Der kanadische Batteriespezialist Omni Shell Ltd hat in Toronto mit dem Bau seiner ersten Produktionsstätte für Festkörperbatterien begonnen. Damit verlässt das Unternehmen die reine Forschungsphase, um die industrielle Produktion vorzubereiten. Planmäßig soll die Anlage Akkus für die Elektromobilität sowie stationäre und industrielle Speicher liefern. Die Relevanz für den Markt ist hoch, da Feststoffakkus als technische Lösung für die Reichweiten- und Sicherheitsprobleme aktueller E-Autos gelten. Tatsächlich muss Omni Shell nun beweisen, dass sich die Technologie außerhalb des Labors wirtschaftlich skalieren lässt. Dabei bildet die Inbetriebnahme der Fabrik die Grundlage für die geplante Kleinserie der „omnicore V1“-Zellen, deren Auslieferung für das 2027 vorgesehen ist.
Übergang zur industriellen Validierung
Mit dem Bau der Anlage für Feststoffakkus in Toronto reagiert Omni Shell auf die bisherigen Defizite der Feststofftechnologie. Da diese Batterien bislang primär als Prototypen unter Idealbedingungen existierten, dient die neue Anlage dazu, kontrollierte und wiederholbare Fertigungsprozesse zu etablieren. Dabei stehen weniger sofortige Massenmärke im Fokus, sondern das Evaluieren kritischer Betriebsdaten. Das Unternehmen muss den Ertrag (Yield) – also die Quote fehlerfreier Zellen – sowie die Qualitätskontrolle unter realen Bedingungen prüfen. Nur durch diese Daten lassen sich verlässliche Kostenstrukturen für eine spätere Massenfertigung ableiten. Tatsächlich bildet diese Datenbasis die notwendige Voraussetzung für eine spätere Kapazitätserweiterung.
Das Unternehmen plant parallel bereits einen zweiten Standort, doch dessen Realisierung hängt direkt von der Leistung der ersten Fabrik ab. Es liegt nahe, dass Omni Shell zunächst das Vertrauen von Investoren durch stabile Fertigungsraten gewinnen muss. Ein Sprecher betonte diesbezüglich, dass eine disziplinierte Skalierung Priorität habe. Auf diesem Weg möchte das Management das finanzielle Risiko beim Übergang zur Produktion minimieren.
„Unser Fokus liegt auf einer disziplinierten Skalierung – der Etablierung stabiler Fertigungsprozesse, der Validierung von Kostenschätzungen und der schrittweisen Erweiterung der Kapazitäten in Phasen, die mit der Kundennachfrage und der Kapitaleffizienz in Einklang stehen.“ – Omni Shell Ltd.
Technische Spezifikationen der omnicore-Serie
Die Architektur der Zellen unterscheidet sich grundlegend von heutigen Lithium-Ionen-Akkus, da Omni Shell feste Materialien statt flüssiger oder gelartiger Elektrolyte einsetzt. Dieser Verzicht auf brennbare Flüssigkeiten verbessert die thermische Stabilität erheblich, was das Brandrisiko im Falle eines Defekts reduziert. Aus diesem technologischen Ansatz leitet das Unternehmen für die erste Produktgeneration „omnicore V1“ ambitionierte Zielwerte ab. Demnach soll die Energiedichte bei etwa 500 Wh/kg liegen, während ein Akku des Tesla Model 3 momentan lediglich 260 Wh/kg erreicht. Das bedeutet bei gleichem Gewicht fast die doppelte Kapazität für das Fahrzeug. Hinzu kommen Ladezeiten von lediglich 10 bis 20 Minuten für eine 90-Prozent-Ladung, wodurch die Alltagstauglichkeit deutlich steigt.
Technischer Vergleich: Feststoffakkus vs. Lithium-Ionen-Akkus
| Merkmal | Herkömmliche Li-Ionen-Akkus | Omni Shell Feststoff (Zielwert) |
|---|---|---|
| Elektrolyt | Flüssig / Gel (brennbar) | Fest (thermisch stabil) |
| Energiedichte | ca. 200 – 260 Wh/kg | ca. 500 Wh/kg |
| Ladezeit (bis 90 %) | ca. 30 – 60 Min. | ca. 10 – 20 Min. |
| Reichweite (Beispiel) | ca. 450 – 600 km | bis zu 1.200 km |
Hürden bei Lieferketten und Kosten
Trotz des Baustarts bleiben technische und wirtschaftliche Herausforderungen bestehen, weshalb das Unternehmen derzeit über 1.000 Spezialisten beschäftigt. Diese Fachkräfte sollen vor allem die Lieferketten für die benötigten Materialien optimieren und die Produktionsraten stabilisieren. Tatsächlich ist die Fertigung solcher Zellen derzeit noch um ein Vielfaches teurer als die etablierte Lithium-Ionen-Technik, da sie wirtschaftlich mit den bereits optimierten Kostenstrukturen von LFP- und NMC-Batterien konkurriert. Es scheint, als ob Omni Shell das Jahr 2026 für den reinen Anlagenaufbau nutzt, um 2027 die ersten validierten Kleinserien an Partner aus der Automobilindustrie zu liefern. Hierbei wird die Haltbarkeit der Grenzflächen innerhalb der Batterie bei schnellen Ladezyklen ein kritischer Punkt sein. Im Zuge dessen muss das Unternehmen zeigen, dass die theoretische Überlegenheit auch im Alltag der Elektromobilität Bestand hat.
Operative Schwerpunkte bis 2027
Die künftigen Ziele des Unternehmens sind klar definiert, denn nach Abschluss des Fabrikbaus folgt zunächst die Implementierung industrieller Sicherheits- und Prozesskontrollsysteme. Da belastbare Aussagen über die Wirtschaftlichkeit erst bei stabil laufenden Systemen möglich sind, bildet diese Phase das Fundament für alle weiteren Kalkulationen. Parallel dazu treibt Omni Shell bereits die Standortbewertung für eine zweite Fabrik voran. Es ist wahrscheinlich, dass das Unternehmen hierbei auf staatliche Förderprogramme oder strategische Partnerschaften mit großen Automobilherstellern setzt, um die hohen Investitionskosten abzufedern. Somit ist die Produktion der Feststoffbatterie keine Vision mehr, sondern erreicht nun die Phase der industriellen Umsetzung.
Quellen / Weiterlesen
Die Solid-State-Batterien der nächsten Generation von Omni Shell Ltd sollen bis 2027 in Kleinserie gehen (omnicore V1) | Omni Shell via EIN Presswire
Bildquelle: © Omni Shell

