ChargePoint-Analyse 2026: Ladebedarf wächst doppelt so schnell wie Netzausbau

ChargePoint-Analyse 2026: Ladebedarf steigt um 34%, Ausbau nur um 16%. Daten zu 100 Mio. Vorgängen und ROI-Prognosen.

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Der kalifornische Ladeinfrastruktur-Anbieter ChargePoint veröffentlichte eine umfassende Analyse seiner Netzwerkdaten. Durch die Auswertung von über 100 Millionen Ladevorgängen erkannte ChargePoint eine kritische Diskrepanz zwischen Nachfrage und Netzausbau. Während die Nutzung des Netzwerks im Jahr 2025 um 34% anstieg, wuchs im selben Zeitraum die Anzahl der neuen physischen Ladepunkte nur um 16%. Dieses Ungleichgewicht signalisiert ein strukturelles Problem, denn der wachsende Gesamtfahrzeugbestand – 2025 wurden global 20,7 Millionen Einheiten abgesetzt ‒ überlastet zunehmend die vorhandene Ladeinfrastruktur. Laut Analyse verschärft sich dieser Engpass 2026, da die Auslastungsrate das Wachstum neuer Anschlüsse um fast 20% übertrifft, was die Versorgungssicherheit gefährdet.

Das Wichtigste zur ChargePoint-Analyse 2026

  • Wachstum: Ladevorgänge stiegen 2025 um 34%, aber Zuwachs an Ladepunkten nur um 16%.
  • Nutzung: Über 1 Million Fahrer monatlich generierten über 100 Millionen Ladevorgänge pro Jahr.
  • Fahrzeuge: Plug-in-Hybride (PHEV) tätigen 16% aller kommerziellen AC-Ladevorgänge.
  • Netzwerk: Zugang zu rund 375.000 eigene und über 900.000 Roaming-Ladepunkten.
  • Bilanz: 60% der insgesamt 31,1 Mrd. E-Kilometer fallen auf die letzten 2 Jahren.
  • Ökonomie: Höhere Netzauslastung beschleunigt 2026 Return on Investment (ROI) für Betreiber.

Marktdaten: Fahrzeugbestand überholt Netzausbau

Die von ChargePoint analysierten Marktdaten verdeutlichen die Dynamik des vergangenen Jahres. Bisher galten die Anzahl der Neuzulassungen als primärer Indikator für den Infrastrukturbedarf. Jedoch verschiebt sich laut ChargePoint-CEO Rick Wilmer der Druck nun massiv auf den Gesamtfahrzeugbestand. Laut dem Analysehaus Rho Motion stiegen die weltweiten EV-Verkäufe im Jahr 2025 um 20% auf insgesamt 20,7 Millionen Einheiten. Besonders Europa stach mit einem Zuwachs von 33% hervor und wächst demzufolge schneller als Nordamerika. Doch auch in den USA meldete Cox Automotive trotz eines Rückgangs im vierten Quartal das zweitbeste Jahr der Geschichte für Elektrofahrzeuge.

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Da die globale Flotte stetig wächst, steigt die Auslastung der bestehenden Stationen fast doppelt so schnell wie der Ausbau neuer Hardware. Dieser Trend erhöht den Druck auf die bestehende Hardware massiv. Über eine Million Fahrer nutzen inzwischen monatlich Ladepunkte der ChargePoint-Plattform. Ein signifikanter Faktor sind dabei Plug-in-Hybride (PHEVs), die im Jahr 2025 für 16% aller kommerziellen AC-Ladevorgänge verantwortlich waren. Dies führt zwar zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit für Betreiber (ROI), signalisiert aber gleichzeitig drohende Engpässe für Nutzer im Jahr 2026.

Infrastruktur-Status und ökonomische Auswirkungen

Das Netzwerk umfasst aktuell rund 375.000 von ChargePoint verwaltete öffentliche und private Ladepunkte sowie den Zugang zu über 900.000 Roaming-Ports. Im Jahr 2025 wurden zwar 190.000 neue Ladepunkte über die App zugänglich gemacht, dennoch überstieg die tatsächliche Nutzung das Wachstum der Hardware um fast 20%. Diese hohe Netzlast verändert jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Betreiber (Charge Point Operators, CPOs). Da die Auslastung der Stationen steigt, prognostiziert das Unternehmen für das Jahr 2026 einen beschleunigten Return on Investment (ROI). Somit verschiebt sich der Fokus von der reinen Neukundengewinnung hin zur effizienten Bewirtschaftung des Bestands.

Laut CEO Rick Wilmer ist nicht mehr der Absatz von Neufahrzeugen, sondern der kumulierte Fahrzeugbestand auf der Straße der entscheidende Indikator für die künftige Nachfrage. Rick Wilmer, CEO von ChargePoint, erklärt:

„Neue EV-Verkäufe sind nicht länger der wichtigste Indikator für die Nachfrage nach Ladegeräten, entscheidend ist die Gesamtzahl der Elektrofahrzeuge auf der Straße. Wer 2026 Ladestationen installiert, sollte aufgrund des höheren Bedarfs einen schnelleren ROI sehen.“

Bilanz der Elektrifizierung seit 2007

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen liefert die Analyse auch detaillierte Daten zur kumulierten Umweltbilanz. Seit der Gründung im Jahr 2007 ermöglichte das ChargePoint-Netzwerk insgesamt rund 31,1 Milliarden elektrische Kilometer. Die enorme Beschleunigung der Elektrifizierung zeigt sich darin, dass fast 60% dieser gesamten Fahrleistung allein auf die letzten zwei Jahre entfielen. Dieser exponentielle Anstieg der genutzten Ladeenergie resultiert laut Unternehmensschätzungen in Einsparungen von:

  • Kraftstoff: Über 2,7 Milliarden Liter Benzin wurden durch elektrisches Laden ersetzt. Der eingesparte Kraftstoff entsprecht der Füllmenge von etwa 54 Millionen Standard-Pkw-Tanks.
  • Kosten: Die Einsparungen bei den Kraftstoffkosten belaufen sich auf rund 1,6 Milliarden Euro. Umgerechnet auf einen einzelnen E-Autofahrer, der jährlich ca. 15.000 km zurücklegt, entspricht der Kostenvorteil gegenüber einem herkömmlichen Benziner etwa 1.000 bis 1.200 Euro pro Jahr.
  • Emissionen: Es konnten 4,5 Millionen CO₂ vermieden werden. Dies entspricht der jährlichen CO₂-Emission von knapp einer Million typischer Pkw (bei einem Ausstoß von ca. 4,6 Tonnen pro Jahr).

Quellen / Weiterlesen

ChargePoint Network Data Demonstrates Charging Demand Continues to Outpace Growth of Charging Infrastructure | ChargePoint
Bildquelle: © ChargePoint
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Stephan Hiller
Stephan Hiller ist Betriebswirt (Studium an der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin und in Cambridge, UK) mit umfangreicher Geschäftsführungs- und Start-Up Erfahrung. Er hat sich erfolgreich darauf spezialisiert, den Finanzbereich und das Controlling junger Unternehmen operativ zu betreuen und Start-Ups strategisch sowie in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Finanzen zu beraten. Er verfügt über umfassende kaufmännische Erfahrungen, die er durch mehrjährige Berufstätigkeit für internationale Unternehmen im In- und Ausland aufgebaut hat. Hierunter waren u.a. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, aus der Automobilindustrie, Solarmodulhersteller und Projektentwickler aus dem Bereich erneuerbare Energien. Weiterhin hat er mehrere Unternehmensgründungen im Bereich erneuerbare Energien initiiert und erfolgreich mit aufgebaut. Stephan hat zusammen mit Ajaz Shah energyload.eu im Oktober 2013 gegründet.

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