Für Langstrecken geilten die Reichweite und langen Ladezeiten bisher als die größten Hürden für elektrische Motorräder. Doch der finnische Hersteller Verge Motorcycles möchte dieses Problem nun lösen. Auf der Technikmesse CES 2026 in Las Vegas präsentierte das Unternehmen die neue Generation der TS Pro. Das Modell nutzt als erstes Serienmotorrad weltweit eine Feststoffbatterie der Tochtergesellschaft Donut Lab. Mit einer Reichweite von bis zu 595 Kilometern und einer Ladedauer von nur zehn Minuten für 300 Kilometer zielt Verge direkt auf die Nutzbarkeit auf längeren Strecken ab. Tatsächlich adressiert der Hersteller damit eine Schwachstelle, die das Segment bisher einschränkte.
Technik und Material der Feststoffbatterie Donut Lab im Detail
Anstelle der üblichen Flüssig-Chemie nutzt dieser Akku einen festen Elektrolyten. Dabei gibt Donut Lab die Energiedichte mit 400 Wh/kg an, während aktuelle Standard-Akkus meist nur 250 bis 300 Wh/kg erreichen. In der Praxis führt dieser Wert dazu, dass die TS Pro in der Long-Range-Version mit 33,3 kWh Kapazität eine Reichweite von fast 600 Kilometern erzielt.
Ein weiterer Aspekt ist die thermische Stabilität der Zellen, welche laut Hersteller selbst bei -30°C oder über 100°C noch 99% ihrer Leistungsfähigkeit behalten, ohne dass Anzeichen einer Entzündung oder Leistungsminderung auftreten. Da die Chemie zudem nicht entflammbar ist, erhöht dies die Sicherheit bei Unfällen enorm. Es liegt daher nahe, dass Verge aufgrund dieser Robustheit auf schwere Kühlsysteme verzichten kann. Hinzu kommt die Materialwahl für die Zellen, denn Donut Lab verwendet nach eigenen Angaben nur geopolitisch sichere Rohstoffe und verzichtet vollständig auf seltene Erden.
Effizienz der Ladeperformance
Die Ladeleistung stellt einen neuen Referenzwert im Zweiradsektor dar, weil sich über einen CCS-Anschluss Energie für 300 Kilometer in nur 10 Minuten nachladen lässt. Wer das Motorrad vollständig von Null auf Hundert Prozent füllen möchte, benötigt dafür lediglich fünf Minuten – vorausgesetzt, es steht eine Schnellladesäule mit 200 kW Leistung bereit. Damit sinkt die für die Energiezufuhr notwendige Zeit auf das Niveau eines herkömmlichen Tankstopps.
Neben der Geschwindigkeit ist die Langlebigkeit ein wichtiger Vorteil dieser Technologie; Donut Lab gibt die Zyklenfestigkeit mit 100.000 Ladezyklen bei minimalem Kapazitätsverlust an. Im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus, die oft nach wenigen tausend Zyklen abbauen, macht dieser Wert die Batterie im Rahmen eines normalen Fahrzeuglebens praktisch unzerstörbar.
Kritik am Feststoffakku von Donut Lab
Experten bezweifeln die Leistungsangaben zur Feststoffbatterie von Donut Lab. Sowohl die Ladegeschwindigkeit von 0 auf 100% in weniger als 10 Minuten als auch die angegebenen 100.000 Ladezyklen mit nur sehr geringem Leistungsverlust erscheinen nicht nachvollziehbar. Auch der Verzicht auf kritische Rohstoffe erscheint kaum machbar. Wie soll ein ein junges Unternehmen alle Probleme bei der Entwicklung von Feststoffakkus, wie Produktionsreife, Kosten, Zyklenfestigkeit, Schnellladefähigkeit und Sicherheit gleichzeitig lösen, obwohl viele etablierte Hersteller hieran seit Jahren forschen?
Leichterer Antrieb und digitale Ausstattung
Parallel zur Batterietechnik hat Verge auch den Antrieb grundlegend überarbeitet. Folglich fungiert der sogenannte Donut Motor 2.0 weiterhin als nabenloser Felgenmotor im Hinterrad, wiegt jedoch 50% weniger als die Vorgängergeneration. Diese Einsparung reduziert die ungefederten Massen auf etwa 25 bis 30 kg, wodurch das Gesamtgewicht der Maschine auf 235 kg sinkt. Für die Verzögerung nutzt der Hersteller Komponenten von Brembo und Galfer, während beim Fahrwerk wahlweise Elemente von Wilbers oder Öhlins zum Einsatz kommen.
Auf digitaler Ebene setzt Verge auf die neue Software-Suite DonutOS, welche die bisherige Starmatter-Plattform ergänzt. Das System ermöglicht nicht nur drahtlose Over-the-Air-Updates, sondern soll die Fahrzeugentwicklung durch eine integrierte No-Code-Umgebung beschleunigen. Damit lassen sich neue Funktionen und Optimierungen am Energiemanagement direkt implementieren, ohne dass mechanische Eingriffe am Elektromotorrad notwendig sind.
Technische Daten TS Pro
| Merkmal | Erwarteter Wert / Detail (Verge TS Pro) |
|---|---|
| Batterie-Kapazität | 20,2 kWh oder 33,3 kWh |
| Reichweite (max.) | bis 595 km |
| Leistung | 102 kW (139 PS) |
| Drehmoment | 1.000 Nm |
| 0 – 100 km/h | 3,5 s |
| Ladezeit (300 km) | 10 min |
| Hinterreifen | 240/45-17 |
| Preis (Basis) | ab 36.581 € |
Wirtschaftliche Strategie und Kooperationen
Verge hält die Preise für das Basismodell stabil, obwohl das Unternehmen auf die kostspielige Feststoff-Technologie umstellt. Dieser Schritt deutet darauf hin, dass das Unternehmen zügig Marktanteile gewinnen möchte, während die Tochtergesellschaft Donut Lab als technologisches Rückgrat fungiert. Donut Lab plant dabei bereits die Belieferung anderer Sektoren und stellte auf der CES 2026 erste Partnerschaften vor. So möchte man die Batterie- und Antriebstechnik künftig in der modularen PACES-Plattform von Watt Electric Vehicle Company integrieren. Zudem kommt die Technologie in den intelligenten, batterieelektrischen Trailern von Cova Power zum Einsatz, einem Joint Venture mit der Ahola Group, das den Dieselverbrauch von Lastwagen um bis zu 54% senken möchte. Ville Piippo, CTO von Donut Lab, erläutert:
„Die Feststoffbatterietechnologie der nächsten Generation von Donut Lab ist das Ergebnis langjähriger Entwicklungsarbeit. Nun sind wir bereit, dem Markt für Elektromobilität eine wirklich außergewöhnliche Technologie zu präsentieren, wobei das Motorrad von Verge ein hervorragendes erstes Beispiel dafür ist. Und das ist erst der Anfang – unsere Batterietechnologie lässt sich in allen Arten von Fahrzeugen einsetzen, von Motorrädern und Pkw bis hin zu Lkw, Robotern und stationären Energiespeichern.“
Geplanter Liefertermin im ersten Quartal 2026
Trotz der genannten Leistungsdaten bleibt in Fachkreisen eine gewisse Skepsis erhalten. Da bisher primär Renderings und Prototypen auf Messen zu sehen waren, muss sich erst zeigen, ob die Serienfertigung der Feststoffzellen zum geplanten Liefertermin im ersten Quartal 2026 tatsächlich gut anläuft. Ein weiterer Faktor ist die Infrastruktur, denn die sehr kurzen Ladezeiten hängen unmittelbar von der Verfügbarkeit leistungsstarker 200-kW-Säulen ab. Diese sind aktuell noch nicht flächendeckend vorhanden. Dennoch zeigt Verge mit diesem Ansatz einen Weg auf, wie Elektromobilität auf zwei Rädern ohne die bisher typischen Reichweiten-Kompromisse funktionieren könnte.
Quellen / Weiterlesen
Verge TS: Das erste Elektrobike mit Festkörperakku ist da | Inside EVs
10 Minuten und 600 Kilometer | Motorrad Online
Verge TS Pro | Verge Motorcycles
Donut Lab bringt die Festkörperbatterie Donut Battery auf den Markt | Power Progress
Erster “serienreifer Festkörperakku” ist Betrug, sagt Svolt-Chef | futurezone.at
Feststoffbatterie von Donut Lab: Revolution oder Illusion? | Scooterhelden
Bildquelle Text oben: © Donut Lab
Bildquelle Text unten: © Verge Motorcycles

