Die Skalierung der elektrischen Luftfahrt scheitert bislang oft an der fehlenden Ladeinfrastruktur. Mit der Gründung des Konsortiums ACES (America’s Consortium for Electric Skyways) schaffen die Branchengrößen Archer Aviation, BETA Technologies und Macquarie Capital nun Abhilfe. Folglich sollen bis 2030 über 250 interoperable Ladestationen an US-Flughäfen und in Metropolregionen entstehen. Für Betreiber und Kommunen bedeutet dieser Schritt das Ende proprietärer Insellösungen. Durch die Nutzung des etablierten CCS-Standards können unterschiedlichste Flugzeugtypen sowie Bodenfahrzeuge dieselbe Infrastruktur teilen. Das senkt die Betriebskosten, beschleunigt die Zulassung und macht den emissionsfreien Kurzstreckenflug im Alltag endlich wirtschaftlich greifbar.
Das ACES-Projekt auf einen Blick
- Initiative: ACES (America’s Consortium for Electric Skyways)
- Partner: Archer Aviation, BETA Technologies und Macquarie Capital
- Ziel: Aufbau von über 250 Ladestationen für Flugtaxis bis zum Jahr 2030
- Region: Wichtige Verkehrsflughäfen und Metropolen in Kalifornien, Texas, Florida und New York
- Ladetechnik: Combined Charging Standard (CCS) – empfohlen von der GAMA
- Konzept: Offenes, geteiltes Ladenetzwerk für Passagier-eVTOLs, Frachtflieger, medizinische Transporte und Flughafen-Bodenfahrzeuge
- FAA-Programm: Integration in das offizielle eVTOL-Pilotprogramm (eIPP) der US-Luftfahrtbehörde
Archer Aviation, BETA Technologies und Macquarie Capital
Die Besonderheit des ACES-Konsortiums liegt in der Aufteilung der Kompetenzen, wodurch das Projekt erst finanzierbar wird. BETA Technologies baut die Ladesäulen, Archer Aviation sorgt als Ankermieter für die Auslastung und Macquarie beschafft das nötige Kapital.
BETA Technologies liefert die eigens entwickelte Lade-Hardware, welche speziell für die Luftfahrt entwickelt ist und auf dem offenen CCS-Ladestandard (Combined Charging Standard) basiert. Dieser wird von der General Aviation Manufacturers Association (GAMA) empfohlen und in der Branche weitgehend akzeptiert. Archer Aviation agiert als Ankermieter für das Ladenetz. Dabei plant das Unternehmen, die Infrastruktur für seine künftigen Passagier-Flugtaxidienste in den Kernmetropolen intensiv zu nutzen und sichert dem Netzwerk damit von Beginn an eine Grundauslastung. Macquarie Capital übernimmt die strategische Beratung und organisiert das erforderliche Investitionskapital, das für den Erwerb der Grundstücke sowie für die anschließende Entwicklung und den Bau der Ladestationen benötigt wird.
Interoperabilität senkt die Systemkosten
Anstatt auf isolierte Einzellösungen für jeden Flugzeugtyp zu setzen, verfolgt die Allianz ACES ein offenes Plattform-Modell. Das bringt weitreichende Vorteile für den gesamten Markt:
- Mehrfachnutzung: Die Ladesäulen werden von unterschiedlichen Betreibern und für verschiedene Einsatzzwecke genutzt. Während Archer das Netz primär für Passagierflüge zu Stoßzeiten beansprucht, nutzen BETA-Kunden die Ladeinfrastruktur für Frachtflüge und medizinische Transporte.
- Schnittstelle zum Bodenverkehr: Da die Ladesäulen dem gängigen CCS-Standard entsprechen, stehen sie an den Flughäfen auch elektrische Bodenabfertigungsfahrzeuge zur Verfügung.
- Offenes Ökosystem: Das offene Konzept soll verhindern, dass sich der Markt in proprietäre Systeme zersplittert. Weitere Fahrzeughersteller (OEMs), Infrastrukturbetreiber und Investoren können sich dem Netzwerk anschließen.
Strategische Integration in das FAA-Pilotprogramm
Die Auswahl für die ersten 250 Standorte konzentriert sich zunächst auf wichtige Ballungsräume und Flughäfen in Kalifornien, Texas, Florida und New York. Das Vorhaben unterstützt damit direkt die Teilnahme der beiden Unternehmen am eVTOL Integration Pilot Program (eIPP) der US-Luftfahrtbehörde FAA. Die eIPP-Initiative dient als regulatorischer Rahmen, um die Integration der neuen Fluggeräte in den nationalen Luftraum zu erproben und Standards für den kommerziellen Betrieb zu entwickeln. Durch den gezielten Aufbau der Infrastruktur in den eIPP-Testmärkten schaffen die Partner die physischen Voraussetzungen für eine schnellere Zulassung und anschließende Skalierung des Flugbetriebs. Die US-Regierung verfolgt damit das Ziel, eine führende Rolle bei der Vermarktung dieser Technologien einzunehmen.
Branchen-Ausblick auf der Farnborough International Airshow
Wie der Weg zu einer standardisierten Luftfahrt-Infrastruktur konkret aussieht, wollen die Partner zeitnah im Rahmen einer Podiumsdiskussion debattieren. Auf der Farnborough International Airshow (20. bis 24. Juli 2026), die auf dem Farnborough International Exhibition & Conference Centre in Hampshire nahe London stattfindet, veranstalten Archer und BETA am 21. Juli von 12:00 bis 12:45 Uhr BST eine Diskussionsrunde (Fireside Chat).
Das Event wird im Außenbereich direkt vor der Halle 1 am Stand B020 ausgetragen. Gemeinsam mit Dan Edwards (FAA Associate Administrator for Airports) werden die CEOs Adam Goldstein (Archer) und Kyle Clark (BETA) dort die weiteren Schritte des ACES-Aufbaus sowie die Übertragbarkeit des Modells auf andere internationale Märkte erörtern.
Quellen / Weiterlesen
Bildquelle: © Archer Aviation


