Balkonkraftwerke sind in Deutschland mit über 1,2 Millionen Anlagen längst im Alltag angekommen und ein wichtiger Baustein für die private Energiewende. Obwohl der elektrische Anschluss recht simpel ist, stellt die sichere Befestigung der Anlage viele Nutzer vor technische und rechtliche Fragen. Welche Materialien sollte man nutzen? Eine einwandfreie Montage an Fassaden, Geländern oder auf Dächern ist wichtig, damit das Balkonkraftwerk allen Witterungsbedingungen standhält und keine Schäden an Personen oder Eigentum verursacht. Entscheidend ist dabei die Wahl der Befestigungsmittel. Je nach Untergrund – ob Beton, Mauerwerk oder Holz – kommen Bolzenanker, Injektionsmörtel oder Edelstahlschrauben zum Einsatz. Mithilfe der folgenden 5 Tipps und unserer Checkliste als PDF-Download gelingt Ihnen eine fachgerechte Installation.
Den Untergrund richtig einschätzen
Die Wahl der Befestigungsmittel hängt maßgeblich vom Material bzw. Untergrund ab, an dem das Kraftwerk für Balkonsolar montiert wird. Da Module eine große Angriffsfläche für Wind bieten, sind die Anforderungen an die Verankerung hoch.
- Beton: Für Wand- oder Bodenmontage auf Beton empfehlen sich Bolzenanker aus nicht rostendem Stahl (z.B. Fischer FAZ II Plus). Alternativ bieten chemische Lösungen wie die Injektionsmörtel FIS V Plus oder FIS V Zero hohe Tragfähigkeit. Sie ermöglichen eine spreizdruckfreie Montage, was besonders bei geringen Randabständen wichtig ist.
- Mauerwerk (Voll- oder Lochstein): In Lochsteinen ist der Einsatz von Siebhülsen (z.B. FIS H K) notwendig, um eine gleichmäßige Mörtelverteilung und eine formschlüssige Verbindung im Hohlraum zu garantieren.
- Porenbeton: Auch in Porenbeton haben sich chemische Injektionssysteme bewährt, um einen dauerhaften Halt im eher weichen Material zu gewährleisten.
- Holz: In tragfähigem Holz genügen meist spezielle Holzschrauben wie die fischer PowerFast II. Wichtig ist hier ‒ wie bei allen Außenanwendungen ‒, dass Komponenten aus rostfreiem Edelstahl (A2 oder A4) verwendet werden, um Korrosion zu vermeiden.
Wärmebrücken bei gedämmten Wänden vermeiden
Bei modernen Gebäuden mit Außenisolierung (WDVS) darf man nicht einfach „durchdübeln“, denn hier ist Vorsicht geboten. Standarddübel würden die Isolierung quetschen und Kältebrücken verursachen, was zu Schimmelbildung führen kann. Setzen Sie stattdessen auf spezielle Abstandsmontagesysteme (wie den fischer TherMax). Diese unterbrechen den Wärmefluss und leiten die Last sicher in das tragende Mauerwerk ab, ohne die Schutzhülle des Hauses zu verletzen.
Nur rostfreie Edelstahl-Komponenten verwenden
Im Außenbereich ist Korrosion das größte Risiko für die Statik. Verwenden Sie für die Montage konsequent Schrauben und Bauteile aus nicht rostendem Stahl (Edelstahl A2 oder A4). Verzinkter Stahl kann über die Jahre rosten, was die Stabilität der Halterung unbemerkt schwächt. Dabei sollten alle Stahlkomponenten im Außenbereich idealerweise aus rostfreiem Edelstahl bestehen.
Statik und Windlasten berücksichtigen
Ein Standardmodul wiegt oft zwischen 18 und 22 Kilogramm – bei mehreren Modulen plus Halterung kommt eine beachtliche Last zusammen. Prüfen Sie vorab, ob das Balkongeländer (insbesondere bei sehr alten Konstruktionen) für diese zusätzliche Last und die Hebelwirkung bei Sturm ausgelegt ist. Die Befestigung muss exakt auf den Untergrund, das Gewicht der Module des Balkonkraftwerks sowie die regionalen Wind- und Schneelasten abgestimmt sein.
Rechtliche und fachliche Vorgaben einhalten
Mieter:innen haben inzwischen deutlich bessere rechtliche Rahmenbedingungen für Balkonkraftwerke, benötigen jedoch weiterhin die Zustimmung des Vermieters. Bedingung dieser Zustimmung ist eine fachgerechte und sichere Montage der Anlage. Hierfür ist die Verwendung zertifizierter Dübelsysteme als notwendiger Sicherheitsnachweis vorgesehen. Zudem ist ein korrekter elektrischer Anschluss entscheidend, um Rückspannungen und Brandgefahr auszuschließen.
- Fachkraft: Während Systeme ohne Speicher oft selbst montiert werden können, wird bei Anlagen mit Solarstromspeicher in der Regel die Installation durch eine Elektrofachkraft empfohlen oder durch technische Anschlussbedingungen, Herstellervorgaben oder Normen gefordert, weil zusätzliche elektrische Schutzmaßnahmen und Netzanschlussregeln zu beachten sind.
- Register: Die Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur ist für alle Betreiber verpflichtend.
- Stromanschluss: Ein fachgerechter Anschluss ist unerlässlich, um Risiken wie Rückspannungen, Brand- oder Stromschlaggefahr zu vermeiden.
Checkliste „Balkonkraftwerk sicher montieren“
Sie möchten die wichtigsten Punkte für die sichere Montage Ihres Balkonkraftwerks direkt griffbereit haben? Unsere übersichtliche Checkliste fasst alle relevanten Prüfschritte für eine sichere Montage zusammen und eignet sich ideal zum Ausdrucken oder interaktive Checkliste im Browser (kein Drucken notwendig).
▸ Hier können Sie die Checkliste Balkonkraftwerk sicher montieren als PDF herunterladen
Quellen / Weiterlesen
Schwerlastbefestigung fürs WDVS | Bauhandwerk
Solar-Wandmontage: So befestigst Du die PV-Module Deines Balkonkraftwerks an der Fassade! | Priwatt
2025 Deutscher Fachleitfaden für die Installation von Balkonkraftwerken | Maysun Solar
Balkonkraftwerk für Mieter: Welche gesetzlichen Vorgaben gelten? | Mietrecht
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