Italien: Details zum neuen 509 MW-Energiespeicher von Airengy

Airengy erhält Genehmigung für Netzanschluss für 3 GWh Batteriespeicher in Italien. 230 Mio. € Investition für Netzstabilität in Brindisi.

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Airengy

Der italienische Übertragungsnetzbetreiber TERNA genehmigte den Netzanschluss für eines der derzeit umfangreichsten Energiespeicherprojekte des Landes. In der Region Brindisi plant das israelische Unternehmen Airengy, eine Anlage mit einer Kapazität von bis zu 3 Gigawattstunden (GWh) und einer Anschlussleistung von 509,25 MW zu realisieren. Folglich soll das auf Lithium-Ionen-Technologie (BESS) basierende System künftig die Netzstabilität sichern und die Integration erneuerbarer Energien in Süditalien verbessern. Der Anschlusspunkt am Umspannwerk Pignicelle liegt weniger als 3 km vom Projektstandort entfernt, was nicht nur die Kosten für den Bau teurer Hochspannungstrassen reduziert, sondern auch Übertragungsverluste minimiert und Genehmigungsverfahren für die Leitungsführung vereinfacht. Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von rund 230 Millionen Euro und sieht eine Bauzeit von etwa 20 Monaten vor.

Das Wichtigste in Kürze: Kennzahlen BESS Brindisi

  • Leistung: 509,25 MW Kapazität für die Netzeinspeisung.
  • Speicherkapazität: Bis zu 3 GWh (eines der größten Projekte in Italien).
  • Technik: Lithium-Ionen-Batterie-Energiespeichersystem (BESS) mit 4–8 Stunden Speicherdauer.
  • Technik: Region Brindisi, Anschluss am Umspannwerk Pignicelle (< 3 km Distanz).
  • Standort: Rund 230 Mio. € (Joint Venture Airengy und 7B/Yehuda Levi Gruppe).
  • Investition:
  • Wirtschaftlichkeit: Prognostizierter Jahresumsatz von 35–50 Mio. €.
  • Zeitplan: Bauzeit von circa 20 Monaten ab Unterzeichnung der Anschlussvereinbarung.

Partnerschaft und Fahrplan für die kommenden Projektphasen

Die Kooperation mit der Yehuda Levi Gruppe, die bereits umfassende Erfahrung in europäischen Energie- und Investmentsektoren besitzt, sichert somit die finanzielle Basis des Projekts ab. Mit der nun vorliegenden Genehmigung durch TERNA können die Partner schließlich die nächsten Phasen der technischen Planung und Lizenzierung einleiten. Die nächsten Monate konzentriert sich das Konsortium zudem auf die Vorbereitung der regulatorischen Unterlagen für das italienische Ministerium für Umwelt und Energiesicherheit (MASE). Dieser Schritt ist daher eine zwingende Voraussetzung für den Baubeginn. Darüber hinaus bereiten die Partner ihre Teilnahme an staatlichen Ausschreibungen im italienischen Speichermarkt vor. Ziel dieser Auktionen ist es, feste Vergütungen für die Bereitstellung von Systemdienstleistungen zu erhalten. Diese sichern die langfristige Finanzierung des Projekts ab, weil der Speicher durch die Stabilisierung der Netzfrequenz kalkulierbare Einnahmen generieren kann.

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Technische Eckdaten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das Großprojekt in Brindisi gilt als technischer Wendepunkt für die italienische Netzinfrastruktur. Mit einer Speicherdauer von 4 bis 8 Stunden übertrifft das System die Kapazität herkömmlicher Kurzzeitspeicher deutlich. Diese ermöglicht es, überschüssige Solarenergie aus den Mittagsstunden gezielt in die verbrauchsstarken Abend- und Nachtstunden zu verschieben. Durch diese zeitliche Entkoppelung von Erzeugung und Verbrauch sorgt die Anlage für die notwendige Netzstabilität in Süditalien.

  • Netzanschlusskapazität: 509,25 MW (bestätigter Einspeisepunkt).
  • Gesamtkapazität: Bis zu 3 Gigawattstunden (GWh).
  • Technologie: Lithium-Ionen-Batterie-Energiespeichersystem (BESS).
  • Investitionssumme: Rund 230 Millionen Euro.
  • Umsatzerwartung: 35 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.
  • Partnerschaft: 50/50 Joint Venture mit 7B der Yehuda Levi Gruppe.

Infografik Airengy ItalienStrategische Expansion in Polen

Die Genehmigung des Projekts in Italien ist Teil der Strategie von Airengy, sich als Anbieter für Langzeit-Energiespeicher in Europa zu etablieren. Während herkömmliche Systeme oft nur kurze Spitzen abfangen, setzt das Unternehmen auf Speicherdauern, die das Netz über viele Stunden stabilisieren können. Parallel zum italienischen Großprojekt baut Airengy seine Präsenz auch in Osteuropa aus. In Polen wurden sechs Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 34 MW erworben, wobei diese Anlagen bereits Erträge abwerfen. Dennoch sollen diese durch die Nachrüstung mit Batteriespeichern (BESS) technisch modernisiert werden. Ziel ist es, den selbst erzeugten Solarstrom zwischenzuspeichern und die Rentabilität der Standorte durch eine bedarfsgerechte Einspeisung zu erhöhen.

Details zur Transaktion und Umsetzung bis 2027

Der Erwerb der polnischen Anlagen erfolgt für einen Gesamtwert von etwa 23,7 Millionen Euro, was einem Durchschnittspreis von 690.000 € pro installierte Megawatt entspricht. Planmäßig soll die Transaktion in drei Etappen bis zum Jahr 2027 abgeschlossen werden. Jedoch hängt die Geschwindigkeit vom Fortschritt der jeweiligen Netzanschlüsse und dem Beginn des kommerziellen Betriebs ab. Durch diese zweigleisige Strategie – den Bau von neuen Gigawatt-Speichern in Italien und die Nachrüstung bestehender Solarparks in Polen – diversifiziert Airengy seine Einnahmequellen und trägt zur Dekarbonisierung der europäischen Stromnetze bei. Die Kombination aus Bestandsanlagen und neuen Großprojekten soll eine stabile Cashflow-Basis schaffen, während die technische Expertise im Bereich der Lithium-Ionen-Großspeicher kontinuierlich skaliert wird.

Bedeutung für den Energiemarkt in Italien

Die Entscheidung von TERNA verdeutlicht somit, den dringenden Bedarf an Speicherkapazitäten, um die fluktuierende Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen in Süditalien auszugleichen. Mit einer Kapazität von 3 GWh gehört das Projekt in Brindisi daher zu den wichtigsten Pfeilern der italienischen Strategie für die Netzstabilität. Für Investoren und Marktteilnehmer ist dies beispielsweise ein deutliches Signal, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen für Batteriespeicher nun die notwendige Reife erreichen, um Projekte dieser Größenordnung finanzierbar zu machen. Die Umsetzung innerhalb der nächsten 20 Monate wird zudem zeigen, wie effizient solche Großspeicher in den bestehenden Strommarkt integriert werden können, um die Abhängigkeit von fossilen Reservekraftwerken zu reduzieren.

Relevanz für Markt in Deutschland und die Kraftwerksstrategie

Überdies dient das italienische Großprojekt als wichtige Referenz für die deutsche Energiewende, die vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen steht. Wie in Italien klafft auch in Deutschland die Schere zwischen Erzeugung im Norden und Verbrauch im Süden auseinander. Ein 3-GWh-Speicher zeigt technisch auf, wie großskalierte Batteriesysteme (BESS) die Abregelung erneuerbarer Energien bei Netzengpässen reduzieren können. Während in Deutschland intensiv über die Kraftwerksstrategie und neue Gaskraftwerke debattiert wird, beweist das Vorhaben in Brindisi, dass regulatorische Planungssicherheit private Investitionen in enorme Speicherkapazitäten auslöst. Die Speicherdauer von bis zu 8 Stunden macht solche Anlagen künftig zu einer ernsthaften Alternative für die notwendige Residuallast-Sicherung.

Quellen / Weiterlesen
GREEN LIGHT FOR ONE OF ITALY’S LARGEST ENERGY STORAGE PROJECTS | EIN Presswire
Italy’s Terna approves 3GWh BESS; project progress elsewhere in Europe | Energy Storage
Bildquelle: © Airengy
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Prof. Dr. Johann Nagengast
Nach Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Promotion zum Thema „Outsourcing von Dienstleistungen“ an der Universität Regensburg war Johann Nagengast in verschiedenen internationalen Unternehmen in führenden Positionen tätig. Seit 2001 ist er Professor für Internationales Management und Project Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. Als Trainer, Coach und Berater ist er intensiv in verschiedenen internationalen Projekten tätig. Seine Schwerpunkte liegen in der praxisnahen und pragmatischen Vermittlung und unternehmensspezifischen Anwendung aller Aspekte des Projektmanagements.

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