Ebusco vor Teilverkauf: Mehrheitseinstieg soll Busgeschäft retten

Ebusco plant den Teilverkauf seines Busgeschäfts. Trotz steigender Umsätze bleibt die Lage für den E-Bus-Spezialisten prekär.

0
75
ebusco-elektrobus-krise

Finanzielle Engpässe zwingen den niederländischen E-Bus-Anbieter Ebusco dazu, drastische Schritte zu unternehmen, um die Liquidität langfristig zu sichern. Folglich sucht das Unternehmen derzeit einen Mehrheitsinvestor für das Busgeschäft. Parallel dazu verändert sich das operative Modell grundlegend, denn Ebusco verabschiedet sich von der Eigenfertigung und wandelt sich zum reinen Entwickler. Während Partner in Asien künftig die komplette Montage übernehmen, verlagert sich der Fokus in Europa auf Service und Design. Für Kommunen und deutsche Verkehrsbetriebe bedeutet dies zwar eine Fortführung des Service und Ersatzteilversorgung, jedoch auch eine zunehmende Abhängigkeit von asiatischen Fertigungspartnern. Gelingt die Sanierung, bleibt die technologische Vielfalt im Markt für emissionsfreie Mobilität erhalten. Zudem ließen sich so die Lieferketten für bestehende Großaufträge stabilisieren.

Überblick der Ebusco-Sanierung

  • Strategie: Wechsel vom Hersteller (OEM) zum Entwickler (OED) mit Fokus auf Design und Service.
  • Investorensuche: Laufende Verhandlungen über den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung am Busgeschäft.
  • Produktion: Montage in Asien; Standorte Deurne und Cléon für Qualitätsprüfung und Service.
  • Personal: Abbau um 46% auf 282 Mitarbeiter durch Standortzusammenlegungen.
  • Bilanz 2025: 76,6 Mio. € Umsatz bei 56,4 Mio. € operativem Verlust (EBITDA).
  • Absatz: Auftragsbestand sank von 581 auf 245 Busse; 123 Fahrzeuge ausgeliefert.
  • Zweitmarkt: Erste Erfolge bei stationären Speichern durch Partner Gotion High-tech.
  • Liquidität: Fortbestand hängt vom neuen Bankkredit bis zum 30. Juni 2026 ab.

Umstellung auf Auftragsfertigung

Ebusco stellt die eigene Produktion grundlegend um. Künftig agiert das Unternehmen nicht mehr als klassischer Hersteller (OEM) für Elektrobusse, sondern als Entwickler (OED). Partner in Asien übernehmen nun die komplette Busmontage, während Ebusco die Standorte Deurne und Cléon für die Auslieferungsinspektion und den Kundendienst nutzt. Dieser Wechsel zum sogenannten OED-Modell (Original Equipment Developer) soll die Fixkosten senken und die Effizienz steigern. Die Straffung der Organisation führte bereits zu deutlichen Kürzungen beim Personal. Durch die Zusammenlegung der Werke Deurne und Venray sank die Mitarbeiterzahl bis Ende 2025 somit auf 282 Personen. Das entspricht einem Rückgang von fast 50% innerhalb eines Jahres.

Anzeige

Bilanzdaten und Kostensenkung

Im Geschäftsjahr 2025 steigerte Ebusco den Umsatz auf 76,6 Millionen Euro, wobei sich der operative Verlust (EBITDA) im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 56,4 Millionen Euro halbierte. Dieser Trend resultiert vor allem aus drastisch reduzierten Betriebskosten, die ohne Materialaufwand um 55,1% auf 72,6 Millionen Euro sanken. Trotz dieser Einsparungen bleibt das Marktumfeld schwierig; die Zahl der ausgelieferten Busse sank demnach auf 123 Einheiten. Deutlicher fiel der Rückgang beim Auftragsbestand aus, der sich von 581 auf 245 Fahrzeuge reduzierte. Ein spezielles Transaktionskomitee des Aufsichtsrats koordiniert derzeit die Verhandlungen mit strategischen Partnern. Dieses Gremium steuert den geplanten Verkauf der Mehrheitsbeteiligung am Busgeschäft.

Finanzielle Unsicherheit bis Juni 2026

Bislang ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens noch nicht dauerhaft gesichert. Zwar erhielt Ebusco im April Überbrückungskredite von Aktionären in Höhe von 27,4 Millionen Euro, doch die Fortführung hängt maßgeblich von einer weiteren Kreditvereinbarung ab. Diese Verhandlungen mit einer internationalen Bank sollen bis Ende Juni abgeschlossen sein. Das Management räumt im Geschäftsbericht ein, dass ohne diesen Abschluss erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit bestehen. Während das Busgeschäft schwächelt, wächst jedoch die Sparte für Energiespeicher. Zusammen mit dem Partner Gotion High-tech sicherte sich Ebusco die ersten Verträge für stationäre Speichersysteme. Auch mobile Energiecontainer finden immer mehr Abnehmer. Somit bietet dieser Markt eine stabilere Marge als der umkämpfte Busmarkt, auf dem asiatische Hersteller derzeit die Preise drücken.

Konsequenzen für den deutschen ÖPNV

Die Krise von Ebusco trifft deutsche Verkehrsunternehmen an zwei kritischen Punkten: der Flottenerneuerung und der langfristigen Instandhaltung. Viele Betreiber haben bereits Förderbescheide für die Dekarbonisierung eingelöst und sind auf die fristgerechte Auslieferung der bestellten Leichtbaubusse angewiesen. Durch die finanzielle Instabilität verschärft sich nun das operative Risiko für diese Betriebe. Ein Vertragsrücktritt ist rechtlich meist erst bei erheblichem Verzug möglich, löst jedoch das Problem fehlender Fahrzeuge nicht. Da Wettbewerber wie Solaris oder MAN ebenfalls lange Lieferzeiten haben, stecken viele Verkehrsbetriebe in einer Sackgasse.

Risiken für Betrieb und Finanzierung

Das Hauptproblem sind vor allem die befristeten Fördergelder, weil diese oft an feste Liefertermine gebunden sind. Sollte die Umstellung auf asiatische Auftragsfertiger die Auslieferung verzögern oder die Finanzierung im Juni scheitern, droht der Entzug dieser Fördermittel. Zudem kosten Ersatzkäufe bei anderen Herstellern im aktuellen Marktumfeld deutlich mehr Zeit und Geld. Zusätzlich gefährdet auch der Personalabbau den Service. Wenn fast die Hälfte der Belegschaft geht, fehlen Techniker und Ersatzteile für die spezielle Carbon-Bauweise. Für Kunden bedeutet dies im Ernstfall längere Standzeiten in den Werkstätten.

Bis zum entscheidenden Stichtag Ende Juni 2026 rückt besonders die rechtliche Absicherung von Anzahlungen und Garantieansprüchen in den Fokus. Verkehrsbetriebe müssen jetzt proaktiv ihre Fertigstellungsgarantien prüfen, da bei einem Scheitern der Kreditverhandlungen die Fortführung des Unternehmens nicht mehr gewährleistet ist. Durch den Wechsel zum OED-Modell (Entwicklung in Europa, Bau in Asien) verlieren deutsche Abnehmer den direkten Zugriff auf die Fertigungskontrolle. Dadurch steigt u.a. die Abhängigkeit stabiler Lieferwege zwischen Asien und Europa.

Einordnung: Deutschland im europäischen Vergleich

Während Deutschland lange auf europäische Innovationen wie die Carbon-Busse von Ebusco setzte, zeigt die aktuelle Krise eine Marktdynamik, die bereits in anderen EU-Staaten sichtbar ist. In Skandinavien (Schweden, Norwegen) oder den Benelux-Ländern gewinnen chinesische Hersteller wie BYD oder Yutong deutlich Marktanteile, weil sie über stabilere Lieferketten und eine gesicherte Finanzierung verfügen. Deutsche Verkehrsbetriebe stehen nun vor einem Dilemma und müssen eine Entscheidung treffen. Entweder sie halten an Ebusco fest und hoffen auf den Bankkredit im Juni, oder sie diversifizieren ihre Flotte, was jedoch die Komplexität in der eigenen Werkstatt (Software, Ersatzteile, Schulung) erhöht.

Quellen / Weiterlesen

Ebusco verhandelt über Teilverkauf seines E-Busgeschäfts | Electrive
Nachrichten für Busunternehmer und Reiseveranstalter | Omnibus Revue
Fahrzeuge wurden erst 2023 geliefert: BVG zieht 90 E-Busse wegen Mängeln aus dem Verkehr | Tagesspiegel
Ebusco reports Full Year results 2025 | Ebusco
Ebusco is in talks with strategic investors over potential sale of bus division | Sustainable Bus
Bildquelle: © Ebuso

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein