Die GAC Group (Guangzhou Automobile Group) startete die Pilotfertigung für fahrzeugtaugliche Feststoffbatterien. In der Anlage in Guangzhou produziert das chinesische Unternehmen Zellen mit einer Kapazität von über 60 Ah, die ab 2026 in der Marke HYPTEC zum Einsatz kommen sollen. Technologisch setzt GAC auf sulfidbasierte Elektrolyte und Silizium-Verbundanoden, um Energiedichten von über 400 Wh/kg auf Pack-Ebene zu erreichen. Dies entspricht nahezu einer Verdopplung gegenüber aktuellen flüssigen Lithium-Ionen-Systemen und ermöglicht Reichweiten von über 1.000 Kilometern. Nach der laufenden Validierung unter Realbedingungen ist somit der Übergang zur breiten Serienproduktion für den Zeitraum zwischen 2027 und 2030 geplant.
Inbetriebnahme der Pilotlinie für 60-Ah-Feststoffzellen
Die neu in Betrieb genommene Pilotfertigungslinie ist darauf ausgelegt, Feststoffakkus in Automobilqualität mit einer Kapazität von über 60 Amperestunden (Ah) herzustellen. Damit ist GAC nach eigenen Angaben das erste chinesische Unternehmen, das die Produktion in dieser Kapazitätsklasse testet. Diese Zellen sind für erste Anwendungen in Fahrzeugen vorgesehen und dienen somit der Validierung unter Realbedingungen. Ziel ist es, durch die höhere Energiedichte pro Volumeneinheit die Packungseffizienz ‒ Verhältnis von nutzbarem Zellmaterial zum gesamten Bauraum ‒ zu steigern und die Konstruktion künftiger Speichersysteme in Elektrofahrzeugen zu optimieren. Laut Qi Hongzhong, Leiter der R&D-Abteilung für neue Energien bei GAC, erreicht der Prototyp nahezu die doppelte Energiedichte bestehender Lösungen.
Sulfid-Elektrolyte und Nano-Silizium-Anoden
GAC begann bereits 2016 mit der Erforschung der Feststofftechnologie und konzentrierte sich zunächst auf polymerbasierte Systeme. Aufgrund von Limitationen bei der Ionenleitfähigkeit, der Hochspannungstoleranz und der erzielbaren Energiedichte erfolgte ein strategischer Wechsel hin zu oxidbasierten Elektrolyten. Inzwischen hat das Unternehmen seine Bemühungen auf zwei parallele Pfade eingegrenzt. Der Fokus liegt dabei auf sulfidbasierten Verbundelektrolyte sowie polymerdominierten Verbundmaterialien.
Das technologische Fundament bildet eine Kombination aus hochbelastbaren Feststoffkathoden der dritten Generation und „Sponge Silicon“-Anoden (Schwamm-Silizium). Diese Anoden basieren auf fortschrittlichen Nano-Silizium-Verbundwerkstoffen. Die Kathoden erreichen Oberflächenkapazitäten von über 5 mAh/cm², was wiederum die Grundlage für die hohen Energiedichten des Gesamtsystems ist.
Leistungsdaten im Vergleich: 400 Wh/kg und 1.000 Kilometer Reichweite
Durch prozessübergreifende Fertigungsdurchbrüche erreicht das System eine gravimetrische Energiedichte von über 400 Wh/kg auf Pack-Ebene. Ein zentrales Element ist das neue Trockenverfahren für die Anodenfertigung, das Mischen, Beschichten und Walzen in einem Durchgang kombiniert. Dies senkt den Energieverbrauch und ermöglicht eine Flächenkapazität von 7,7 mAh/cm² ‒ ein Wert, der über den 5 mAh/cm² herkömmlicher Lithium-Ionen-Zellen liegt. Damit realisiert GAC dickere, leistungsfähigere Elektroden ohne Rissbildung und steigert die Energiedichte gegenüber flüssigen Li-Io-Zellen um mehr als 50%.
Theoretisch lassen diese Parameter eine Fahrzeugreichweite von über 1.000 Kilometern zu. Da der feste Elektrolyt nicht brennbar und bis zu 300 bis 400°C stabil bleibt, liegt die thermische Belastbarkeit weit über jener herkömmlicher Elektrolyte, die bereits ab 150 bis 200°C instabil werden und zum Entzünden neigen. Dies verhindert das Risiko eines thermischen Durchgehens (Thermal Runaway) und erlaubt eine einfachere, gewichtssparende Kühlstruktur, was zusätzlich die Lebensdauer der Zellen verlängert.
Markteinführung bei HYPTEC ab 2026
Obwohl die technologischen Vorteile der Feststoffzelle überwiegen, verzögerten hohe Materialkosten und die enorme Komplexität der industriellen Skalierung bisher die weltweite Kommerzialisierung. GAC begegnet diesen Herausforderungen mit einem mehrstufigen Fahrplan, um die Produktion schrittweise zu stabilisieren. In der aktuellen Phase (2025/2026) liegt der Fokus auf der Pilotfertigung. Im Zuge dessen realisiert das Unternehmen Testinstallationen in geringer Stückzahl, um die Ausbeute der neuen Fertigungsverfahren zu überwachen. Die erste kommerzielle Anwendung erfolgt 2026 in der Premiummarke HYPTEC, um die anfangs höheren Zellkosten über den Fahrzeugpreis abzufedern.
Schließlich plant GAC zwischen 2027 und 2030 den entscheidenden Übergang in die breite Serienproduktion. Infolgedessen sollen Skaleneffekte in diesem Zeitraum die Kosten so weit senken, dass die Feststofftechnologie über das Premiumsegment hinaus für den Massenmarkt zugänglich wird. Dieser strategische Zehnjahresplan sieht vor, die Technologie bis zum Ende des Jahrzehnts als Standard in der gesamten Fahrzeugflotte zu etablieren.
Umstellung auf produktorientierte Teams nach dem Vorbild von Huawei
Parallel zur technischen Entwicklung unterzog GAC seine internen Strukturen einem tiefgreifenden Wandel und orientierte sich dabei vor allem an seinem Partner Huawei. Unter Geschäftsführer Xia Xianqing ersetzte der Konzern die klassische, abteilungsbezogene Arbeitsteilung durch einen integrierten Produktentwicklungsansatz (IPD). Dabei arbeiten Experten aus Forschung, Fertigung und Vertrieb in agilen, produktorientierten Teams zusammen. Diese Struktur bricht starre Hierarchien auf und eliminiert Informationsverluste an den Schnittstellen der Fachbereiche. Ziel dieser Transformation ist eine gesteigerte betriebliche Effizienz, um hochkomplexe Projekte wie die Markteinführung der Feststoffbatterie deutlich schneller und zielgerichteter zur Serienreife zu führen.
Von der Premiummarke Qijing bis zum Aion UT
Darüber hinaus spiegelt sich die strategische Neuausrichtung auch in einer differenzierten Markenführung wider. Gemeinsam mit Huaweis Smart-Car-Sparte schuf man die Marke Qijing für junge, leistungsorientierte Konsumenten; das Debütmodell ist für 2026 im Preisbereich von 41.800 USD geplant. Parallel dazu baut GAC sein Vertriebsnetz um 600 neue Standorte aus, um eine Marktabdeckung von über 90% zu erreichen. Während Qijing das Premiumsegment bedient, richtet sich die Tochtermarke GAC Aion über Kooperationen mit JD.com an preisbewusste Käuferschichten. Mit dem Modell Aion UT (ab ca. 6.900 USD) konzentriert sich das Unternehmen dabei gezielt auf die steigende Nachfrage in kleineren Städten und ländlichen Regionen.
Quellen / Weiterlesen
GAC says solid-state battery pilot line is now operational, targeting small-batch vehicle installation | Gasgoo
GAC testet Festkörperbatterien und verdoppelt dabei nahezu deren Energiedichte | vietnam.vn
Bildquelle: © GAC

