auslastung
Laut der elvah-Analyse tritt der Lademarkt aktuell in eine neue Phase ein, denn erstmals steigt die Nutzung der Infrastruktur synchron zum Netzausbau. Dies zeigt sich vor allem im Bereich der Schnelllader. Ceren Ahiska, Chief Product Officer bei elvah, betont daher, dass der Fokus künftig verstärkt auf Standortqualität und betrieblicher Effizienz liegen muss. Um die Wirtschaftlichkeit zu steigern, setzen Betreiber zunehmend auf gezielte Preisaktionen und Promotions. Dadurch lässt sich die Auslastung präzise entlang der regionalen Nachfrage steuern. In diesem reifenden Markt wird die datenbasierte Steuerung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Quellen / Weiterlesen
Bildquelle: CCNull – Marco Verch


