Nach der Insolvenz von Northvolt plant das US-Unternehmen Lyten die Standorte in Schweden und Deutschland zu übernehmen, unter anderem auch den Standort in Heide. Lyten möchte die vorhandene Infrastruktur in Dithmarschen übernehmen, um dort ab 2028 Lithium-Schwefel-Batterien zu produzieren. Im Gegensatz zum schwedischen Vorgänger setzt Lyten auf eine materialsparende Technologie, die auf Nickel und Kobalt verzichtet. Zudem verfolgt CEO Dan Cook eine diversifizierte Marktstrategie und möchte den Fokus nicht allein auf die Produktion von E-Auto-Batterien richten.
Folglich sollen die Batterien auch in stationären Energiespeichern und Verteidigungssystemen zum Einsatz kommen. Dabei möchte Lyten die Finanzierung primär privat regeln. Der Baubeginn für den neuen „Industrial Hub“ – eine Kombination aus Zellfertigung, Rechenzentrum und stationären Batteriespeichern – ist bereits für 2026 vorgesehen. Der Standort Heide gilt dabei als strategisch wichtig für den Aufbau einer europäischen Batteriewertschöpfung.
Überblick: Batterieproduktion von Lyten in Heide
- Standort: Ehemaliges Northvolt-Areal in Heide (Dithmarschen), Schleswig-Holstein.
- Technologie: Lithium-Schwefel-Batterien (Li-S) ohne Nickel, Kobalt und Mangan.
- Konzept: Industrial Hub aus Zellfertigung, Rechenzentrum und stationären Batteriespeichern.
- Investition: Fokus auf Privatfinanzierung; staatliche Förderung nur als Option.
- Zeitplan: Baubeginn 2026, geplanter Produktionsstart im Jahr 2028.
- Arbeitsplätze: Rund 1.000 Stellen in Phase 1 (ca. 33% der Northvolt-Planung).
- Strategie: Diversifizierung (Verteidigung, stationäre Speicher, Mobilität und Elektroautos).
Strategie: Diversifizierung statt reiner E-Mobilität
Der US-Batteriespezialist Lyten verfolgt am Standort Heide einen grundlegend anderen Ansatz als sein Vorgänger Northvolt. Bereits die Ankündigung der Übernahme von Northvolt durch Lyten verdeutlichte den strategischen Wandel. Während das schwedische Unternehmen primär auf die großskalige Versorgung der Automobilindustrie mit Lithium-Ionen-Zellen setzte, plant Lyten die Errichtung eines sogenannten „Industrial Hub“. Dieses Konzept sieht eine Kombination aus Batteriezellfertigung, einem Rechenzentrum und stationären Batteriespeichern vor.
CEO Dan Cook betonte bei seinem Besuch in Kiel die Unabhängigkeit von der Marktentwicklung der Elektromobilität. Demzufolge sollen die geplanten Lithium-Schwefel-Zellen ein breites Anwendungsspektrum abdecken, das von der Verteidigungsindustrie über die stationäre Energiespeicherung bis hin zu verschiedenen Mobilitätslösungen und Elektrofahrzeugen reicht.
Technologie: Lithium-Schwefel-Batterien stehen im Fokus
Technologisch gilt das Vorhaben des US-Unternehmens einen Richtungswechsel, der weg von der klassischen NMK-Chemie (Nickel-Mangan-Kobalt) geht. Die von Lyten entwickelten Batterien kommen vollständig ohne diese kritischen Rohstoffe aus. Das reduziert nicht nur die Abhängigkeit von instabilen Lieferketten, sondern verbessert auch die ökologische Bilanz der Produktion. Jedoch bedeutet das für den Standort Heide auch, dass bauliche Anpassungen vorgenommen werden müssen.
Infrastruktur und regionale Umsetzung
Ein wesentlicher Aspekt, der das Lyten-Projekt von einer klassischen Fabrik unterscheidet, ist die geplante Struktur als „Industrial Hub“. So möchte man am Standort nicht nur Zellen physisch produzieren, sondern durch ein angeschlossenes Rechenzentrum und integrierte Batteriespeicher verschiedene Dienstleistungen im Energiebereich bündeln.
Doch dies erfordert ein aktives Handeln der Kommunalpolitik. Laut Björn Jörgensen, dem leitenden Verwaltungsbeamten im Amt Heider Umland, weicht der geplante „Industrial Hub“ so stark von Northvolts Plänen ab, dass die Bebauungspläne (B-Pläne) der betroffenen Flächen voraussichtlich geändert werden müssen. Die lokalen Bürgermeister Kai Tange (Lohe-Rickelshof) und Kay-Uwe Evers (Norderwöhrden) bewerteten den Austausch mit CEO Dan Cook jedoch als „vernünftige Ausgangslage“ und schätzen den langsameren, stufenweisen Ansatz als realistischer ein.
Finanzierung und politische Einordnung
Darüber hinaus soll die Finanzierung primär durch privates Kapital erfolgen. Lyten-CEO Dan Cook erklärt zudem, dass staatliche Fördermittel derzeit nicht zentraler Bestandteil der Planung seien. Allerdings würde man diese in Betracht ziehen, sodass Förderungen zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch genommen werden könnten. Während Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) den vorgestellten Zeitplan positiv bewertete, mahnt die Opposition zur Vorsicht. Da bisher weder unterschriebene Verträge noch verbindliche Zusagen vorliegen, fehle dem Projekt laut SPD-Wirtschaftsexperte Kianusch Stender noch eine gesicherte Perspektive. Die regionale Entwicklungsagentur Heide schätzt die Ansiedlung hingegen als realistisch und machbar ein, gerade wegen des weniger aggressiven Skalierungsansatzes.
Zeitplan und Ausblick für den Standort Heide
Der Hochlauf der Produktion soll nach Angaben der Unternehmensführung langsamer und stufenweiser erfolgen als ursprünglich von Northvolt geplant. Vergleichsweise wollte Northvolt rund 3.000 Arbeitsplätze in der Region schaffen, doch Lyten stellt für die erste Phase des Hochlaufs nur rund 1.000 Arbeitsplätze in Aussicht. Für die Region sowie Europa und Deutschland bedeutet das Vorhaben von Lyten trotzdem eine Chance, die von Northvolt begonnene industrielle Transformation fortzuführen, sofern die Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und die finale Finanzierung zeitnah erfolgen.
| Kategorie | Details und Zeitplan |
|---|---|
| Vorbereitungsphase | Erste Gespräche mit Akteuren im März 2026, u.a. mit CEO Dan Cook, Minister Madsen und den Bürgermeistern Kai Tange und Kay-Uwe Evers. |
| Baubeginn | Erste Bauarbeiten am Standort sind für das Jahr 2026 vorgesehen. |
| Betriebsstart | Aufnahme der industriellen Fertigung der Lithium-Schwefel-Zellen für 2028 geplant. |
| Arbeitsplätze | Rund 1.000 Jobs in der ersten Phase (Vergleich Northvolt: ursprünglich 3.000). |
Quellen / Weiterlesen
Batteriefabrik bei Heide: Lyten will 2028 Betrieb aufnehmen | NDR
Bildquelle: © Lyten


