Das Schweizer Unternehmen H55 beendete erfolgreich die EASA-überwachte Prüfung seiner speziell für die elektrische Luftfahrt entwickelten Batteriemodule. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Hochenergie-Lithiumbatterien selbst bei einem Zellbrand (Thermal Runaway) sicher funktionieren. Das System verhindert aktiv, dass ein Brand auf benachbarte Zellen übergreift. Statt Prototypen prüfte man Module aus der regulären Serienfertigung. Dank bestehender EASA-Zulassungen für Design (DOA) und Produktion (POA) sind die Ergebnisse direkt auf die spätere Produktion übertragbar. Das System überwacht jede Zelle einzeln und macht das Brandrisiko somit kalkulierbar. Mit 2.000 unfallfreien Flugstunden und der FAA-Anerkennung sind die Module nun bereit für den Einsatz in internationalen Trainingsflugzeugen und hybriden Regionalmaschinen.
Das Wichtigste zur H55-Zertifizierung:
- Sicherheit: Erfolgreiches Containment auf Modulebene; verhindert Brand benachbarter Zellen.
- Testobjekt: Module aus regulärer Serienfertigung statt Prototypen dank EASA-Zulassungen.
- Validierung: Über 2.000 unfallfreie elektrische Flugstunden Praxiserfahrung.
- Markt: Gegenseitige EASA- und FAA-Anerkennung beschleunigt Zulassung in Europa und USA.
- Skalierung: Modulares EPS für Flieger bis 19 Sitze bei angestrebter Energiedichte von 300 Wh/kg.
Kalkulierbare Sicherheit für Investoren und Versicherer
Durch die Integration von Überwachung und Redundanz auf Zellebene wird die Batterie von einem bislang schwer kalkulierbaren Risiko zu einem transparenten, bewertbaren System. Dabei erfasst eine aktive Schutzarchitektur kontinuierlich in Echtzeit Spannung, Temperatur und Stromstärke jeder einzelnen Zelle. Bei einer Fehlfunktion kann das System die betroffene Zelle sofort vom restlichen Batteriepack isolieren, was die Entstehung von Rauch oder Flammen verhindert und den sicheren Weiterbetrieb der übrigen Module gewährleistet. Dies ist ein entscheidender Faktor für Hersteller, Betreiber, Versicherungen und Investoren, um elektrische Antriebssysteme industriell zu skalieren. H55 verfügt aktuell in diesem Bereich als einziges Unternehmen sowohl über eine Design Organisation Approval (DOA) als auch über eine Production Organisation Approval (POA) der EASA.
Zertifizierte Serienfertigung statt Prototypen
Die sechsmonatige Testkampagne umfasste über 100 Testobjekte, die unter Worst-Case-Bedingungen geprüft wurden. Dabei wurden die Prüfungen nicht mit Labormustern, sogenannten Prototypen, durchgeführt, sondern mit seriennahen Modulen aus zertifizierten Produktionslinien. Das Schweizer Unternehmen H55 ging aus dem technologischen Spin-off des Weltumrundungsprojekts Solar Impulse hervor. Damals umrundete 2015/16 erstmals ein bemanntes Solarflugzeug die Erde, um das Potenzial nachhaltiger Technologien unter Extrembedingungen zu demonstrieren. Das Hauptproblem war das Gewicht, denn man konnte keine schweren Metallgehäuse zum Brandschutz transportieren. Deswegen entwickelte man ein System, das auf intelligenten, leichtgewichtigen Phasenwechselmaterialien basiert. Diese Materialien saugen Hitze passiv auf, anstatt sie nur mechanisch einzusperren. Dieses Wissen nutzte H55 für die Entwicklung seiner aktuellen Hochenergie-Lithiumbatterien.
Internationale Zulassung und industrielle Anwendung
Durch die Zusammenarbeit zwischen der EASA und der US-Luftfahrtbehörde FAA werden die Ergebnisse gegenseitig anerkannt. Dies verkürzt die Zulassungsverfahren auf dem nordamerikanischen Markt erheblich. Die zertifizierten Batteriemodule kommen nun in einer neuen Generation von Elektroflugzeugen zum Einsatz – von vollelektrischen Trainingsmaschinen für die Pilotenausbildung bis hin zu hybriden Regionalflugzeugen für den Kurzstreckenverkehr.
Die erfolgreich abgeschlossene Testkampagne bildet die Basis für mehrere laufende Industrieprogramme, bei denen das elektrische Antriebs- und Speichersystem für die Luftfahrt (EPS – Electric Propulsion Systems) als Kerntechnologie dient. Demzufolge wird sie bereits für die Umrüstung von 80 Piper Archer Trainingsflugzeugen des Anbieters CAE genutzt, aber auch für größere Flugzeugkategorien ist das System ausgelegt. Im Rahmen der CS-23-Zertifizierung können die Batterien in Maschinen mit bis zu 19 Sitzen zum Einsatz kommen, wie etwa im Hybrid-Projekt der Dash 8 von Pratt & Whitney Canada oder beim Elektro-Trainer Bristell B23 Energic von BRM Aero.
Skalierung durch modulare Architektur und Ausblick
Dank des patentierten Designs können Hersteller die bereits zertifizierte Architektur auf verschiedene Elektroflugzeuge-Modelle übertragen. Letztendlich reduziert dies die Entwicklungskosten und das Zulassungsrisiko für neue Projekte, da nicht für jede Plattform eine Neuentwicklung vorgenommen werden muss. H55 plant dabei, die Energiedichte künftig auf bis zu 300 Wh/kg zu steigern, um auch schwerere Flugzeugklassen effizient zu bedienen. Da die finale Dokumentation nun im ersten Quartal 2026 bei der EASA eingereicht wird, ist der Weg für die erste kommerzielle Nutzung in diesem Jahr geebnet.
Quellen / Weiterlesen
H55 becomes first firm to complete EASA battery certification tests for electric aircraft | Aerospace Testing International
H55 Successfully Completes – For the First Time in the Aviation Industry – All Regulator Required Propulsion Battery Module Certification Tests | H55 via PR Newswire
H55 completes certification tests for propulsion battery modules for electric aircraft | Electrive
Certified Electric Propulsion Systems | H55
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