Durch die Abhängigkeit von Lithium-Ionen-Batterien stößt die globale Industrie an ihre Grenzen. Steigende Lithium-Preise und begrenzte Rohstoffvorkommen erschweren den Ausbau nachhaltiger Energiespeicher. Herkömmliche Batterien schwächeln zudem bei Kälte und bergen Sicherheitsrisiken. Die Lösung bietet nun der chinesische Hersteller Eve Energy durch den Bau einer neuen Zentrale für Natriumbatterien sowie eines Zentrums für Robotik und KI in Huizhou (Guangdong). Das Projekt mit dem Namen „EVE Sodium Energy Headquarters and Jinyuan Robotics AI Center“ bündelt auf einem Areal von 90.000 Quadratmetern die Entwicklung von Natrium-Ionen-Batterien mit Künstlicher Intelligenz. Mit einer Investition von rund 120 Millionen Euro will das Unternehmen die Technologie zur Marktreife führen.
Skalierung der Natrium-Technologie am Standort Huizhou
Auf einer Gesamtfläche von 90.000 Quadratmetern entsteht im sogenannten „Bereich D“ des Hauptsitzes von Eve Energy eine Innovationsplattform. Diese Plattform vereint Forschung, Pilotfertigung und Serienproduktion unter einem Dach. Für den Bereich der Natriumbatterien ist eine jährliche Produktionskapazität von 2 Gigawattstunden (GWh) geplant. Obwohl das Volumen im Vergleich zu den Lithium-Ionen-Fabriken des Konzerns moderat erscheint, dient der Standort primär der Industrialisierung der noch neuen Natrium-Technologie sowie der Belieferung spezialisierter Märkte. Erst kürzlich hatte das Unternehmen seine globale Präsenz durch eine Investition in Malaysia sowie den Bau einer Batteriefabrik in Debrecen (Ungarn) massiv ausgeweitet. Demgegenüber liegt der Fokus in Huizhou auf der Kostenreduktion. Durch den Ersatz von Lithium durch Natrium und Kupfer durch Aluminium lassen sich die Materialkosten um bis zu 40% senken.
NFPP-Zellchemie für mehr Sicherheit und Langlebigkeit
Hinsichtlich der Zellchemie setzt Eve Energy bei den neuen Batterien auf NFPP (Natrium-Eisen-Pyrophosphat). Dies hierfür entwickelte NF155L-Zelle nutze eine polyanionische Struktur, die als inhärent sicher gilt, da sie selbst bei mechanischer Beschädigung oder Kurzschluss kaum Sauerstoff freisetzt. Deswegen werden die geplanten Natrium-Ionen-Zellen als „nicht brennbar“ klassifiziert, was sie besonders für den Einsatz in stationären Speichern, Wohngebieten und KI-Rechenzentren attraktiv macht.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Chemie ist die enorme Langlebigkeit mit bis zu 30.000 Ladezyklen. Zudem ermöglichen die optimierten chemischen Eigenschaften eine sichere Lagerung und den Transport bei einem Ladestatus von 0% (SOC), was das Risiko während der Logistik minimiert. Darüber hinaus zeigen sich bei niedrigen Temperaturen weitere Vorzüge der Natrium-Technologie. Während herkömmliche Akkus bei Frost massiv an Leistung verlieren, behalten Natrium-Zellen selbst bei -20°C über 90% ihrer Entladekapazität. Dieser operative Bereich von -40°C bis +80°C macht sie ideal für Außeninstallationen in kalten Regionen.
„Trace-free“-Ansatz und Schnellladefähigkeit
Ein weiterer technologischer Schwerpunkt ist der sogenannte „Trace-free“-Ansatz. Hierbei kommen kohlenstoffarme Materialien zum Einsatz, die laut Unternehmen so konzipiert sind, dass sie sich am Ende ihres Lebenszyklus teilweise selbst zersetzen können (Self-degradation). Dies soll den Recyclingaufwand erheblich reduzieren. Trotz der im Vergleich zu Lithium geringeren Energiedichte von etwa 110 bis 160 Wh/kg zeichnet sich das System durch eine extreme Schnellladefähigkeit aus. Folglich ist eine Ladung auf 90% der Kapazität in nur 15 Minuten möglich. Durch die Nutzung von regenerativen Energiequellen wie Wind- und Solarkraft strebt Eve Energy zudem die Produktion einer vollständig klimaneutralen „Zero-Carbon“-Natriumbatterie an.
Technische und wirtschaftliche Daten des Projekts
| Projektname | EVE Sodium Energy Headquarter & Jinyuan Robotics AI Center |
|---|---|
| Investitionssumme | ca. 140 Mio. USD (120 Mio. Euro) |
| Gesamtfläche | 90.000 m² (davon 50.000 m² Robotik/KI) |
| Geplante Kapazität | 2 GWh pro Jahr (Natrium-Ionen-Batterien) |
| Zelltyp | NF155L (NFPP-Chemie) |
| Zyklenfestigkeit | Bis zu 30.000 Zyklen |
| Temperaturbereich | -40°C bis +80°C (Betrieb) |
| Technik | Trace-free (rückstandsfrei), nicht brennbar, Zero-Carbon-Produktion |
Szenariogesteuertes Design nach dem „1+1+N“-Prinzip
Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist das integrierte „Jinyuan Robotics AI Center“, das allein 50.000 Quadratmeter der Fläche beansprucht. Eve Energy verfolgt hier das Ziel, Robotersysteme bzw. KI-Robotik von der ersten Skizze bis zur Endmontage nach dem „1+1+N“-Prinzip zu entwickeln. Die Verbindung der beiden Bereiche folgt dabei einer logischen Strategie. Einerseits liefert die Batterieforschung die passenden Energiespeicher für die Roboter. Aufgrund ihrer hohen Leistungsabgabe und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber extremen Temperaturen eignen sich Natriumbatterien ideal für mobile Robotersysteme, die auch in kalten Umgebungen oder unter hohen Lasten stabil arbeiten müssen. Andererseits sollen die entwickelten Roboter und KI-Algorithmen direkt in den Batteriefabriken eingesetzt werden, um die Fertigungsprozesse zu automatisieren und die Qualitätskontrolle zu optimieren.
Praxisbeispiel: Das „1+1+N“-Prinzip im Fabrikalltag
Wie diese Kopplung konkret aussieht, zeigt das Modell der Embodied AI nach dem „1+1+N“-Prinzip. In der Fabrik dient eine standardisierte Roboter-Hardware als Basis (1), die durch ein zentrales industrielles KI-Großmodell (1) gesteuert und für unzählige Szenarien (N) angepasst wird. Ein spezialisierter Roboter erkennt beispielsweise über KI-Sensoren kleinste Unregelmäßigkeiten beim Stapeln der Elektroden und korrigiert seine Greifbewegungen in Millisekunden. Andere Roboter übernehmen die Logistik in Gefahrenbereichen oder die visuelle Endkontrolle per Kamera-KI. Gleichzeitig optimiert die KI die Motorsteuerung und berechnet über eine Echtzeit-Diagnose den idealen Zeitpunkt für kurze Zwischenladungen (Opportunity Charging). Da Natriumzellen besonders schnellladefähig sind, können die Roboter so 24/7 ohne Stillstand arbeiten.
Einsatzgebiete ‒ vom Rechenzentrum bis zur Industrie
Die in Huizhou produzierten Natrium-Zellen sind primär für die Einsatzbereiche vorgesehen, in denen Sicherheit und Kosten wichtiger sind als die maximale Energiedichte. Ein zentrales Einsatzgebiet sind KI-Rechenzentren (AIDC), denn diese benötigen stabile Notstromlösungen, die schnell auf Lastschwankungen reagieren können. Natriumbatterien bieten hier eine kostengünstigere und sicherere Alternative zu Lithium-Systemen. Zusätzlich sieht das Unternehmen großes Potenzial in der Industrieautomatisierung. Das neue Zentrum verfügt über eine 1:1-Testumgebung, in der Roboter unter realen Industriebedingungen trainiert werden. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, in dem die Batterie die Hardware antreibt, während die KI die Effizienz der Energieproduktion steigert.
Quellen / Weiterlesen
Eve Energy breaks ground on sodium battery headquarters and robotics center | CnEVPost
EVE Energy Breaks Ground on Sodium-Ion Battery Headquarters and AI Robotics Center in Huizhou | EnergyTrend
EVE Energy breaks ground on sodium battery, AI robotics hub | Gasgoo
Eve Energy builds campus for sodium-ion batteries | Electrive
Bildquelle: © Eve Energy

