Die Jahresstatistik der chinesischen Nationalen Energiebehörde (NEA) zeigt für 2025 eine bislang nie erreichte Skalierung der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten. Allein im Photovoltaik-Sektor wurden mehr als 315 Gigawatt neu installiert; dies übertrifft deutlich die Ausbauraten in Europa. Somit erreichen nicht-fossile Quellen erstmals mehr als 60% der installierten Gesamterzeugungskapazität. Doch der schnelle Ausbau stößt zunehmend auf systemische Integrationsgrenzen, was sich in sinkenden Volllaststunden und zunehmenden Problemen bei der Netzaufnahme widerspiegelt.
Als Reaktion beschleunigt Peking den Ausbau von Ultra-Hochspannungs-Leitungen und erweitert parallel die Kapazität stationärer Großspeicher. Während China primär auf großskalige Erzeugungsstrukturen setzt, konzentriert sich Europa stärker auf Netzflexibilität und dezentrale Steuerung. Der chinesische Zubau stabilisiert zugleich weltweit die Komponentenpreise und verbessert damit die Wirtschaftlichkeit europäischer Projekte im Bereich der Elektromobilität und Energiewende.
Eckdaten: Chinas Energie-Rekorde 2025
- Zubau: Rekordwerte von 315 GW Photovoltaik und 119 GW Windkraft im Jahr 2025.
- Rekord: Nicht-fossile Quellen erstmals mehr als 60% der Gesamtkapazität.
- Problem: Sinkende Volllaststunden und Netzengpässe erzwingen Abregelungen.
- Lösung: Verdopplung stationärer Großspeicher und Bau von Ultra-Hochspannungs-Leitungen.
- Markt: Weltweit niedrige Modulpreise unterstützen europäische Energiewendeprojekte.
- Ausblick: Prognostizierter Rückgang der Neuinstallationen für 2026 auf 215 bis 220 GW.
- Fokus: Übergang vom reinen Kapazitätsausbau hin zur komplexen Systemintegration.
Warum Chinas Netz an Kapazitätsgrenzen stößt
Die von der NEA veröffentlichten Daten für das Jahr 2025 zeigen einen historischen Wendepunkt im chinesischen Strommix. Mit einer installierten Photovoltaik-Leistung von 315,07 Gigawatt und rund 119,33 Gigawatt Windkraft wurden neue Rekorde erreicht. Damit stieg die kumulierte Stromerzeugungsleistung bis Ende Dezember auf 3,89 Terawatt an – ein Zuwachs von über 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch verlief das Jahresende, als allein im Dezember über 40 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu ans Netz gingen. Demgegenüber installierte Deutschland im gesamten Jahr 2025 lediglich knapp 16,5 Gigawatt.
Dieser enorme Ausbau führt jedoch zu systemischen Reibungsverlusten, denn Großkraftwerke erreichten ab einer Leistung von 6 Megawatt im Jahresdurchschnitt nur noch 3.119 Volllaststunden. Dies entspricht einem Rückgang von 312 Stunden gegenüber 2024. Dieser Trend verdeutlicht den wachsenden Druck zur Abregelung, da die Erzeugungskapazitäten schneller wachsen als die Aufnahmefähigkeit der Infrastruktur.
China vs. Europa: Statistik zum Energiesektor 2025
| Bereich | Ausbau China 2025 | Ausbau EU (Schätzung) | Verhältnis |
|---|---|---|---|
| Photovoltaik (Neu) | 280 bis 315 GW* | ~65 GW | > 4 : 1 |
| Windkraft (Neu) | 105 bis 119 GW* | ~20 GW | > 5 : 1 |
| Investitionsvolumen | > 800 Mrd. USD | ~350 Mrd. USD | ~ 2,3 : 1 |
Datenquelle: Jahresstatistik 2025 (NEA), veröffentlicht Februar 2026, Branchenprognosen (CPIA), Schätzungen EU 2025
Midong-Projekt in der Wüste zeigt Grenzen lokaler Netze
Ein prominentes Beispiel für diese Strategie der großflächigen Anlagenstrukturen ist das Midong-Solarprojekt in Ürümqi, Xinjiang. Mit einer installierten Leistung von 3,5 Gigawatt ist es das derzeit größte Photovoltaik-Kraftwerk der Welt. Die von der China Green Development Group realisiert Anlage nutzt dabei die weitläufige Wüstenfläche zur Energiegewinnung. Projekte dieser Größenordnung verdeutlichen jedoch das geografische Dilemma Chinas. Während die Energie in den dünn besiedelten Regionen im Westen und Norden erzeugt wird, liegen die Hauptlastzentren in den Megacitys Peking, Shanghai, Shenzen und Hangzhou im Osten.
Ohne eine entsprechende Transportinfrastruktur bleibt die Erzeugung in diesen Energie-Clustern lokal begrenzt. Herkömmliche Wechselstromleitungen scheiden hierbei aus, da deren Übertragungsverluste auf solchen Distanzen physikalisch zu hoch sind. Peking setzt daher auf Ultra-Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen (UHG), die den Strom nahezu verlustfrei bündeln und abtransportieren. Erst diese technische Entkoppelung von Erzeugungsort und Lastzentrum verhindert, dass Gigaprojekte wie Midong (3,5 GW) aufgrund fehlender lokaler Nachfrage abgeregelt werden müssen. Parallel dazu verdoppelte China seine stationären Großspeicher zur Lastenglättung, um die fluktuierende Einspeisung der nunmehr 1,2 Terawatt Solarleistung im Netz stabil zu halten.
Netzstabilität durch Verdopplung stationärer Großspeicher
Um die Mittagsspitzen der gigantischen Solarparks abzufangen und die Netzstabilität zu gewährleisten, hat China seine Kapazität an Großspeichern innerhalb eines Jahres verdoppelt. Diese Strategie ist notwendig, um die fluktuierende Einspeisung der Erneuerbare-Energien-Cluster im Westen technisch beherrschbar zu machen.
Im direkten Vergleich dazu zeigt sich in Europa ein ganz anderes Bild, denn hier treiben vor allem die hohen Endkundenpreise von 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde den Markt für private Heimspeicher voran. Während China also auf zentrale Großbatterien zur Netzstabilisierung setzt, liegt der europäische Fokus auf Dezentralität und lokalem Lastmanagement. Dennoch bleibt Europa technologisch führend bei der Netzsteuerung, da es trotz hoher Anteile variabler Einspeisung eine sehr hohe Versorgungsqualität aufrechterhält.
Marktausblick 2026: Netzengpässe drosseln das Ausbautempo
Der schnelle Ausbau in China hat jedoch unmittelbare Folgen für den Weltmarkt. Laut International Energy Agency (IEA) installiert China derzeit in einem Quartal so viel Kapazität, wie Deutschland in zehn Jahren realisierte. Diese Skaleneffekte bestimmen maßgeblich die globalen Modulpreise für das Jahr 2026. Davon profitieren insbesondere Energieprojekte in Europa, z.B. in Österreich, wo eine Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe durch die niedrigen Komponentenpreise erst wirtschaftlich attraktiv wird.
Trotz des Rekordjahres 2025 erwarten Analysten der CPIA und BloombergNEF für 2026 einen moderaten Rückgang der Neuinstallationen um etwa 20 bis 25%. Dabei reichen die Prognosen von konservativen 185 GW bis zu optimistischen 275 GW. Grund für diesen Rückgang sind die bereits erreichte Marktsättigung, steigende Hürden beim Netzzugang sowie die schrittweise Marktliberalisierung der Strompreise, die Investitionsentscheidungen stärker an die tatsächliche Netzauslastung bindet. Schließlich ist festzustellen, dass sich der Fokus vom reinen Ausbau zur Systemintegration verschiebt. Die künftige Dynamik wird maßgeblich davon abhängen, wie effizient Speicherreformen und Netzerweiterungen die neuen Kapazitäten aufnehmen können.
Quellen / Weiterlesen
Erneuerbare haben in China die fossilen Kraftwerke überholt | Energie:bau
Bildquelle oben: © Climate Group via Flickr


