Die Suche nach dem Energiespeicher der Zukunft läuft. Dass wir für die Energiewende Speicher brauchen ist klar, doch gibt es noch keine wirklich kostengünstige Technologie. Siemens testet nun eine ganz neue Idee: Der Konzern will Energie in Form von Hitze in Steinen speichern. Was abwegig klingt, soll mit unter 10 Cent pro Kilowattstunde viel günstiger sein als alle bekannten Speichertechnologien.

Mit Windenergie Steinhaufen auf 600 Grad erwärmen

So wird zum Beispiel überschüssige Windenergie in Steinen gespeichert: Ein Heizgebläse erwärmt riesige, gut isolierte Steinhaufen auf 600 Grad. Wird Strom benötigt, wird die heiße Luft über Lüfter aus dem Speicher gesaugt und geht in eine Dampfturbine, die dann wiederum einen Generator antreibt.

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Die Hitze aus 1.000 Tonnen Gestein treibt die Turbine 24 Stunden lang an

Siemens testet das Verfahren aktuell in Hamburg-Bergedorf, der Fokus liegt dabei momentan auf der optimalen Anordnung der Steine, damit sich die Hitze am effektivsten verteilt. Das „Aufladen“ der Steine dauert etwa 6 Stunden, die Hitze lässt sich etwa eine Woche speichern. Eine Rückverstromung der Energie findet in der Testanlage noch nicht statt. Wenn im nächsten Jahr eine größere Anlage auf dem Gelände einer Aluminiumhütte in Hamburg-Altenwerder in Betrieb geht, sollen 1.000 Tonnen Gestein 36 Megawattstunden Stromäquivalent speichern. Mit dieser Menge an Hitze kann die 1,5 Megawatt-Turbine einen ganzen Tag lang laufen und genug Strom erzeugen, um einen Vierpersonenhaushalt neun Jahre lang zu versorgen. Der Wirkungsgrad der Anlage liegt jetzt bei 25 Prozent, er kann bei großen Ausführungen jedoch auf bis zu 50 Prozent steigen.

Das Prinzip ist einfach und greift auf bewährte Technik zurück, daher kann es sehr kostengünstig umgesetzt werden. Außerdem lässt sich die Technologie in verschiedenen Größen und Leistungsklassen anwenden und bleibt dabei wirtschaftlich. Grenzen setzt dem Konzept nur der Platzbedarf des mit Steinen gefüllten Isolierbehälters.

Innerhalb weniger Jahre soll das Konzept praxistauglich werden

Siemens betreibt das Projekt gemeinsam mit dem Energieversorger Hamburg Energie und Wissenschaftlern der Technischen Universität Hamburg. Die Projektpartner wollen innerhalb weniger Jahre eine praxistaugliche Lösung entwickeln. Die Idee wird auch vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Projekts Future Energy Systems gefördert.

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Quellen / Weiterlesen:
Siemens stellt Wärmespeicher für Windenergie vor | Siemens AG
Strom aus Steinen | FINK.Hamburg
Siemens leitet die neue Steinzeit ein | golem.de
In Stein gespeichert: Siemens arbeitet an einem kostengünstigen Stromspeicher | Trends der Zukunft
Bildquelle: Pixabay

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3 KOMMENTARE

  1. Die Antwort auf die Frage, warum man nicht stupide auf P2G bzw. H2 setzt, ist ganz einfach: Elektrolyse und alle Folgeprozesse sind sehr teuer. Auch wenn es viele nicht gern hören bzw. ignorieren wollen, die Kosten des Stromversorgungssystems sind sehr entscheidend. Daher macht es Sinn andere/neue Alternativen in Betracht zu ziehen, die eventuell günstiger sein könnten.

  2. Warum nicht eine neue Technologie? H2-Erzeugung hat auch nicht mehr als 50% Zyklus-Wirkungsgrad.

    eMobilität mit Brennstoffzelle wird es nur in wenigen Nischen geben (Flugzeuge, Schiffe, evt. Baumaschinen). Dazu sind die Akkus inzwischen schon viel zu gut. Und werden noch besser. Und billiger.

    Es kann nur gut sein, wenn mehrere Optionen zur Verfügung stehen. Jeder solcher Ansatz bringt uns dem Ziel näher, das unsere angebliche Klima-Kanzlerin seit Jahren aufgegeben hat: Einer decarbonisierten modernen Gesellschaft, die das 2-Grad-Ziel noch erreichen kann.

  3. Überflüssiger Windstrom sollte mit einem ähnlichen bzw. höheren Wirkungsgrad lieber für P2G verwendet werden. Warum in eine völlig überflüssige Technologie investieren, die noch dazu neu ist, wenn man mittels bewährter Elektrolyse H2 herstellen kann? Diesen brauchen wir in Zukunft vermutlich sowieso vermehrt für die E-Mobilität mittels Brennstoffzelle – und wenn nicht da, kann er ins Erdgasnetz eingespeist werden und überall, wo nötig, KWK Anlagen versorgen.

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